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NEUZUGANG IM SCHAUSPIEL: AHMAD KIKI

Seit Oktober 2017 ist der syrische Schauspieler Ahmad Kiki Teil des Osnabrücker Schauspielensembles. Kiki wurde 1987 in Damaskus geboren und absolvierte dort von 2008 bis 2012 seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater. Im Rahmen des Sonderprogramms artists in residence „Stipendium für Menschen mit Fluchterfahrungen in Kultureinrichtungen/-verbände“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur wird er das Schauspielensemble vor, auf und hinter der Bühne in der laufenden Spielzeit unterstützen. Bevor er ab Februar in der Inszenierung MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER auf der Bühne zu sehen sein wird, stellen wir ihn hier dem Publikum vor.

 

 

Karolina Gaida: Ahmad, was unterscheidet Theater in Syrien von dem in Deutschland?

Ahmad Kiki: Die Richtung, Theater zu machen, ist sehr ähnlich. Ich denke, dass in Syrien sehr gutes Theater gemacht wird auf das ich auch stolz bin. Ich sage aber immer: Die Deutschen sind besser als wir, denn sie sind Handwerker! Es ist praktischer als bei uns.

Deutsche Theatermacher genießen auch mehr Freiheiten. In Syrien gibt es aufgrund der politischen Strukturen viel Zensur. Das beeinflusst uns natürlich sehr in unserer Arbeit – man denkt ständig über die Zensur nach.

In Syrien gibt es zudem keine Ensemble-Struktur so wie hier in Deutschland. Schauspieler arbeiten meistens als Freischaffende an Theatern. Verdienen tut man so gut wie nichts, wir spielen aus Liebe! Deshalb müssen wir nebenbei Rollen in Film und Fernsehen annehmen, um uns etwas für die Arbeit als Theaterschauspieler dazu zu verdienen.

 

Welche Stücke werden in Syrien besonders häufig gespielt?

In Syrien wurde viel Brecht gespielt. Während meines Studiums habe ich ein Semester lang Brechts Theater studiert. Seine Werke, seine Regie, seine Dramaturgie.

 

Da bist du ja optimal vorbereitet auf MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER.

Ja, aber jetzt bin ich in Brechts Heimatland! Es wird bestimmt schwieriger in Deutschland Brecht zu spielen, aber natürlich auch sehr interessant.

 

Worauf freust du dich am meisten im kommenden Jahr?

Ich werde in verschiedenen Bereichen mitwirken. Als Regiehospitant eine Inszenierung begleiten, bei Theaterworkshops mitarbeiten, Übersetzungstätigkeiten übernehmen und auch als Schauspieler auf der Bühne stehen. Das Osnabrücker Theater gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, dass das Jahr hier den Anfang meiner Schauspielkarriere in Deutschland bedeutet.

 

Hast du einen Lieblingsautor?

Ich mag viele Autoren. In Syrien hatte ich eine riesige Büchersammlung zu Hause, die ich leider bei meiner Flucht zurücklassen musste. Ich habe meiner Mutter dann gesagt, sie solle die Bücher an meine Freunde und Bekannten verteilen, damit wenigstens andere noch einen Nutzen davon haben. Ich wusste, dass ich sie nicht mehr wiederbekomme. Wenn ich erstmal besser Deutsch spreche, fange ich hier wieder an, eine neue Büchersammlung aufzubauen. Momentan lese ich viele Kinderbücher, das ist die beste Übung, um Deutsch zu lernen! Außerdem sind sie sehr lustig.

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