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Einmalige Wiederaufnahme

Matthieu Delaporte, Alexandre de la Patellière

Gesellschaftskomödie, Deutsch von Georg Holzer

Was tun, wenn eine Freundschaft erkaltet und man sie in Würde beenden möchte? Welchen gesellschaftlich legitimierten Weg gibt es, sich zu ent-freunden, wo doch jeder mit jedem, auch digital, befreundet sein will? Das Problem ist, dass in den seltensten Fällen beide Teile gleichzeitig Trennungsgelüste verspuren. Dann heißt es, Maßnahmen ergreifen, um endlose Heuchelei und leeren Austausch von Floskeln zu vermeiden. Nur wie? Pierre und Clotilde stellen sich diese Frage in ihrem Pariser Mittelstandsglück und sehen einen Ausweg, der ihnen von einem anderen Freund, Boris, wärmstens empfohlen wurde: Sie laden Antoine zu einem festlichen Abschiedsdinner ein, ohne dass dieser ahnt, wozu er gebeten ist, servieren eine Flasche Wein aus dessen Geburtsjahr, legen indische Musik auf, die Antoine liebt, tragen Kleidungsstücke aus der Blütezeit der gemeinsamen Bekanntschaft, tun also alles, um die verblichene Freundschaft zu feiern. Um am Tag danach jeden Kontakt abzubrechen. Aus, Ende, vorbei. Leider geht alles schief. Antoine bekommt Wind von der Sache. Und beginnt zu kämpfen. Um – die Freundschaft.
Das geniale Autorenduo, dessen Stück DER VORNAME am Theater Osnabrück fast fünfzig Mal vor ausverkauftem Haus gespielt wurde, hat mit DAS ABSCHIEDSDINNER einen würdigen und ebenso bissigen Nachfolger geschrieben. „Freundschaft“, das Ideal unserer Zeit, wohlfeil angepriesen von sozialen Medien und Gesellschaft, ist ein optimales Statussymbol, mit dem sich wuchern lässt. Ein perfekter Ausweis sozialer Kompetenz. Je mehr, desto besser. Um eine Freundschaft zu kämpfen hingegen, das steht auf einem anderen Blatt.


Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde, 40 Minuten – keine Pause.


Fotos: Maik Reishaus

BESETZUNG

Inszenierung Henning Bock
Bühne und Kostüme Martin Kukulies
Dramaturgie Maria Schneider, Marie Senf

Pierre Lecœur Oliver Meskendahl
Clotilde Lecœur, seine Frau Stephanie Schadeweg
Antoine Royer, ein alter Freund von Pierre Martin Schwartengräber

PRESSESTIMMEN

„Meyn lümmelt träge als gewinnender, attraktiver und dabei angenehm unaufdringlicher großer Junge auf dem Sessel herum.[…] Stephanie Schadeweg fasziniert mit einem Kammerspiel der feinen, stimmigen Nuancen. Pierres alter Freund Antoine Royer betritt die schicke, weiße Wohnung mit dem erlesenen Mobiliar eines bürgerlich-repräsentativen Geldbeutels. Martin Kukulies (Bühne und Kostüme) hat sie mit bewundernswert kundiger Hand im Emma-Theater eingerichtet. Martin Schwartengräber macht Antoine zum krassen Gegenteil Pierres: einen kantigen Mann, der mit seiner polterig-lauten Art zu viel Raum für sich und seine doch eher unheldenhaften Geschichten, , beansprucht. […] Weniger wichtig, was dann an eher läppischen Gesellschaftsspielchen, schön eklig bis gehässigem Kleider- und Rollentausch und anderen komödientypischen Enthüllungen geschieht: Es ist alles letztlich amüsant, weil gut gespielt und inszeniert und verteidigt so mit Fug und Recht den Platz der gehobenen Boulevardkomödie im Spielplan.“ Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 21.12.2015

„Henning Bock und sein Ausstatter Martin Kukulies verzichten auf jegliche Bemühungen der Verfremdung, gespielt wird in einem schlicht eleganten Wohnzimmer-Setting mit Strukturtapete, und das Ensemble wird einigermaßen präzis naturalistisch geführt. Der entscheidungsschwache Pierre ist bei Tilman Meyn womöglich etwas fahriger als er sein sollte, Martin Schwartengräber ist genau der tatsächlich reichlich anstrengende Kumpel von einst, der jeden zweiten seiner Sätze mit der Formel “Ich weiß nicht, ob du weißt…” eröffnet und sich gern selbst zuhört. Stephanie Schadweg als Clotilde könnte die Hosen, die sie in ihrer Ehe trägt, etwas offensiver zeigen. Fest steht: Das letzte Wort ist über dieses “Abschiedsdinner” noch nicht gesprochen.“ Andreas Schnell, nachtkritik.de, 19.12.2015

„Wie jede gute Komödie balanciert auch DAS ABSCHIEDSDINNER dicht am Rande der Tragödie. Die feine Regie Henning Bocks macht, dass die sich erst im Kopf-Theater des Publikums ereignet, wenn im emma-theater das Licht ausgeht. Bis zu dahin zieht das Stück jede Menge Witz aus der comedy-nahen Persiflage modischer Trends wie Psychotherapien, Avantgarde-Theater oder Selbstoptimierungs-Strategien. Tilman Meyn gibt die letztlich tragische Figur des Pierre, der seinen hohen Ansprüchen nicht gerecht wird. Er dürfte froh sein, eine Frau wie Clotilde zu haben, die Stephanie Schadeweg beeindruckend mit beiden Beinen auf dem Boden stehen lässt. Martin Schwartengräber agiert seine Bombenrolle als Antoine voll aus, ohne ihn lächerlich zu machen; Chapeau.“ Hanns Butterhof, Westfälische Nachrichten, 29.12.2015

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