Junge Choreograph:innen
Dance Company Osnabrück
Tanz
Premiere 28.03.2026
emma-theater
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, inkl. einer Pause
In den täglichen Proben beschäftigen sich die Tänzer:innen der Dance Company mit den Ideen und Visionen anderer Kunstschaffenden. Bei den Jungen Choreograph:innen drehen wir die Rollen um. Die Tänzer:innen erhalten die Möglichkeit, ihre Ideen und Visionen zu entwickeln, individuelle Bewegungssprachen zu erforschen und sie in eigenen Produktionen auf die Bühne zu bringen. Auch in dieser Spielzeit werden wieder interessante Kurzstücke den Weg auf die Bühne des emma-theaters finden.
„Der Abend ermöglicht es mir, meine Gedanken und meine kreativen Instinkte zu erforschen. Mein Verständnis von Kunst darf ich an ein Publikum vermitteln, das ist wunderbar.“
Barbara Minacori
Hinweise:
Bei den Vorstellungen am 28. April und 03. Mai wird das Stadtensemble Tanz zusätzlich ein von der Tänzerin Jeongmin Kim erarbeitets Stück präsentieren.
Weitere Termine werden jeweils mit dem Erscheinen des Monatsspielplans am letzten Freitag des Vorvormonats in den Verkauf gegeben.
Ein Späteinlass im emma-theater ist leider nicht möglich.
Fünf Choreograf*innen, fünf Perspektiven auf die Themen Körper, Identität und Gesellschaft. Mehr dazu lesen Sie im Theaterjorunal Artikel der NOZ: Ein Abend mit Werken von Tänzer*innen der Dance Company Osnabrück: Die Kraft der Choreographie
Strangers with memories
Choreographie: Barbara Minacori
Tanz: Ambre Twardowski
Astrea
Choreographie: Luigi Imperato
Tanz: Pauline Larosa, Barbara Minacori
The Houses Are Hanging from Underneath the Meadow
Choreographie: Emelie Söderström
Tanz: Richard Nagy, Merlijn Helsloot, Jeongmin Kim, Emanuela Vurro
Room 19
Choreographie: John O'Gara
Tanz: Barbara Minacori, Luigi Imperato, Pauline Larosa
Talents: Cards & Feathers?
Choreographie: Richard Nagy in Zusammenarbeit mit der DCO
Tanz: Jeongmin Kim, Emelie Söderström, Emanuela Vurro, Luigi Imperato, Juri Jaworsky, Esaúl Llopis Castelló, Bojan Micev, Merlijn Helsloot, Pauline Larosa
Konzept, Kostüm, Bühne, Licht: Barbara Minacori, Emelie Söderström, Luigi Imperato, John O’Gara, Richard Nagy
Kostüm- & Bühnenbildassistenz: Inga Engelmeyer
Dramaturgische Begleitung: Emanuela Vurro
Choreographische Assistenz: László Nyakas
Inspizienz: Lisa Kerschkamp
Beleuchtungsproben: Stephanie Schümann / Sophia Winona Ackermann
Probenassistenz: Jeongmin Kim
Theatervermittlung: Laura Markurth
Komposition: Luigi Imperato, Emelie Söderström, Ferenc Nagy
Weitere Musik: John Hassell, Ben Frost/Gluteus Maximus, Microstoria, Academy of Ancient Music/Paul Goodwin, The Ink Spots, The Dave Brubeck Quartet, St Germain, Brian Eno, Colin Stetson, Nelson Willie, Tschaikowsky, JENNIE
Technischer Leiter: Clemens Michelfeit Technische Leitung emma-theater: Andreas Klingenberg, Sebastian Siepelmeyer Beleuchtung: Ludger Wamhoff, Jascha Schipp Requisite & Tontechnik: Rasmus Arand Maske: Bärbel Albrecht/ Meike Meiners Garderobe: Dirk Böß, Annika Luchin Das Team der Veranstaltungstechnik emma-theater Dekorationswerkstätten: Tischlerei, Schlosserei, Polsterei, Malsaal und Theaterplastik
Eine Gelegenheit für Tänzer*innen, in die Rolle des Choreografierenden zu schlüpfen, eigene Stücke zu kreieren und mit Kolleg*innen zusammenzuarbeiten, während sie sich mit den Herausforderungen des Bühnenraums auseinandersetzen. Jede*r Choreograf*in bringt eine einzigartige Vision und einen eigenen Stil mit und bietet so eine breit gefächerte Auseinandersetzung mit Themen, die von sozialem Bewusstsein und der Fragilität von Identität über Isolation und die weibliche Figur im Laufe der Geschichte bis hin zur spielerischen Hinterfragung der Realität reichen. Ein Abend, der Kreativität, Individualität und die Kunst der Choreografie feiert. Tänzerin Emanuela Vurro hat ihre Kolleg:innen nach ihren Stücken gefragt und gibt mit spezifischen Fragen Einblicke in die Arbeiten.
