Schauspiel / emma-theater
Damenkomödie mit Herrenopfer
„Wir kennen uns seit zehntausend Jahren. Klar, jeder macht das Seine, aber wir kennen uns, wir ‚leben uns nicht auseinander’, wir kühlen nicht ab, tröpfeln nicht weg, wie all die andern Pissnelken das tun. Und warum??! Weil`s Friday night gibt! Insel, Kult, Ritual, nennt’s, wie ihr wollt!“
Einmal monatlich treffen sich vier Busenfreundinnen – mitten im Leben stehend und jede auf ihre Weise vom Leben enttäuscht – zu einem tabulosen Frauenabend im Wohnzimmer: Krüger, Britta, Kittie und Natalie sind mit Burn-Out, vermeintlichen Attraktivitätsproblemen, unangenehmen Männern und flexiblen, will heißen: höchst unsicheren Jobverhältnissen geschlagen, und diese Sorgen sollen mit Alkohol, wilden Partyspielen und – das ist der neueste Plan – Männermissbrauch vergessen werden. Dies ist weniger ein revolutionär-feministischer Akt, hier geht es um die große Frage, warum Männer und Frauen einfach nicht zueinander zu passen scheinen. So versuchen sich die Freundinnen an einer radikalen Art „soziologischer Grundlagenforschung“, bei der ein zufällig gewählter Vertreter des männlichen Geschlechts von der Straße geködert und auf nicht unbedingt sanfte Weise verhört wird. In einer äußerst schrägen Freitagnacht verschieben sich Realitätsebenen, werden Grenzen überschritten… und zum Katerfrühstück am nächsten Morgen gibt es Eier.
Der in Osnabrück bereits bekannte Regisseur Jens Poth (u.a. „Start- und Landebahn“, „Die Prinzessin mit dem Glied“) und der Bühnenbildner Michael Sieberock-Serafimowitsch laden das Publikum direkt zu Krüger nach Hause ein, zwischen Sofas, Kühlschrank und Toilettenschüssel darf man oder frau sich auf Polstermöbeln und Barhockern niederlassen, Sekt schlürfen und eigene Sozialstudien betreiben…
Die Vorstellung dauert ungefähr 1 Stunde und 35 Minuten. Es gibt keine Pause.
Regie Jens Poth
Bühne und Kostüme Michael Sieberock-Serafimowitsch
Dr. Kittie Weissflog Doreen Fietz
Krüger Nicole Averkamp
Natalie Katharina Quast
Britta Nora Lehmann Magdalena Steinlein
Jan Werner Bornschein Friedrich Witte
[…] “Eine Damenkomödie mit Herrenopfer”, um nicht zu sagen: eine saftige Kastrationsfantasie, hat sich mit “Friday Night” Oliver Bukowski fürs Theater Osnabrück und Regisseur Jens Poth einfallen lassen. […] kultiversum
[…] Hinreißende Hysterie und gebrochenes Machotum
Drangsaliert von profanen Alltäglichkeiten, versteigt sich das Individuum – und Bukowski lässt keinen Zweifel daran, dass der Gedanke nicht ans Geschlecht gebunden ist – in der Verrücktheit, der Mensch, in den man sich zu einem früheren Zeitpunkt verliebt haben mag, hätte von nun an – bis dass der Tod und so weiter – geradezustehen für das persönliche Glück, das sich in der schnöden Erwerbstätigkeit partout nicht einstellen will. Und weil kein Geheimnis ist, dass das nicht funktioniert, fängt das derart gescheiterte Individuum an, an sich herumzubasteln. […] Gespielt wird das, als würde sich die von Schlagern und Alkohol befeuerte Sozialdynamik ganz in echt abspielen: Doreen Fietz ist als Dr. Kittie Weissflog eine vielleicht etwas zu kabarettige Wortführerin der Gang. Aber Nicole Averkamp spielt die desillusionierte Krüger wunderbar desolat, Magdalena Steinlein gibt das begriffslose, aber pragmatische Dummchen geradezu hinreißend, Katharina Quast verleiht der aufgelösten, hysterischen Natalie, von ihren Freundinnen tatsächlich “Nattchen” genannt, beträchtlichen Charme. Und Friedrich Witte als Jan Werner Bornschein ist der Prototyp des gebrochenen Machos von heute. […] nachtkritik.de
Mit Sprachwitz in den Geschlechterkampf
[…] Jens Poth und sein Team haben sich für die Osnabrücker Ur-Inszenierung für hohes Spieltempo gleichsam mit quietschenden Reifen und ein szenisches Feuerwerk entschieden, doch nie auf Kosten des mit den Pointen und Kaltschnäuzigkeiten unserer Tage gespickten Textes. […] Zur geballten Bühnenpräsenz von Nicole Averkamp und Katharina Quast gesellen sich als Neue im Schauspielensemble Doreen Fietz und Magdalena Steinlein, als würden sie schon seit Jahren gemeinsam. […] Magdalena Steinlein flippt als blondes Zuckerpüppchen über die Bühne, von Kopf bis Fuß ein Kunst- und Modeprodukt unserer Tage. Nicole Averkamp mahnt als Möchtegern-Vamp Krüger rührend ein Niveau an, das die zehn Jahre Jüngeren gar nicht mehr kennen. Und Katharina Quast lässt zu Natalies Lebenspein wunderbar melodramatisch den ganzen Körper beben. Gegen diese vier „Frustpfützen“ setzt sich Friedrich Witte als smarter und wortgewandter Klempner Jan Werner Bornschein erst verlegen, dann zunehmend verärgert zur Wehr. Vortrefflich seine verbalen Schlagabtausche mit den rabiaten Damen.
Mit „Friday Night“ zeigen sich Regie und Schauspiel in Osnabrück einmal wieder in Topform. Und mit seiner trendigen, aber doch langsam sattsam bekannten Mischung aus schriller Groteske und mutiger Wahrheit wird das Stück wohl mühelos die Spielpläne erobern. 7.9.2010, NOZ
[…] Mit viel Beifall feierte das Publikum am Sonntagabend die Uraufführung von Oliver Bukowskis Schauspiel «Friday Night» im Osnabrücker emma-Theater. Der 48-jährige Wahl-Berliner entfesselt in seiner «Damenkomödie mit Herrenopfer» einen wütenden Kampf der Geschlechter, der am Ende mehr Fragen aufwirft als die Bühnenfiguren beantworten können. Für die kurzweilige Inszenierung zeichnete Jens Poth verantwortlich. … Der mehrfach preisgekrönte Dramatiker Bukowski liefert wie in vielen anderen seiner mittlerweile mehr als 20 Stücke griffige Dialoge. […] Jens Poth […] platziert die Zuschauer mit Hilfe von Michael Sieberock-Serafimowitsch (Bühne und Kostüme) mitten in Krügers Wohnung. Sie dürfen sich auf Sofas oder Barhockern und zur Not auch auf der Toilette platzieren und das Geschehen aus nächster Nähe mitverfolgen. Doreen Fietz (Kittie), Nicole Averkamp (Krüger), Katharina Quast (Natalie) und Magdalena Steinlein (Britta Nora) überzeugen nach anfänglichen Artikulationsschwierigkeiten im ungewohnten Bühnenraum mit schnellem Tempo und steigender Spielfreude. Friedrich Witte (Jan Werner Bornschein) erduldet sein Herrenopfer mit der angemessenen Mischung aus Widerspruch und Resignation. Th. Stegemann, dpa