DAS STADTPROJEKT

Über 200 Jahre alt, hat NATHAN DER WEISE, Lessings berühmter Aufruf zu Toleranz und Menschlichkeit, nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil: Angesichts immer neuer, auch religiös grundierter Konflikte und zunehmend radikaler gesellschaftlicher Tendenzen, die dem optimistischen Schluss der allgemeinen Umarmungen im Stück Hohn sprechen, sind die Fragen, die das Stück und die berühmte Ringparabel aufwerfen, dringlicher denn je. Was ist aus den Idealen der Aufklärung geworden? Ist Vernunft, ist Toleranz gegenüber Andersdenkenden und -gläubigen immer noch eine ferne Utopie?

Wie schon beim STADTPROJEKT REMARQUE wird das Theater Osnabrück neben der Inszenierung von NATHAN DER WEISE auf der großen Bühne am Domhof diesen Fragen auch in der Stadt selbst und mit ihren Bürgern nachgehen. Die drei Spielclubs AMIGOS BANDIDOS, MANIA und der neugegründete STUDENTENCLUB werden in
URBAN PRAYERS OSNABRÜCK von Björn Bicker die Stadt als Ort religiöser Vielfalt untersuchen. Recherchiert und gespielt wird bei Osnabrücker Gemeinden der drei abrahamitischen Religionen: der evangelisch-reformierten Jugendkirche, der jüdischen Gemeinde und der Gemeinde der DITIB Osnabrück Yeni Camii. Was glauben die Menschen? Glauben sie, dass ihr Glaube Privatsache ist? Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt?

In diesem und anderen Projekten widmet sich das Theater dem Dialog – zwischen den aber auch jenseits der Religionen – und möchte Begegnungen und Diskussionen über alle scheinbaren Grenzen und Unterschiede hinweg anregen. Denn nur im offenen Austausch untereinander werden wir, wie schon von Voltaire gefordert, „Zeugnisse gegen die Intoleranz“ ablegen und eine Kultur nicht nur der passiven Duldung, sondern der aktiven Auseinandersetzung und Akzeptanz in unseren Köpfen und Herzen verankern.

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