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SAN PAOLO

Uraufführung / Sidney Corbett

Musiktheater nach Pier Paolo Pasolini / Textfassung von Ralf Waldschmidt / In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Pier Paolo Pasolini (1922–1975) ist einer der bedeutendsten europäischen Künstler und Intellektuellen der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Als er 1975 in Ostia unter bis heute nicht geklärten Umständen ermordet wurde, hinterließ er ein umfangreiches Werk als Filmregisseur, Autor von Lyrik und Romanen, politischer Schriftsteller und Dramatiker. Pasolini plante über viele Jahre ein nie realisiertes Filmprojekt über den heiligen Paulus, als Gegenstück zu seinem berühmtesten Film, dem EVANGELIUM NACH MATTHÄUS. Er versetzt die Lebensgeschichte des Apostels Paulus in die Mitte des 20. Jahrhunderts und lässt so auf intensive und faszinierende Weise deutlich werden, welch humanistische und politisch-moralische Sprengkraft das entstehende Christentum enthielt und welche Aktualität darin bis heute verborgen liegt, „um dem Zuschauer explizit und ohne ihn zum Nachdenken zu zwingen, mitzuteilen, dass der heilige Paulus hier, heute, unter uns ist und dass er das fast physisch und materiell ist, dass er sich an unsere heutige Gesellschaft richtet; dass sie es ist, die er beweint und liebt, die er bedroht und der er verzeiht, die er angreift und zugleich zärtlich umarmt“ (Pasolini).


Pasolinis Paulus ist ein Zerrissener, ein faszinierender Mystiker, ein begeisternder Lehrer seiner Jünger und gleichzeitig ein von Zweifeln und Ängsten verzehrter Dogmatiker, Gründer der Institution Kirche, die den Verrat an sich selbst bereits in sich trägt. SAN PAOLO wird über das Theater hinaus Fragen an die Friedensstadt Osnabrück stellen, in der Toleranz und gelebte Ökumene immer wieder neu erprobt werden.


Nach dem großen Erfolg von DAS GROSSE HEFT komponiert Sidney Corbett zum zweiten Mal ein neues Werk für Osnabrück.


SAN PAOLO wirft viele Fragen auf. Besucher*innen können sich bei den Rahmenprogramm-Veranstaltungen informieren und mitdiskutieren – und Sie lernen zwei der berühmtesten Filme Pasolinis kennen!


EINFÜHRUNGEN
jeweils eine halbe Stunde vor der Vorstellung im Oberen Foyer


PUBLIKUMSGESPRÄCHE
jeweils im Anschluss an die Vorstellung um ca. 21.15 Uhr im Oberen Foyer


24.5. mit  Prof. Dr. Andrea Grewe, Romanistin, Universität Osnabrück und Prof. Dr. Reinhold Zwick, Theologe und Filmexperte, Universität Münster
30.5. mit Komponist Sidney Corbett
5.6. mit Burkhard Gronemeyer (Verein Gay in May) und Andrea Palermo (Universität Osnabrück)


FILME
jeweils im Anschluss an die Vorstellung um ca. 21.15 Uhr im Oberen Foyer


1.6. TEOREMA von Pier Paolo Pasolini


Fotos: Jörg Landsberg
Die Vorstellung dauert 1 Stunde und 30 Minuten, keine Pause

TERMINE & KARTEN

24.05.2018

Do. | 19:30 Uhr

30.05.2018

Mi. | 19:30 Uhr

01.06.2018

Fr. | 19:30 Uhr

05.06.2018

Di. | 19:30 Uhr

20.06.2018

Mi. | 19:30 Uhr

BESETZUNG

Musikalische Leitung Daniel Inbal
Inszenierung Alexander May
Bühne Wolf Gutjahr
Kostüme Katharina Weissenborn
Video Jana Schatz
Choreinstudierung Markus Lafleur
Dramaturgie Ralf Waldschmidt

Paolo  Jan Friedrich Eggers
Stefano / Timoteo  Daniel Wagner
Una voce  Lina Liu
Anania / Barnaba  Genadijus Bergorulko
Un uomo anziano  Klaus Fischer
Pietro  Rhys Jenkins
Giovanni detto Marco  Susann Vent-Wunderlich
Un secondino  José Gallisa
Un capo Mario Lee
Un commissaro Jong-Bae Bu

Mit dem Opernchor und Kinderchor des Theaters Osnabrück, dem Osnabrücker Symphonieorchester und der Statisterie des Theaters Osnabrück

PRESSESTIMMEN

 „Musikalisch leistet das gesamte Ensemble des Theaters Osnabrück hier Großartiges, voran der wunderbar klar und bewegend singende Tenor Jan Friedrich Eggers in der Titelpartie, mit der Rolle "Una voce" (Eine Stimme), die für Jesus steht, empfahl sich die Sopranistin Lina Liu, und der aufrührerische Petrus lag bei dem facettenreich und ausdrucksstark agierenden Barition Rhys Jenkins in besten Händen. Die anspruchsvolle Partitur dieses zum Nachdenken anregenden Musiktheaters über den Apostel Paulus und Pier Paolo Pasolini setzten Opern- und Kinderchor sowie das Symphonieorchester des Theaters Osnabrück unter Daniel Inbal souverän um.“ − Elisabeth Richter, Deutschlandfunk.de, 30.4.2018

„Dabei stellen die Gesangspartien ganz gehörige Ansprüche an ihre Interpreten. Allen voran an Jan Friedrich Eggers in der Titelpartie. Er schultert seine Rolle großartig, mit starker Kondition und darstellerischer Grandezza, stimmlich ausgestattet mit vielen Farben und großer dynamischer Bandbreite. Daniel Wagner ist als Timoteo einer von Paulus’ ersten Sympathisanten − ein eindrucksvolles Rollenporträt! Auch die kleineren Partien aus dem Umfeld jener, die als christliche Urgemeinde oder deren Widersacher agieren, machen eine prima Figur […].“  − Christoph Schulte im Walde, die-deutsche-buehne.de, 29.4.2018

„Der Bariton Jan Friedrich Eggers, selbst studierter Theologe, singt das bewundernswert, mit angenehmer, engagierter, deutlich deklamierender Stimme, mit minimalistischem, präzis gezieltem Schauspiel. Aus dem Ensemble – die gesamte Besetzung kommt ohne auswärtige Gäste aus – bleiben die Sopranistin Lina Liu als Stimme Gottes, der Tenor Daniel Wagner als Timotheus und Susann Vent-Wunderlich als Johannes, genannt Markus (der sich als Jude der Heidenmissionierung widersetzt), in besonders angenehmer Erinnerung.“ – Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.5.2018

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