2. SINFONIEKONZERT
Vollendung im Unvollendeten
Franz Schubert Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759, Unvollendete
Carl Reinecke Konzert für Flöte und Orchester D-Dur op. 283
Franz Schubert/Luciano Berio Rendering – nach Skizzen von Franz Schubert D 936a
Schuberts Suche nach einem eigenen sinfonischen Weg spiegelt sich in der Tatsache wider, dass aus den 1820er Jahren bis hin zu seinem Tod, mit Ausnahme der „Großen C-Dur Sinfonie“, ausschließlich Fragmente überliefert sind, darunter auch die zweisätzige h-Moll-Sinfonie D 759 sowie das Fragment zu seiner 10. Sinfonie (D 936a). Zwei Gründe lassen sich hierfür anführen: Zum einen mag es ein Bemühen sein, sich von dem übermächtigen Vorbild Beethoven zu lösen. Zum anderen zeigt sich hier aber auch das zutiefst romantische Verständnis, im Fragment einen Hinweis auf ein nichtvorhandenes Ganzes zu sehen.
1988 nahm sich Luciano Berio des letzten Fragments an und schuf daraus die „ricomposizione“, Rendering (Putz). Wie in der modernen Fresken-Restauration, die das Erhaltene hervorhebt, aber auch die Lücken deutlich macht und nicht auf eine Vollendung oder Rekonstruktion abzielt, so lässt er auch Schuberts Fragmente im Vordergrund stehen. Die frei gebliebenen Stellen füllt er mit musikalischem „Putz“, der einerseits den Zusammenhang der Sinfonie herstellt, andereseits aber nicht den Anschein des Komplettierens zu erwecken versucht. Während Schubert in seinen letzten Werken einen musikalischen Blick in die Zukunft bis hin zu Gustav Mahler eröffnete, so liegt den Werken Carl Reineckes ein tief empfundener Respekt vor dem Vergangenen zugrunde. Und obwohl das Flötenkonzert D-Dur fast zeitgleich mit Mahlers 6. Sinfonie entstanden ist, schlägt es doch vielmehr den Bogen zurück zur musikalischen Welt des jungen Schubert.
Foto: Marek Kruszewski
Besetzung
Dirigent Andreas Hotz
Solist Michael Martin Kofler, Flöte





