Orchesterprojekt zum 70. Jahrestag des Weltkriegsendes

Osnabrücker Symphonieorchester reist nach Moskau, Wolgograd, Minsk und Kiew

Wolgograd2013_klein.jpgIm Mai 2015 jährt sich zum 70. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges. Ein Krieg, der besonders verheerend in den östlichen Ländern wütete und Völker trennte wie kein anderer. Das Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Andreas Hotz will anlässlich dieses Jahrestages mit Gedenkkonzerten in Osnabrück und an verschiedene Orten Osteuropas in (musikalische) Dialoge treten. Seine im Jahr 2013 begonnene partnerschaftliche Kooperation mit dem Wolgograder Akademischen Sinfonischen Orchester wird es dabei fortsetzen. Geplant sind zunächst gemeinsame Gedenkkonzerte der beiden Orchester an drei Orten: Am 22. und 23. März 2015 in Osnabrück, am 5. Mai in Moskau und am 7. Mai in Wolgograd. Auf dem Programm stehen neben Dmitri Schostakowitschs 7. Sinfonie, genannt die „Leningrader“, auch eine Uraufführung des Berliner Komponisten Jens Joneleit, dessen eigens für das Projekt geschaffenes Werk „Ehrfurcht (Andacht)“ allen Opfern des Zweiten Weltkrieges gewidmet ist. Die Konzerte in Osnabrück und Moskau werden GMD Andreas Hotz und der russische Dirigent Alexander Polyanichko gemeinsam dirigieren. Hotz dirigiert die Uraufführung von Jens Joneleit und Polyanichko die 7. Sinfonie von Schostakowitsch.

Nach diesem Gemeinschaftsprojekt geht die Reise für das Osnabrücker Symphonieorchester weiter nach Kiew und Minsk: Am 9. Mai präsentiert es sich unter der Leitung von GMD Andreas Hotz gemeinsam mit dem renommierten ukrainischen Pianisten Denys Proshaev in der Nationalen Ukrainischen Philharmonie in Kiew. (Im Jahr 2003 wurde Proshaev mit dem Osnabrücker Musikpreis ausgezeichnet). Auf dem Programm stehen neben dem 20. Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart KV 466 auch die 7. Sinfonie, genannt „die Unvollendete“, von Franz Schubert. Das Programm wird abgerundet durch ein ukrainisches Orchesterwerk.

Anschließend reist das Osnabrücker Symphonieorchester weiter nach Minsk. Am 11. Mai wird es unter der Leitung von Andreas Hotz gemeinsam mit den Minsker Philharmonikern unter der Leitung von Alexander Anisimov ein Gedenkkonzert in der Staatlichen Minsker Philharmonie gestalten. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke der belarussischen Komponisten Galina Gorelskaja und Wladimir Kusnetzow – diese werden von den Minsker Philharmonikern interpretiert.

Bereits im Jahr 2013 reiste das Osnabrücker Symphonieorchester anlässlich des 70. Jahrestages der Schlacht um Stalingrad nach Wolgograd, um in gemeinsamen Konzerten mit Musikern des Wolgograder Akademischen Sinfonischen Orchesters den Toten zu gedenken. Das damalige Konzert fand im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland und des Russlandjahres in Deutschland unter der Devise „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ statt. Generalmusikdirektor Andreas Hotz freut sich, dass das Projekt nun seine Fortsetzung findet:  „Unsere letzte ebenso bereichernde wie erfolgreiche Reise hat uns angespornt, den im gemeinsamen Musizieren und Gedenken begonnenen Dialog weiterzuführen.“ Auch Intendant Ralf Waldschmidt ist überzeugt, dass das Osnabrücker Symphonieorchester den begonnenen interkulturellen und zwischenmenschlichen Dialog zum gegenwärtigen Zeitpunkt fortsetzen sollte: „Es ist meine Überzeugung, dass es uns gemeinsam mit unseren Partnerorchestern in Moskau, Wolgograd, Minsk und Kiew gelingen wird, gerade jetzt ein deutliches Zeichen für internationale Zusammenarbeit und gelebte Völkerverständigung zu setzen. Wir werden dabei nicht vergessen, dass die derzeitigen deutsch-russischen und russisch-europäischen Beziehungen angespannt sind und ein hohes Maß an Sensibilität verlangen. Wir sind keine Politiker. Doch wir glauben an die Kraft der Musik – das ist unsere Chance!“

Danke ...

