DORIAN GRAY

DORIAN GRAY

Von Oscar Wilde

Dorian Gray erblickt sein Porträt, das der Maler Basil Hallward soeben vor Lord Henry Wotton enthüllt hat – und sieht seine Seele. Hallwards Werk fängt Dorians Jugend und die andächtige Bewunderung des Malers für ihre Unberührtheit ein. Doch als Lord Henry in Dorian das Bewusstsein für die eigene Schönheit weckt, entfacht er in dem jungen Mann gleichermaßen den unstillbaren Durst, das volle Leben zu erfahren und die Angst, auf dem Weg zum Tode seine Schönheit einzubüßen. Dorian Gray wünscht: „Wenn nur ich für immer jung bliebe und das Bild altern würde! Ich würde meine Seele dafür geben!“ Oscar Wildes einziger Roman, erschienen 1890/91, provozierte bei seiner Veröffentlichung einen Skandal, der in seiner Medienwirksamkeit wohl nur von Wildes fantastischen Erfolgen auf den Theaterbühnen in den Folgejahren übertroffen wurde. Was ist die Seele, was ist das Selbst, wenn die Selbstverwirklichung als einziger Wert gilt? Was ist die Wirklichkeit, wenn jedes Individuum sie anders wahrnimmt? Kann es im Wechselspiel unzähliger Perspektiven eine persönliche Identität oder Werte jenseits subjektiver Wahrnehmung geben? Dorian Gray bekommt die märchen- und alptraumhafte Gelegenheit, alle Facetten seiner Persönlichkeit auszuleben und auszuloten, ohne ihre Konsequenzen sichtbar zu tragen.

Alexander Frank inszenierte 2011/12 bereits die OSKAR-Produktion Der Chronist der Winde am Theater Osnabrück sowie am Schauspiel Frankfurt die deutschsprachige Erstaufführung von Lars Noréns Liebesspiel.

Fotos: Uwe Lewandowski

Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde 35 Minuten, ohne Pause

Im Rahmen der schwul-lesbischen Kulturtage Gay in May veranstaltet das Theater Osnabrück im Anschluss an die Vorstellung am 16. Mai 2013, ca. 21.15 Uhr, ein Publikumsgespräch zur Inszenierung Dorian Gray.


Medien

Besetzung

Inszenierung Alexander Frank
Bühne/Kostüme David Frederik Gonter
Choreografie Etienne Aweh
Dramaturgie Maria Schneider

Dorian Gray Alexander Jaschik
Lord Henry Wotton Thomas Kienast
Basil Hallward Oliver Meskendahl
Sibyl Vane Maria Goldmann
Oscar Wilde Patrick Berg

Pressestimmen

„[…] Die Geschichte von Dorian Gray als eindrucksvolles Grusel-Schauspiel mit tollen Lichteffekten und grandiosen Darstellern, eine rundum gelungene Sache. Mit der Oscar-Wilde-Adaption, in der der Autor selbst und seine Leidensgeschichte eine zentrale Rolle spielen, ist jetzt eine der stimmungsvollsten Inszenierungen gestartet, die im emma-theater seit langem gelaufen ist. Alexander Frank […] erweist sich als Könner, der mit wenig Elementen ganz viel zu bewirken weiß. […] Thomas Kienast gibt einen unfassbar dandyhaften Liebhaber-Lord, Oliver Meskendahl spielt den Maler Basil schön nuanciert und Patrick Berg zeigt einen derart schaurig-ruhigen Oscar Wilde, als stamme er direkt aus einem Tim-Burton-Streifen. […]“
Osnabrücker Nachrichten, 4.11.12

„[…] Schöpferkraft der Dichtung: Oscar Wilde spricht, und wie ein Homunkulus windet sich seine Erfindung Dorian Gray als nackter Neugeborener aus der Erde. Die Fantasie erschafft sich die Realität – diese Kernthese extrahieren Alexander Frank (Regie) und Maria Schneider (Dramaturgie) aus Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray (1891), aus seinem Zuchthaus-Brief De Profundis und aus seinem Leben. […] Die Wirklichkeit imitiert die Kunst, und die Kunst trägt die Folgen. Kaum eine Szene, eine Zeile im emma-theater, die nicht an dieser Verzahnung teilhätte. […] Weil etliche Szenen des Stücks im Theater spielen, werden Zuschauerraum und Bühne zu Spiegeln, die einander bis ins Unendliche reflektieren. Der Ausstatter David Frederik Gonter verdoppelt die Sitzreihen des Publikums mit einer zweiten Tribüne, auf der die Schauspieler agieren. Spiel und Realität sind ununterscheidbar. […] Die Regie montiert den Autor […] als Erzähler in seine eigene Dichtung ein, ein doppelbödiges Konzept. Als Oscar Wilde 1895 wegen seiner Homosexualität der Prozess gemacht wurde, zog das Gericht seinen Roman als Beweismittel heran, eine klassische Verwechslung von Kunst und Wirklichkeit. […] All das ist hier in flotte 95 Minuten verdichtet, in Kunstnebel, suggestive Musik und dandyeske Kostüme gehüllt und pointiert präsentiert: Alexander Jaschik spielt Dorian als verdorbene Knospe. Thomas Kienast (Lord Henry) zelebriert Kultiviertheit als Überdruss und Herablassung; Oliver Meskendahl ist als Maler ein tragischer Enthusiast. Patrick Berg entwickelt als Wilde auch im statuarischen Ernst echte Spielfreude. Und Maria Goldmann beweist als Schauspielerin Sibyl Vane, dass gerade im verruchtesten Kostüm die lauterste Unschuld wohnen kann.“
Neue Osnabrücker Zeitung, 29.10.12

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