DER GEIZIGE

DER GEIZIGE

von PeterLicht


Ein Familiengemälde nach Molière

Harpagon ist umgeben von faulen Schmarotzern, die Schulden machen, um ihre angeblichen Projekte zu finanzieren, die nur die sofortige Bedürfnisbefriedigung kennen und freudig konsumieren, was das Zeug hält – seinen Kindern. Diese infantilen Erwachsenen nennen einander „Flechi“ und „Cléanti“ und haben es sich in der „Auffanggesellschaft“ ganz gut eingerichtet. Arbeiten tut niemand, denn Vati hat ja Geld. Das Dumme ist nur: Er gibt es nicht her. Also haben die antriebslosen, genusssüchtigen Narzissten Stress. Harpagon hingegen will raus aus dem Kreislauf des Kapitals und der Warenwelt. Er will halten – behalten, innehalten. Nix wegwerfen, denn da klebt ja überall die eigene Persönlichkeit dran! Durchaus anarchisch sitzt er auf seinem Geld, das er eigentlich nur in seinem ideellen Wert schätzt. In dieser Hinsicht ist es „das Reinste, was es gibt“. Der Autor und Popmusiker PeterLicht, bekannt unter anderem durch seine Lieder vom Ende des Kapitalismus oder sein Buch Wir werden siegen!, hat Molières Komödien-Klassiker stark bearbeitet ins Heute geholt und stellt mit der ihm eigenen Mischung aus Albernheit und Scharfsichtigkeit die „Frage nach dem
glücklichen Leben im Konsumismus“. Es inszeniert Pedro Martins Beja, dessen Wartopia bereits bei Spieltriebe 4 zu sehen war.

Fotos: Uwe Lewandowski

Die Vorstellung dauert ca. 2 Stunden, ohne Pause


Medien

Besetzung

Inszenierung Pedro Martins Beja
Bühne/Kostüme Sophie du Vinage
Musik Jörg Follert
Dramaturgie Anja Sackarendt

Papa Harpagon Thomas Kienast
Cléante Patrick Berg
Elise Ellen Céline Günther
Valère Jakob Plutte
La Flèche Tilman Meyn
Onkeltante Jakob/Frosine Johannes Bussler

Pressestimmen

„Seine [Pedro Martins Beja] Inszenierung ist laut, wild, hektisch, mit psychologisch tiefen Momenten gespickt. Und sie geht satirisch über manche Spitze hinaus. Schon beim Spieltriebe-Festival im September vergangenen Jahres machte Beja mit seiner Performance Wartopia positiv auf sich aufmerksam. Und auch diese Inszenierung ist wieder ein krasser Zerrspiegel der realen Konsumwelt, eine überbordende Parodie auf „Geiz-ist-geil“- Modalität und Wirtschaftskrise. Die Bühne im Osnabrücker emma-theater hat Sophie du Vinage eine riesige Festtafel mit goldenem Tischtuch und Kerzenleuchter verwandelt. Drumherum dürfen die Zuschauer in meist sicherer Entfernung zu den enthemmt agierenden Darstellern Platz nehmen. Die rasen immer wieder über den Tisch auf die Tür des Zimmers von Familienoberhaupt Harpagon zu, prallen mit voller Wucht zurück, fallen auf den Rücken und bleiben apathisch liegen. Doch der Geizige lässt sich nicht blicken. Er behält sein Geld, spendet höchstens einmal eine Kelle Reis für afrikanische Kinder, die stellvertretend an diejenigen Zuschauer ausgeteilt wird, die sich trauen, an der Tafel zu sitzen. […] Thomas Kienast zeigt einen überheblichen, aber stets korrekten Harpagon und haucht diesem Prototypen eines Kapitalisten tatsächlich Leben ein. Als dessen clownesker, wütender und nichtsnutziger Sohn begeistert Patrick Berg. Tilman Meyn steht als La Flèche am Ende mit roter Fahne ganz allein in seinem sozialistischen Traumreich und schreit verzweifelt nach einer besseren Welt. Der passende Schluss eines verklemmten Abends, der nie langweilig wird und mit großartigen Bildern aufwartet.“
Münstersche Zeitung, 17.3.12

„Zu Tisch! Die Ausstatterin Sophie du Vinage hat das Emma-Theater zur Festtafel gemacht: Die Bühne ist ein langes Podest, mit Tuch und Kandelabern. Das Publikum sitzt drum herum; wer zu spät kommt, nimmt direkt am Tisch Platz, auf dem Familie Harpagon einen gut zweistündigen Anarcho-Karneval zelebriert. […] Im Zentrum steht mit Vater Harpagon der Archetyp des Geldanhäufers, den erst Molière bei Plautus geklaut hat und nun PeterLicht bei Molière. Der kapitalismus-kritische Musiker und Dramatiker nutzt die Vorlage als Anregung, Steinbruch und ironische Kontrastfolie- und verlegt das Stück um Geiz und Habgier in die gegenwärtigen Verteilungskämpfe der Generationen […] Mit Gespür für den unangenehm lässigen Sprachduktus urbaner Hippster schildert PeterLicht Figuren, die sich zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Wissen um die globale Not heillos verheddern. Klugen Monologen über den Zusammenhang von Sparsamkeit und Todesangst stehen Nonsens-Dialoge gegenüber. In einer der besten Szenen streiten Thomas Kienast und Patrick Berg mit großer Sprachartistik um Geld, ohne einen einzigen vollständigen Satz zu gebrauchen. Als Vater und Sohn sind die gegensätzlichen, aber gleichermaßen virtuosen Komiker ohnehin ein Traumpaar: Der hochkontrollierte Kienast lässt seinen boshaften Humor minimalistisch unter den Brauen hervorfunkeln; Berg tobt als exzessiver Quatschmacher über den Tisch. Überbordendes Chaos ist das Strukturprinzip von Pedro Martins Bejas Inszenierung. Sein orgiastischer Abend vereint die Eskapaden von Hochbarock und Christopher Street Day. Johannes Busslers Drag-Queen „Onkeltante“ kitzelt das Publikum mit ihrem Tutu. Tilman Meyn trägt im ohnehin überheizten Emma ein Hasenkostüm. Szenen in Harpagons Spießerbude sind nur per Videoprojektion zu sehen, oft spielt Musik, regelmäßig wird getanzt. […] Langeweilen kann man sich in dem intelligenten, spielfreudigen Spektakel um Geld, Gerechtigkeit und Selbstfindung kaum. […] Hungrig muss keiner werden. Das Ensemble verteilt mittendrin ein nahrhaftes Reisgericht. Dazu gibt es ein dubioses, ananassaftartiges Getränk, unter dessen Einfluss auch diese dem ganzen Abend ausdrücklich zustimmende Kritik entstanden ist.“
Neue Osnabrücker Zeitung, 12.3.12

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