Barbara Minacori
Strangers with memories
Emanuela Vurro: Welche Frage beschreibt dein Stück?
Barbara Minacori: Ist Identität etwas, das wir sind, oder etwas, das wir darstellen?
E.V.: Und wie würdest du dir diese Frage beantworten, um uns mehr über dein Stück zu erzählen?
B.M.: Identität ist nicht festgeschrieben; sie entwickelt sich im Laufe unseres Lebens ständig weiter. Sie wird durch physische, psychologische und kulturelle Merkmale geprägt, die eine Person oder eine Gruppe definieren. Doch dieses Selbstverständnis kann manchmal ins Wanken geraten, sodass wir uns unsicher fühlen und nicht mehr wissen, wer wir wirklich sind. Der berühmte italienische Schriftsteller Luigi Pirandello beschäftigt sich in seinem Buch „Einer, keiner und hunderttausend“ mit dem Thema Identitätskrise, und ausgehend von diesem Konzept habe ich mich auf meine choreographische Recherche für dieses Solo begeben.
E.V.: Und wie hast du das umgesetzt?
B.M.: Obwohl wir physisch eine Person sind, verlangt die Gesellschaft oft von uns, viele Versionen von uns selbst zu verkörpern, und zwingt uns, Masken zu tragen, die uns helfen, uns an neue Orte und neue Menschen anzupassen. Jede Maske, die wir tragen, entfernt uns von unserem wahren Selbst und verwandelt uns in leere, mechanische und kalte Wesen, losgelöst von uns selbst und so spielt die Maske eine wichtige Rolle im Stück.
Emelie Söderström
The Houses Are Hanging from Underneath the Meadows
E.V.: Emelie, dein Stück hat einen langen Titel, der schon viele Assoziationen eröffnet. Kannst du verraten, mit welcher Frage du dein Stück beschreiben würdest?
Emelie Söderström: Ich würde die Frage stellen, inwieweit wir unser Leben durch unsere täglichen Entscheidungen beeinflussen können?
E.V.: Spannend. Du lässt dich ja inspirieren von den Gemälden und Visionen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Kannst du uns dazu etwas Näheres berichten?
E.S.: Genau ich möchte mich inspiriert durch Ihn und seine Werke mit dem freien Willen auseinandersetzen. Hundertwasser sah Kunst als eine Form des Widerstands: als einen Weg, sich einer mechanischen und unpersönlichen Welt zu widersetzen, die uns oft vorschreibt, wie wir leben und uns verhalten sollen. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Ausmaß individueller Handlungsfähigkeit und reflektierte darüber, ob ein Mensch seine Umgebung wirklich beeinflussen, die Realität neugestalten und jenseits auferlegter Strukturen frei handeln kann. Sein starker Glaube an die menschliche Natur gegenüber Konformität und Industrialisierung führte ihn dazu, jeden Einzelnen als eine mächtige Kraft zu sehen, die fähig ist, die Welt um sich herum zu gestalten.
E.V.: Wie würdest du deinen Ansatz beschreiben?
E.S.: Das Stück wird von vier Tänzer:innen performt. Sie erforschen Beziehungen durch eine Körpersprache, die Zartheit, Präzision und alltägliche Gesten miteinander verbindet. Zwei spiegelgleiche Paare bewegen sich in perfekter Symmetrie, bis eines beginnt, Entscheidungen zu treffen und den freien Willen in Frage zu stellen, wodurch das Gleichgewicht gestört wird. Während die Symmetrie zerbricht, verflechten sich Geschichten und Beziehungen und offenbaren Momente des Konflikts, der Verbundenheit und der Liebe.
Luigi Imperato
Astrea
E.V.: Hallo Luigi. Dein Stück heißt Astrea, was griechisch ist. Kannst du uns verraten, was deine Frage war, die du im Stück bearbeitest und was das mit Griechenland zu tun hat?
Luigi Imperato: Ich würde die Frage danach stellen, was Verzerrung bedeutet. Und ja, das antike Griechenland war quasi Inspiration. Nach einem Besuch dort war ich beeindruckt vom Kontrast zwischen der Verehrung weiblicher Gottheiten und der Beschränkung der Frauen auf häusliche Rollen. Ich wollte diese frauenfeindliche Haltung als Verzerrung interpretieren: ein Phänomen, das die Natürlichkeit eines Bildes verändert. So wie Wasser Objekte durch Lichtbrechung vergrößert, wurde auch die weibliche Figur im Laufe der Zeit verzerrt.
