WIR WAREN

La Vie de marchandise

WIR WAREN

Deutsche Erstaufführung von William Pellier


Deutsch von Frank Weigand und Leyla-Claire Rabih

Der französische Autor William Pellier hat einen verstörend-faszinierenden Text vorgelegt, der erstmals in Deutschland aufgeführt wird. Ein Stück über ein drängendes gesellschaftliches Thema: Wie gehen wir mit einer immer älter werdenden Gesellschaft um? Wie gehen alte Menschen selbst damit um? Das namenlose alte Ehepaar in Pelliers Zwei-Personen-Stück hat scheinbar eine einfache Lösung gefunden. Die beiden planen mitten im Urlaub am Mittelmeer ihren Selbstmord (auch der Pudel soll mit ihnen sterben), solange sie noch selbstbestimmt über den Moment ihres Todes entscheiden können. Doch sie verpassen den richtigen Zeitpunkt. Im zweiten Teil des Stückes werden wir Zeuge der inneren Monologe des Mannes und der Frau, die im Pflegeheim nicht mehr Herr ihres Lebens und ihres Todes sein können. wir waren trifft ins Zentrum der Realität unserer Gesellschaft und ist doch mehr als ein Sozialreport. Die hoch verdichtete Sprache des französischen Autors erinnert an Samuel Beckett oder Thomas Bernhard und wird so zum spannenden Theater- und Sprachexperiment. Pellier schreibt seit 1984 für die Bühne und war selbst als Schauspieler und Regisseur aktiv. Alexander May hat am Theater Osnabrück bereits Tod einer Hündin und Tschick inszeniert und arbeitete u. a. am Staatstheater Nürnberg, dem Schauspiel Essen und dem Theater Augsburg. In dieser Spielzeit wird er auch die Opernuraufführung Das große Heft von Sidney Corbett inszenieren.

Fotos: Uwe Lewandowski

Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde 30 Minuten, eine Pause


Medien

Besetzung

Inszenierung Alexander May
Bühne Alexander May
Kostüme Fabian Siepelmeyer
Choreografie Tomas Bünger
Dramaturgie Alexander Wunderlich

Mit Rosemarie Fischer, Klaus Fischer, Tomas Bünger

Pressestimmen

„Der Programmzettel als Speisekarte: Vin (rouge & blanc) 3,60 Euro, Thé (noir) 1,60 Euro. Für die deutsche Erstaufführung von William Pelliers wir waren zieht das Theater in den Gastraum des Dom-Hotels um. Und wirklich: Auch während der Aufführung wird das Publikum bewirtet, nur dass eben ‚bière’ statt Bier ausgeschenkt wird. Denn die Zuschauer sitzen mitten in der französischen Szenerie, Tisch an Tisch mit Schauspielern. Und weil das keinerlei Ausweichen erlaubt, ist die Stimmung trotz Bier eher unbehaglich. Denn gleich der erste Satz ist ein Schock: ‚meine frau und ich wir bringen uns in zwei wochen um.’ In der Wechselrede erklären eine ältere Frau und ihr Mann dann dem Saal, wieso sie sich am Urlaubsort von der Klippe stürzen wollen. Vordergründig geht es dabei um erste Anzeichen einer Demenz und die Angst vor dem Verlust der Autonomie im Alter. Zwischen den Zeilen klingt aber durch, dass beide nicht nur ihre Zukunftsangst bewegt, sondern auch Unzufriedenheit mit dem Vergangenen. […] Klaus und Rosemarie Fischer legen das Paar dabei antagonistisch aus: Er führt, sie folgt, und je zorniger er aufbraust, desto ergebener fügt sie sich – eine Frau, deren Demenz den Rückzug in sich selbst nur verstärkt. Für den zweiten Teil des Abends lässt Regisseur Alexander May das Publikum zum Tanzsaal im Theater am Domhof umziehen. Aus der Gastwirtschaft des Ferienorts ist das Ehepaar nun doch nicht in den Tod, sondern in eine Pflegeeinrichtung gegangen. Nun spricht nur noch er; sie ist endgültig in einer eigenen Welt. Im Monolog beschreibt der Mann Bitternis, Einsamkeit, aber auch erfüllte Momente, in denen die zwei auch ohne Worte Sinn und Gemeinschaft erleben. Ein poetisches Bild findet Alexander May für die Demenz der Frau: Sie ist beständig von einem Tänzer (Tomas Bünger) umgeben, der über sie wacht, ihr die Haare bürstet, ihr Bett bewegt und sie hält. Das Vergessen ist zärtlich; eine tröstliche Lesart. Im Schlussbild ziehen der Tänzer und die Frau die Vorhänge vor den Spiegeln des Ballettsaals auf: Das Publikum erblickt sich selbst; es kann ja schließlich jeden treffen. […]“
Neue Osnabrücker Zeitung, 3.12.12

