DREI SCHWESTERN

DREI SCHWESTERN

von Anton Tschechow


Drama in vier Akten. Deutsch von Andrea Clemen

Die drei Schwestern und Generalstöchter Olga, Mascha und Irina sehnen sich weg aus der Provinzstadt, in der sie leben, wo sie sich unverstanden und nicht wertgeschätzt fühlen – außer von den wenigen Offizieren, die in ihrem Haus verkehren. Sie suchen ihr Glück in der Arbeit, in der Liebe, in der Vergangenheit und der Zukunft. Aber fündig werden sie nicht. Und die Suche hilft nicht, die Gegenwart zu ertragen. So leiden sie und sehnen sich nach Moskau – der Stadt der Kindheit und der Träume, die alle Hoffnungen in sich vereint. Nur weg – weg aus der sie umgebenden Mittelmäßigkeit, der Trägheit, der Langeweile, der Sinnlosigkeit und der eigenen Überflüssigkeit. Geschrieben um 1900, schildert Tschechow in den Drei Schwestern eine Gesellschaft des Stillstands, die sich selbst überlebt hat und beschreibt zugleich die zeitlose Sehnsucht des Individuums nach einem sinnvollen, glücklichen Leben.

Fotos: Marek Kruszewski

Die Vorstellung dauert ca. 2 Stunden 20 Minuten, eine Pause


Medien

Besetzung

Inszenierung Annette Pullen
Bühne Martin Fischer
Kostüme Barbara Aigner
Dramaturgie Maria Schneider

Andrej Sergejewitsch Prosorow Patrick Berg
Natalja Iwanowna, seine Braut, dann seine Frau Andrea Casabianchi
Olga – seine Schwester Stephanie Schadeweg
Mascha – seine Schwester Franziska Arndt / Sabine Osthoff
Irina – seine Schwester Ellen Céline Günther
Kulygin Fjedor Iljitsch, Gymnasiallehrer, Maschas Mann Tilman Meyn
Werschinin Alexander Ignatjewitsch, Oberst, Kommandeur der Artilleriegarnison Thomas Kienast
Soljony Wassilij Wassiljewitsch, Hauptmann im Stab Jakob Plutte
Tusenbach Nikolaj Ljwowitsch, Baron, Leutnant Marcus Hering
Tschebutykin Iwan Romanowitsch, Militärarzt Anton Koelbl

Pressestimmen

„Bislang größter Wurf im Schauspiel: Annette Pullens ausgefeilte Inszenierung von Anton Tschechows Drei Schwestern im Stadttheater Osnabrück. Ausgelassen tanzen die vier Geschwister mit den Offizieren zu russischen Volksweisen im leeren Bühnenraum. „Der Mensch soll arbeiten … darin allein besteht Sinn und Ziel seines Lebens“, jubiliert Irina, die jüngste der drei Schwestern, auf dem Gipfel der allgemeinen Euphorie. Großartig, wie präzise durchdacht da eine Inszenierung die Grundstimmung vor einer epochalen Umwälzung veranschaulicht. […] „Nach Moskau“, die berühmte Sehnsuchtsformel dieses Dramas, ist in Annette Pullens so profunder wie glasklarer Lesart nur ein Synonym für solche Selbstbestimmungsvisionen und längst nicht mehr die Sterbearie einer überlebten Gesellschaftsform. Deshalb auch keine Spur von zähem Lamento und bleigrauer Resignation im Großen Haus. Hier geht es bisweilen turbulent und lebensfroh zu wie auf einer Studenten-Party (Bühne: Martin Fischer, beredte Kostüme: Barbara Aigner). Die persönlichkeitsstarken Schwestern Olga (Stephanie Schadeweg mit dem warmen Charisma des Familienoberhauptes), Mascha (feminin brennend: Franziska Arndt) und Irina (Ellen Céline Günther mit liebenswert-lautem Trotz) schwärmen die in ihrer Provinzstadt anwesenden Offiziere an wie Popstars. Als die abziehen müssen, breiten sich Müdigkeit und Katzenjammer aus wie nach einer durchzechten Nacht. […] Moderat aktualisiert wird Tschechows ohnehin beherzt gekürzter Text, doch nie als billiger Selbstzweck. Wenn Hauptmann Soljony (Jakob Plutte) über Tschechow hinaus Natascha brutal-platte Baby-Witze erzählt, dann sagt das viel über den neuen (Un-)Geist, der mit der prolligen Ehefrau Andrejs (klasse: Andrea Casabianchi) vom Haus Besitz ergreift. Faszinierend überhaupt, wie es dem Regieteam und großen Schauspielensemble gelingt, aus akribischer Textanalyse heraus symbolträchtige Bilder zu schaffen – ohne je den langen Atem fürs Ganze zu verlieren. Die Mascha Franziska Arndts und der alternde Schwerenöter Werschinin Thomas Kienasts beschlecken sich wie zwei Hunde. Was der sonst so affektierte Leutnant Tusenbach von Marcus Hering prompt virtuos nachäfft. Wie auch jeder der zehn Schauspieler mit ausgefeiltem Rollenprofil agiert wie ein Hauptdarsteller und einen Entwicklungsprozess erkennen lässt. Größte Offenbarung: Tilman Meyn als Maschas Mann, der Gymnasiallehrer Kulygin. Wie anfangs das ganze Landgut vor diesem aufgeblasenen Besserwisser stramm steht, um dann vor den großen Kulleraugen seiner Realitätsverleugnung jeden Respekt zu verlieren – das macht Spaß beim Zuschauen. So wie Patrick Berg als Andrej, der sich als wandelnde Geringschätzung seiner Schwestern durchs Leben schleppt. Drei Schwestern, die so vergnügliche wie weit gereifte Ensembleleistung, ist im Schauspiel bislang der größte Wurf der Intendanten-Ära Ralf Waldschmidts.“
Neue Osnabrücker Zeitung, 22.5.12

