1. SINFONIEKONZERT
Zeitenwende
Olivier Messiaen Les offrandes oubliées, méditation symphonique
Gustav Mahler Sinfonie Nr. 6 a-Moll, Tragische
Aus dem Fin de siècle heraus und im Übergang zu etwas noch unbekanntem Neuen markieren die Sinfonien Gustav Mahlers nicht nur den Schlusspunkt der romantischen Sinfonie in der Nachfolge von Beethoven, Brahms und Bruckner, sondern sind auch ein Manifest des Weltschmerzes und der dunklen Vorahnung kommenden Unheils. So nimmt sich auch die 6. Sinfonie beinahe wie ein Menetekel der Schrecken des Ersten Weltkrieges aus. Doch versinnbildlicht sie nicht nur Leid, sondern offenbart in ihrer traumverlorenen, sehnsuchtsvollen Klangsprache auch Schimmer eines erträumten Paradieses.
Olivier Messiaen hat wie kaum ein anderer Komponist des 20. Jahrhunderts die nachfolgenden Generationen geprägt, indem er ein eigenes, neues System der musikalischen Konstruktion schuf, dabei aber durch seine aus Naturklängen, wie z. B. Vogelstimmen, abgeleitete Klangsprache nie die Sinnlichkeit des Ausdrucks in Frage stellte. In seiner „sinfonischen Meditation“ Les offrandes oubliées (Die vergessenen Opfer) setzt der von Spiritualität und pantheistischer Religiosität geprägte Komponist sich mit den Leiden Christi am Kreuz und damit verbunden, mit der Hoffnung auf die Erlösung des Menschen im ewigen Leben auseinander.
Besetzung
Dirigent Andreas Hotz
Pressestimmen
„Gleich zu Beginn mal die Grenzen ausloten: Das wagte Andreas Hotz bei seinem ersten Konzert als neuer Osnabrücker Generalmusikdirektor. Aufs Programm setzte er die sechste Sinfonie von Gustav Mahler – ein fulminanter Auftakt. […] Hotz spricht von Anfang an eine eigene Sprache. So hebt sich das Klangbild, das der Einunddreißigjährige erzeugt, von dem seines Vorgängers Hermann Bäumer ab. Die Kontrabässe postiert Hotz in diesem Fall ganz hinten auf der Bühne, die Blechbläser und das umfangreiche Schlagwerk sitzen links und rechts an den Flanken. Damit tariert er die Instrumentengruppen klanglich neu aus und verhindert die alles überwölbende Dominanz von Trompeten und Posaunen. Stattdessen rückt der samtig-satte Streicherklang neu in den klanglichen Fokus – bei einer gleichzeitigen Transparenz, die gerade einem derart polyfon durchsetzten Werk wie Mahlers Sechster guttut. Die „Tragische“ wird die Sinfonie auch genannt, weil Interpreten darin nicht nur die Prophezeiung Mahlers persönlicher Katastrophen erkannt haben, sondern auch das Chaos hineininterpretieren, in das Europa in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts versank. […] Hotz setzt mit präziser Zeichensprache um, gestaltet Übergänge exakt, disponiert die Dynamik, kann aber auch die Musik fließen lassen. Gleichzeitig stellt sich Hotz als Klangästhet vor, wie der Kopfsatz belegt: Da stampfen keine Stiefel ruppig ins Feld. Nein, dem Marsch in die Katastrophe haftet eine Faszination an – was die Unerbittlichkeit noch unterstreicht. […] Der Weg in die Endzeitlichkeit passiert einige idyllische Inseln, die Hotz gekonnt in Szene setzt – was besonders wichtig wird im monströsen Finalsatz. […] Dabei kann er auf ein vorzügli-ches Orchester bauen: Allein die Solisten – Trompete, Horn, Oboe und Tuba – vollbringen Großes, und der Streicherapparat klingt homogen wie selten.”
Neue Osnabrücker Zeitung, 10.9.2012





