La traviata
Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Schauspiel Die Kameliendame von Alexandre Dumas d. J.
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musiktheater · Theater am Domhof
Premiere 30.09.2023
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden 45 Minuten, inkl. einer Pause
„[…] mit perfekter Regie und brillanten Darstellern […] Derartig packende Opernabende erlebt man selten.“
Ralf Döring, NOZ
Die Handlung
1. Akt
Violetta Valéry lebt im Luxus der Frauen, die ausgehalten werden. Doch die Diag-nose einer tödlichen Krankheit droht ihr glänzendes Leben zerfallen zu lassen. Nur einer bemerkt Violettas bedrohlichen Zustand: Alfredo Germont, ein junger Mann aus bürgerlicher Familie, liebt Violetta und bietet ihr seine Liebe an. Sie lehnt zunächst ab, auch aus Angst vor dem ihr unbekannten tiefen Gefühl.
2. Akt
Violetta hat ihr bisheriges Leben aufge-geben. Zusammen mit Alfredo lebt sie glücklich in Abgeschiedenheit, bis Giorgio Germont auftaucht und sich als Alfredos Vater zu erkennen gibt. Er beschuldigt Violetta, seinen Sohn zu ruinieren und die Verlobung seiner Tochter zu gefährden. Um die Familien-ehre zu retten, fordert er sie auf, sich von Alfredo sofort zu trennen.
Violetta opfert für Germonts Tochter ihr eigenes Glück, verlässt Alfredo und kehrt zu ihrem früheren Leben zurück.
2. Akt
Alfredo fühlt sich von Violetta verraten und ist ihr gefolgt. Auf einem Fest erniedrigt er sie vor allen Anwesenden.
3. Akt
Violetta liegt im Sterben. Einzig ihre Vertraute Annina ist an ihrer Seite geblieben. Alfredo erscheint, gefolgt von Vater Germont. Er bittet Violetta um Verzeihung und beschwört eine gemein-same, glückliche Zukunft. Doch die Wirklichkeit reißt die beiden Liebenden aus ihren Träumen – und Violetta aus dem Leben.
"La traviata setzt konsequent jene Tendenz des Verdischen Schaffens fort, die im Rigoletto zuerst sichtbar geworden war. Es war nur folgerichtig, dass sich sein Interesse an den Opfern der Gesellschaft nun auf seine eigene Zeit richtete. Dennoch muss man sich den Charakter der damaligen italienischen Opernproduktion vor Augen halten, um ganz ermessen zu können, wie kühn und kompromisslos Verdis Griff in die Gegenwart war" Wolfgang Marggraf
Zeitloser Realismus
Als Marie Duplessis in ihrem Salon am Boulevard de la Madeleine am 3. Februar 1847 mit nur 23 Jahren an Tuberkulose starb, stand ganz Paris Kopf. Männer wie Frauen drangen in die Zimmer ein und plünderten sie schamlos aus. Sie durch-wühlten ihre Dessous, ließen intime Briefe verschwinden und schnitten der kaum Verstorbenen ihre schwarzen Locken ab, um sie meistbietend zu verkaufen. Kurz: Frankreichs bessere Gesellschaft fledderte wollüstig die Wohnung einer Hure. Aber es flossen auch ehrliche Tränen. Maries letzter Klavierlehrer – der junge Franz Liszt – seufzte später: „Wenn ich an sie denke, erklingt in meinem Herzen ein geheimnisvoller Akkord aus einer antiken Elegie.“ Und der Sohn des Schöp-fers der Drei Musketiere – Alexandre Dumas fils – sublimierte seinen Liebes-kummer zu ihr in einem Roman: Die Kameliendame erschien bereits ein halbes Jahr nach Maries Tod und wurde ein Bestseller.