„[…] mit Drei Schwestern hat sich das Team um Intendant Ralf Waldschmidt endgültig freigespielt. Ein Glücksfall für Osnabrück und die Wirkung darüber hinaus ist die Leitende Schauspiel-Regisseurin Annette Pullen, deren klare Theatersprache und zeitgemäße Sicht Stoffe nicht bügelt, sondern erhellend und straff „rockt“. Schon Eine Stille für Frau Schirakesch und Das letzte Feuer überzeugten, aber mit ihrer 3. Arbeit setzt Pullen noch einen drauf, das unglaublich präsente Ensemble ist die Basis dieses Erfolges. […] Idealbesetzungen! Olga (Stephanie Schadeweg), Mascha (Franziska Arndt) und Irina (mädchenhaft, trotzig, funkelnd: Ellen Céline Günther) spielen die drei Schwestern und Generalstöchter mit Hingabe. […] „Ich gehe nach Moskau“, sagt Irina. Der Song „Dirty Cartoons“ (Menomera vom Album „Miles“, 2010) dröhnt brachial in die sich öffnenden Kulissen (Bühne: Martin Fischer). Es ist geradezu ein Soundtrack […] mit dem Pullen ihre Tschechow-Lesart furios befeuert. Nur weg- weg aus der sie umgebenden Mittelmäßigkeit, der Trägheit, der Langeweile, der Sinnlosigkeit und der eigenen Überflüssigkeit. Geschrieben um 1900, schildert Tschechow in den Drei Schwestern eine Gesellschaft des Stillstandes und beschreibt zugleich die zeitlose Sehnsucht des Individuums nach einem sinnvollen, glücklichen Leben.“
Osnabrücker Nachrichten, 23.5.12

„Während die Figuren in Tschechows Drei Schwesern unter ihrem mittelmäßigen Leben leiden, können die Zuschauer oft darüber lachen: Annette Pullens Inszenierung am Theater Osnabrück betont das Komödiantische. Drei schwätzende Schwestern und ihre Gäste, die den ganzen Tag lang schwafeln- im Haus des verstorbenen Generals Prosorow ist ganz schön was los. Kein Wunder, dass Andrej, der Bruder der drei Schwestern, so schweigsam ist. Schweigsam, zurückhaltend, ehrgeizlos wirkt er, verhuscht würde man ihn nennen, wenn er eine Frau wäre. Patrick Berg legt diesen Bruder als einen Mann an, der mitten im Trubel einsam und unverstanden bleibt. Zu dritt holen die Schwestern ihn aus seinem Zimmer, um ihn dem neuen Besucher Werschinin vorzustellen; es sieht aus, als brächten sie Andrej zum Verhör. „Andrjuschka ist verliebt“, rufen sie, und dies trägt zur Belustigung der Gäste bei. Ja, lustig, lustig scheint es hier immerzu zuzugehen, schon der Anfang der Inszenierung von Annette Pullen legt das nahe. Da versammeln sich die Besucher zum Namenstag der jüngsten Schwester Irina auf der Bühne, sie trinken und tanzen. […] Regisseurin Annette Pullen holt die Drei Schwestern aus der Ecke der gepflegten Konversationsstücke und belebt das Komödiantische neu. Sie betont die absurden Dialoge und zitiert Bilder aus Film und Fernsehen. […] Zur Verjüngungskur für das Stück gehört auch der Verzicht auf plüschige Kulissen. Die Bühne (Martin Fischer) präsentiert sich wie ein leerer Kubus mit einfachen seitlichen Holzwänden und einer beweglichen Blechwand am Ende des Raums, auf überflüssige Requisiten wird verzichtet: Wenn Baron Tusenbach und Hauptmann Soljony einen Cognac zusammen trinken, so schwenken sie imaginäre Gläser in der Hand. Die Kostüme von Barbara Aigner unterstützen die Sicht auf die Figuren. […] Die Schauspieler legen ihre Rollen eindimensional an und verstärken damit die komödiantischen Effekte. Sehenswert sind nicht nur die Schwestern, sondern die Leistungen des gesamten Ensembles, zum Beispiel, wie Tilman Meyn als Maschas Mann den kleinbürgerlichen Lehrer gibt oder wie Marcus Hering den gelangweilten Baron darstellt.“
Der Kirchenbote, 21.5.12

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