MARY WIGMAN

Mary Wigman (1886–1973) war die bedeutendste Tänzerin und Choreographin des deutschen Ausdruckstanzes.

Als Marie Wiegmann in Hannover geboren, absolvierte sie von 1910 bis 1913 an der Rhythmischen Bildungsanstalt des Schweizer Musikpädagogen Émile Jaques-Dalcroze in Hellerau eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin. Die Suche nach einer tänzerischen Ausdrucksform führte sie von 1913 bis 1918 zu Rudolf von Laban, der als Tänzer, Tanzphilosoph und Bewegungsforscher in seiner Schule auf dem Monte Verità bei Ascona und in Zürich eine regelfreie, dem individuellen Empfinden verpflichtete Tanzform erprobte. Der Tanz wurde für Wigman zum Instrument, um in tänzerischer Bewegung zum Ausdruck zu bringen, was sie innerlich bewegte. Das eigene Erleben choreographisch so zu gestalten, dass die persönliche Erfahrung zu einer allgemein gültigen Aussage über die menschliche Existenz wurde, machte die Besonderheit ihres Tanzes aus. 1920 eröffnete sie in Dresden ihre eigene Schule, die in der Weimarer Republik zum internationalen Zentrum des modernen Tanzes wurde. Mit ihren Soloprogrammen und mit ihrer Tanzgruppe ging sie jedes Jahr mehrere Monate auf Tournee durch Deutschland und Europa. 1930 gastierte sie zum ersten Mal in den USA und eröffnete in New York eine Wigman-Schule, die Hanya Holm, die spätere Pionierin des modern dance, leitete. 1933 näherte sich Mary Wigman den nationalsozialistischen Machthabern an, um ihren Einfluss auf den Tanz in Deutschland zu bewahren. Für das Festspiel zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 war ihre Teilnahme wegen ihrer internationalen Berühmtheit den Nationalsozialisten noch willkommen, danach verlor sie jede Unterstützung. Ihre Art des individuellen Tanzes passte nicht mehr zur offiziellen Tanzpolitik. 1942 gab Wigman ihren letzten Tanzabend und schloss ihre Schule. Bis 1947 unterrichtete sie an der Musikhochschule in Leipzig. 1948 eröffnete sie in Berlin wieder eine eigene Schule. Bis 1967 bildete sie hier Tänzerinnen und Tänzer in der Tradition eines freien Tanzes aus. Zu ihren letzten Schülerinnen zählte Susanne Linke, eine der Begründerinnen des deutschen Tanztheaters. 

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