Finanziell möglich geworden ist das Projekt dank der Unterstützung des Auswärtigen Amts. Unterstützt wird das Projekt von den Vertretungen der Deutschen Botschaft in Moskau, Kiew und Minsk.

BEETHOVEN IN STALINGRAD

Der Film zur Wolgogradreise 2013 des Osnabrücker Symphonieorchesters

Wolgograd__Fahnen-Mamajew_Ralf Döring.jpgDie Filmemacher Claudia und Günter Wallbrecht begleiteten das Osnabrücker Symphonieorchester auf der Reise nach Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, um gemeinsam mit dem Wolgograder Symphonischen Akademischen Orchester des 70. Jahrestages des Endes der Schlacht von Stalingrad und der Opfer des Krieges zu gedenken. Der dabei entstandene Film „Beethoven in Stalingrad“ ist an der Theaterkasse erhältlich.
Preis: 12 Euro

Bürgermedaille für Christian Heinecke

bürgermedaille_360x240.jpgChristian Heinecke, Violinist im Osnabrücker Symphonieorchester und Orchestervorstand, wurde am 3. Dezember 2013 von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert im Friedenssaal des historischen Rathauses mit der Bürgermedaille der Stadt Osnabrück geehrt.

Griesert würdigte Heinecke vor allem wegen seines Engagements für die Brücken bauende Orchesterreise Anfang des Jahres nach Wolgograd: "Ihr Wunsch an Orten des historischen und politischen Schreckens des 20. Jahrhunderts mit Musik Perspektiven für die Zukunft zu schaffen und ein Bekenntnis zum Frieden abzulegen, war der Grundstein dieses Projektes. Dieser Ort der Mensch gewordenen Unmenschlichkeit wird auf immer mit den Verbrechen verbunden bleiben, die im Namen Deutschlands verübt worden sind. Vor diesem Hintergrund haben die Osnabrücker Symphoniker wahrlich ein historisches Zeichen gesetzt: als erstes deutsches Orchester haben sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Wolgograd gespielt. Und dafür hat die Musik das Ziel vorgegeben und Sie, lieber Herr Heinecke haben den Weg geebnet: Sie haben die ersten Kontakte geknüpft, haben die Organisation übernommen, das Programm gestaltet."

Das Osnabrücker Symphonieorchester in Wolgograd

Hotz Heinecke Zimmermann_240x360Im Februar 1943 scheiterte nach monatelangen Einnahmeversuchen und schwersten Kämpfen Hitlers Russlandfeldzug an der Stadt Stalingrad. Diese Stadt wurde durch die enorme Anzahl von insgesamt über 700 000 Toten auf beiden Seiten zum Synonym für die Unsäglichkeit, das Leid und die Grausamkeit von Kriegen. Noch heute ist diese Zeit in Wolgograd, wie die Stadt seit 1961 heißt, präsent. Jedes Jahr werden bis zu 7000 Leichen geborgen, Russen und Deutsche, Soldaten und Zivilisten. Die Stadt lebt mit dieser Erinnerung – und mit dem Willen zur Versöhnung. Im Februar 2013 reiste das Osnabrücker Symphonieorchester als erstes deutsches Orchester anlässlich des 70. Jahrestages des Endes dieses Grauens nach Wolgograd, um in einem großen Gedenkkonzert gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Wolgograd Beethovens Sinfonie Nr. 9 aufzuführen. Auf Wunsch der Wolgograder Philharmoniker gab es darüber hinaus ein Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters gemeinsam mit Tabea Zimmermann sowie auf Einladung der evangelischen Gemeinde von Sarepta ein weiteres Konzert mit Werken von Schubert und Haydn.