E.V.: Und wie genau bist du deine Recherche angegangen?
L.I.: Mein Stück heißt Astrea, nach der griechischen Göttin der Gerechtigkeit und der Reinheit. Ich wollte den Übergang vom Heiligen zur Diskriminierung der Frauen untersuchen. Die Tänzerinnen spiegeln mit ihren Körpern diese Verzerrung wider, indem sie alltägliche Bewegungen transformieren und den natürlichen Zustand des Körpers aufgeben.
John O’Gara
Room 19
E.V.: Du hast mir schon erzählt, dass es in deinem Stück um Isolation geht. Kannst du mir mehr dazu berichten? Und woher kommt der Titel?
John O’Gara: Isolation kann Gefühle wecken, die wir im Alltag selten wahrnehmen, wie Einsamkeit, Sehnsucht oder sogar unerwartete Kreativität. Der Raum Nummer 19 war an meiner Schule ein Klassenzimmer, in dem Schüler:innen ihre Nachsitzen-Stunden
verbrachten. Ich und viele meiner Klassenkamerad:innen verbrachten die Zeit dort damit, auf die Wände zu starren, die uns von den anderen trennten.
E.V.: Und mit dieser Erfahrung und diesem Gefühl hast du dich auseinandergesetzt?
J.O.: Ja. Meine Gedanken damals schweiften immer umher und ich habe imaginäre Tanzwelten geschaffen, in denen Bewegungen und Spiel die Hauptrollen spielten.
E.V.: Und wie hast du das auf die Bühne gebracht?
J.O.: Die drei Tänzer in meinem Stück erwecken diese verpassten Tanzwelten zum Leben, stellen das gegenseitige Vertrauen auf die Probe und machen jeden Sturz zu einer neuen Chance. Die Choreografie wird von Willie Nelsons Song „Hello Walls“ begleitet, der von
der Einsamkeit nach verlorener Liebe erzählt und die Tänzer:innen dazu inspirieren soll, die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus der Isolation durch ihre Bewegung auszudrücken.
Richard Nagy
Talents: Cards & Feathers?
E.V.: Richard, welche Frage hast du in deinem Stück erforscht?
Richard Nagy: Wie oft hinterfragen wir unsere Wahrnehmung?
E.V.: Und wie oft hinterfragen wir sie? Was ist deine Antwort?
R.N.: Ja, das ist gar nicht so einfach. Häufig beurteilen wir das, was wir sehen, ohne die Kriterien, nach denen wir urteilen, wirklich zu hinterfragen. Die Gesellschaft prägt unsere Meinungen durch Bilder und ungewollte Botschaften, lenkt unsere Entscheidungen und treibt uns dazu, fast wie im Autopilot-Modus zu handeln.
E.V.: Und kannst du uns ein wenig mehr konkret über dein Stück erzählen?
R.N.: Im Stück haben wir versucht diese Idee des Hinterfragens der Wahrnehmung versucht im Rahmen einer schillernden Talentshow zu erforschen, in der die Darbietungen schnell als gut oder schlecht bewertet werden, wobei dies eher auf beeinflusste Wahrnehmungen als auf sorgfältige Überlegungen zurückzuführen ist. Konkret heißt das, dass unter der Leitung einer eklektischen Moderatorin neun Talente die Bühne des emma Theaters, um die Zustimmung des Publikums zu gewinnen. Nur vier von ihnen kommen weiter und erkunden die andere Seite des Talents: den Schatten von Ruhm und Erfolg.
Gefördert von
Strangers with memories
von Barbara Minacori mit Ambre Twardowski
Strangers with memories
von Barbara Minacori mit Ambre Twardowski
Astrea
von Luigi Imperato mit Pauline Larosa und Barbara Minacori
Astrea
von Luigi Imperato mit Pauline Larosa und Barbara Minacori
The houses are hanging from underneath the meadow
von Emelie Söderström mit Emanuela Vurro, Jeongmin Kim, Richard Nagy, Merlijn Helsloot,
The houses are hanging from underneath the meadow
von Emelie Söderström mit Emanuela Vurro, Jeongmin Kim, Richard Nagy, Merlijn Helsloot
Room 19
von John O’Gara mit Luigi Imperato, Pauline Larosa
Room 19
von John O’Gara mit Luigi Imperato, Pauline Larosa, Barbara Minacori
Talents: Cards & Feathers
von Richard Nagy mit Emanuela Vurro, Juri Jaworsky, Emelie Söderström
Talents: Cards & Feathers
von Richard Nagy mit Emelie Söderström, Juri Jaworski