„[…] William Pelliers Zwei-Personen-Stück wir waren, das am Freitagabend seine Deutsche Erstaufführung im Theater Osnabrück erlebte, konfrontiert das Publikum mit den drängenden Fragen einer alternden Gesellschaft. Wie erleben Menschen das nahende Ende ihrer Wünsche und Hoffnungen? Und wie gehen die Jungen damit um? Einfache Antworten hält die mit viel Applaus bedachte Inszenierung von Alexander May allerdings nicht parat. […] William Pelliers Text, der beim Festival Primeurs im Staatstheater Saarbrücken gerade mit dem Autorenpreis 2012 ausgezeichnet wurde, überzeugt vor allem durch die kompakte sprachliche Gestaltung. […] Alexander May inszeniert den Auftakt von wir waren im DOM-Hotel […] und den zweiten Teil im Tanzsaal des Großen Hauses am Domhof. Unter seiner Regie wird der Dialog zu einem spannungsgeladenen, oft tragikomischen Schlagabtausch auf engstem Raum. Wer hat hier Schuld auf sich geladen? Wo gibt es einen Ausweg? […] Die ambitionierten, auch im realen Leben liierten Hauptdarsteller steuern ihren Teil zu einem eindrucksvollen Theaterabend bei. Rosemarie und Klaus Fischer laden ihr temporeiches Wortgefecht mit Albernheiten, Unmut, Zorn und Verzweiflung. Ob sich die beiden ein Duett oder ein Duell liefern, bleibt offen. Der tanzende Todesengel (Tomas Bünger) setzt den Schlusspunkt, indem er die Frau galant von der Bühne des Lebens verabschiedet.“
dpa, 1.12.12

„[…] Die deutschsprachige Erstaufführung hat im Auftrag des Theaters Osnabrück jetzt Alexander May inszeniert. Und zwar so, wie es sich gehört für ein Stück über die letzten Dinge. […] Die Situation im Zwei-Personen-Stück wir waren des Franzosen William Pellier, das nun erstmals in Deutschland zu sehen ist, ist denkbar einfach: Ein älteres Ehepaar zieht sich, wie jedes Jahr, für einige Wochen in einen Bungalow am Mittelmeer zurück. Diesmal haben sie beschlossen, am letzten Urlaubstag nicht nur den Schlüssel an der Rezeption abzugeben. […] Eigentlich müsste man Alexander Mays deutschsprachiger Erstinszenierung wünschen, Sterben und Tod wären derzeit nicht dermaßen präsent. Die leise wie pointierte Art, mit der er Pelliers Doppelmonolog eines Ehepaars gerade dort zum Schwingen bringt, wo Philosophisches, Soziologisches, Kulturkritisches nicht ausgesprochen wird, hätte es verdient gehabt, noch mehr irritierendes ‚Aha’-Erlebnis herzustellen. Den ersten Teil des Abends setzt May in den Gastraum eines Osnabrücker Hotels. […] Ein Tisch bleibt frei, er ist reserviert. Irgendwann kommt das alte Ehepaar. […] Die geschickt gebaute Eingangssequenz nimmt die eigenartige Atmosphäre eines Hotelfrühstücksraums auf. Nur dass man dort weiterredet, den Stuhl nicht zurecht schiebt, während man die anderen beobachtet. Wir hören einem alten Ehepaar zu, wie es sein Leben skizziert. Um es anschließend zu beenden. Die Schauspieler Rosemarie Fischer und Klaus Fischer haben vielleicht hundert Bühnenjahre hinter sich, die 2 × 25 letzten gemeinsam am Osnabrücker Theater. In geblümter Bluse und gelbem Polohemd legen sie Pelliers Paar zugleich realistisch an – und als vollkommene Kunstfiguren. […] Pelliers Sätze sind von einer kunstvollen Einfachheit, streifen in ihrem bitteren Humor manchmal das Boulevardeske […]. Wie sehr seine beiden Figuren zusammen gehören verrät Pellier, indem er sie abwechselnd sprechen lässt – aber (fast) nie im Dialog. Vor allem Klaus Fischer gelingt es, Sprechen und Gestisches exakt auf der Realismus-Kante anzulegen. […] Die Position des Choreographen und Tänzers Tomas Bünger ändert sich im zweiten Abschnitt fundamental. Er verkörpert nun in eigentümlich-geisterhafter Personalunion alles, was die Eheleute trennt; ist Tod und Pfleger, Siechtum und Sorge – und das alles bemerkenswerter Weise ohne symbolistischen Überschwang. Publikum und Akteure sind inzwischen anderthalb Gehminuten und eine Stiege weitergezogen, in den Ballettsaal des Theaters. Mann und Frau liegen im Bett. Der Suizid misslang. […] In einem inhaltlich atemberaubenden, aber darstellerisch pointiert zurückgelehnten Monolog sprich Klaus Fischer nun für beide. […] Sie geht zuerst, nachdem Bünger sie – parallel zu Fischers raummittigem Monolog – tänzerisch ausgefeilt im Bett herumgerollt, in choreographisch kleinen Figuren durch den Raum geleitet hat. Und aus dem Leben.“
nachtkritik, 30.11.12

„Ein Theaterabend, der in die Tiefe geht. Ein etwas anderes, aber ein lohnendes Adventserlebnis!“
Radio Bremen, 30.11.12

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