Alphonsine Plessis, die sich seit ihrem Aufstieg in die Elite Frankreichs Marie Duplessis nannte, an 25 Tagen des Monats weiße und an fünf rote Kamelien im Haar trug, war eine der begehrtesten und zugleich teuersten Frauen ihrer Zeit. Monsieur le Baron solle wissen, so schrieb sie an einen Verehrer, dass ihre Gefälligkeiten sehr viel Geld kosten. Dank ihrer Intelligenz und Schönheit hatte sie Macht und Einfluss und man kann davon ausgehen, dass die aus elenden Verhältnissen stammende lebenshungrige junge Frau ihr Leben so gemocht hat – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die damals noch unheil-bare Krankheit von ihr Besitz ergriff und der Körper ihr buchstäblich den Dienst versagte. Da wurde es einsam um sie. Ob sie denn glücklich sei, wurde sie einmal gefragt: „Nein, glücklich bin ich nicht, aber das merkt keiner.“ Man kann es schon einzigartig nennen, dass Giuseppe Verdi nach achtzehn „mehr oder weniger kriegerischen Opern“ mit historischem Hintergrund 1853 auf einen Stoff zurückgriff, der nicht nur in einem konkreten bürgerlichen Milieu spielte, sondern zudem auch noch brandaktuell war. Dumas‘ Roman war durch die dramatisierte Form immer noch allgegen-wärtig; vergeblich hatte die französische Zensurbehörde versucht, das Schauspiel zu verbieten.Kommt aber Dumas über ein voyeuristisch-muffiges Moralisieren nicht hinaus, teilt Verdi aus und macht das Huldigen einer Doppelmoral zum Thema. Wenn Alfredos Vater meint, von „einer“ wie Violetta könne man verlangen – auch angesichts ihres baldigen Todes – auf seinen Sohn zu verzichten, um den guten Ruf der Familie zu retten, trifft das ins Mark. Violettas und Alfredos tragische Liebe ist keine Opern-Sentimentalität, sondern bis ins Innerste gesellschaftlich verstrickt. So schafft es Verdi, das Schicksal einer „Traviata“ – also einer vom rechten Weg abgekommenen Frau – ins Menschliche zu erheben und damit die Frage nach wirk-licher Moral zu stellen. Das Außergewöhn-liche seiner Oper liegt im grundsätzlichen Humanismus: Jeder und jede habe einen legitimen Glücksanspruch. Dass dieser einem Menschen wie Violetta von der Gesellschaft abgesprochen wird, macht betroffen und ergreift uns bis heute.
"Ich habe nichts zu verbergen. In meinem Haus lebt eine freie, unabhängige Dame, die wie ich die Einsamkeit liebt und ein Vermögen besitzt, das sie vor jeder Not schützt. Weder ich noch sie sind irgend jemandem Rechenschaft über unser Tun schuldig. Wer weiß denn, ob sie meine Frau ist oder nicht? Und wenn sie es ist, wer weiß, welche besonderen Gründe vorliegen mögen, es nicht öffentlich bekanntzugeben? In meinem Haus gebührt ihr ebenso viel Achtung wie mir, vielleicht sogar mehr"
Giuseppe Verdi, der über sieben Jahre mit der Sängerin Giuseppina Strepponi unver-heiratet zusammenlebte, an seinen früheren Schwiegervater Antonio Barezzi, 1852
Violetta Valéry: Sophia Theodorides/ Luidmila Lokaichuk (05.02., 28.02.2026)
Flora Bervoix: Nadia Steinhardt
Annina: Susanna Edelmann
Alfredo Germont: Sung Min Song/ Nenad Čiča (28.02.2026)
Giorgio Germont: Rhys Jenkins
Gastone: Florian Wugk
Baron Douphol: Jan Friedrich Eggers
Dr. Grenvil: Dominic Barberi
Marquis d'Obigny: Sunghan Lee
Ein Diener Floras/Commissionario: Ji-Seong Yoo
Opern- und Extrachor des Theater Osnabrück
Osnabrücker Symphonieorchester
Statisterie des Theater Osnabrück
Musikalische Leitung: Benjamin Huth
Inszenierung: Matthias Oldag
Bühne, Kostüme: Darko Petrovic
Choreinstudierung: Sierd Quarre / Markus Lafleur
Dramaturgie: Juliane Piontek
Regieassistenz, Abendspielleitung: Sophia Winoa Ackermann
Studienleiter: Markus Lafleur
Musikalische Einstudierung: Cécile Sagnier / Alfred Chen
Inspizienz: Anja Flemming
Ausstattungsassistenz: Lena Stühmeier
Übertitelinspizienz: N.N.
Theatervermittlung: Paula Römer
Bühnenmeister: Sascha Niebuhr · Beleuchtung: Julian Rickert · Ton: Jan van Triest · Requisite: Michael Janus, Kira Strohschnieder · Maske: Sylke Schmidt, Lena Blecks, Ina Bollien, Klara Euler, Andrea Jasper, Silke Ludger, Lea Sufinn · Garderobe Damen: Jana Modrezejewski, Lydia Balck, Birgitt Tabor · Garderobe Herren: Tatjana Schwab, Dirk Böß, Gerlind Werner
FOTO
Stephan Glagla
Hinweis:
Bitte beachten Sie auch den abendlichen Besetzungsaushang.
30 Minuten vor Stückbeginn laden wir Sie zu einer Einführung ins Obere Foyer ein.
Sophia Theodorides
Sophia Theodorides, Rhys Jenkins, Ensemble
Susanna Edelmann, Sophia Theodorides
Olga Privalova, Sophia Theodorides, Ensemble
Sophia Theodorides
Daniel Preis
Sophia Theodorides
Sophia Theodorides, Ensemble
Sung Min Song, Sophia Theodorides
Sung Min Song
Sophia Theodorides, Sung Min Song