Macbeth
Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave und Andrea Maffei nach William Shakespeare In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Theater am Domhof
Premiere 24.01.2026
Einführung: 30 Minuten vor Beginn
Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden, inkl. einer Pause nach ca. 1 Std. 20 Min.
"Wer noch kein Opernfan ist, wird hier einer"
Kerstin Broszat, OSRundschau
Macbeth hat viel erreicht. Als Feldherr wird er respektiert. Doch Hexen prophezeien ihm Größeres und lassen die Gier in ihm erwachen. Mit dem Mord an König Duncan reißt Macbeth die Macht an sich. Angestachelt von seiner machthungrigen Frau, setzt er damit eine grausame Spirale von Gewalt und Verbrechen in Bewegung.
Was mit Blut begann, endet im Blut: Lady Macbeth stirbt im Wahnsinn, Macbeth wird im Zweikampf getötet. Die Geschichte über den Aufstieg und Fall zweier Machtmenschen, die schicksalhaft aneinander gekettet sind, steht exemplarisch für eine verkommene politische Gesellschaft, der die Utopie abhandengekommen ist.
Nah an seinem großen Vorbild Shakespeare, schuf Giuseppe Verdi mit Macbeth seine unkonventionellste Oper, in der sich Musik und Drama besonders eng durchdringen. Herausgekommen ist ein Opern-Thriller von abgründiger Tiefe.
„So weit bin ich in Blut
Gestiegen, daß ich weiter waten muß
Mein Weg zurück so arg wie der zum Schluß.“
Shakespeare / Heiner Müller
Ein kleines Social-Media-Interview mit den zwei Hauptdarstellenden finden Sie hier.
Alles über Theo Magongomas Debüt als Macbeth in Verdis Oper am Theater Osnabrück, sein Weg zum Operngesang und die Verbindung zu Heimat und Musik erfahren Sie in diesem Theaterjournal Artikel aus der NOZ: Theo Magongoma: Ein mitreißender Opernsänger
- Werner Hülsmann, ON
Macbeth, schottischer Feldherr: Theo Magongoma
Lady Macbeth: Susann Vent-Wunderlich
Banquo, schottischer Feldherr: Dominic Barberi
Macduff, schottischer Edler: Jihoon Park
Malcolm, Duncans Sohn: Florian Wugk
Seyton, Kammerdiener Macbeth: Jan Friedrich Eggers
Kammerfrau der Lady: Susanna Edelmann
Stimmen aus dem Off:
Erscheinung 1: Sunghan Lee
Erscheninung 2: Charlotte Rin
Erscheinung 3: Mathilda Majerski
Macbeth: Hans-Christian Hegewald
Lady Macbeth: Sascha Maria Icks
König Duncan: Ronald Funke
Statisterie:
König Duncan: Peter Strate/ Herbert Brate
Lady Macduff: Lisa-Marie Krone/ Nadia Krabbe
Fleance, Banquos Sohn: Dennis Pishchalau/ Jannes Peinz
Donalbain, Malcoms jüngster Bruder: Lucian-Levi Lieder/ Jannes Peinz
Wache, verwundeter Soldat, Königserscheinung: Michel Lenz, Alexander Ostendorf, Jakob Kruse
Kinder Macduffs und Königserscheinungen: Maria Günter, Ida Saure, Anna Luna Garber, Josefine Schekahn, Lotta Bokern
Opernchor und Extrachor des Theater Osnabrück, Osnabrücker Symphonieorchester
Musikalische Leitung: Christopher Lichtenstein
Nachdirigat: Benjamin Huth (11.02., 03.04.2026)
Inszenierung: Hendrik Müller
Bühne und Kostüme: Marc Weeger
Choreinstudierung: Sierd Quarré
Dramaturgie: Juliane Piontek
Regieassistenz und Abendspielleitung: Stephanie Schümann
Austattungsassistenz: Yunnai Zang
Inspizienz: Sophia Winona Ackermann
Studienleiter: Markus Lafleur
Musikalische Einstudierung: Cécile Sagnier / Alfred Chen
Ausstattungshospitanz: Luzie Reuthpöhler
Übertitelinspizienz: N.N.
Theatervermittlung: Joanna Wellenbrink
Technischer Leiter: Clemens Michelfeit · Produktionsleiter: Felix Ridder · Bühnenmeister: Richard Dannemann · Beleuchtung: Charlene Braß · Ton: Jan van Triest, Manuel Sieg · Requisite: Kira Strohschnieder, Michael Janus · Maske: Andrea Jasper, Thorsten Kirchner, Ina Bollien, Silke Ludger, Lena Blecks, Meike Meiners, Clara Wolf, Henriette Decker, Natalia Kletke, Philip Hager, Klara Euler · Garderobe Damen: Lydia Balck, Jana Modrzejewski, Birgitt Tabor · Garderobe Herren: Tatjana Schwab, Gerlind Werner, Sonja Arelmann, Arthur Schwab · Dekorationswerkstätten: Tischlerei, Schlosserei, Polsterei, Malsaal und Theaterplastik
Vorab-Fotos: Jane Jachens
Die Handlung
Erster Akt - Die beiden schottischen Feldherren Macbeth und Banquo kehren siegreich aus der Schlacht zurück. Hexen prophe-zeien ihnen: Macbeth werde König von Schottland und Banquo Stammvater vieler Könige.
Boten bestätigen die Weissagung: König Duncan hat Macbeth, bisher nur Herr von Glamis, die Macht über Cawdor übertra-gen, nachdem der bisherige Herrscher als Verräter hingerichtet worden ist.
In einem Brief berichtet Macbeth seiner Frau von den seltsamen Ereignissen. Sie ist festentschlossen, ihren Gatten beim schnellen Aufstieg auf den Thron zu unterstützen, auch wenn er über Leichen geht. Noch in der selben Nacht überredet sie Macbeth, König Duncan zu töten. Die Mordwaffe schiebt sie den schlafenden Wachen unter, um den Verdacht auf sie zu lenken. Bei Tagesanbruch wird der Mord entdeckt. Macbeth und seine Lady stim-men in den allgemeinen Trauergesang ein.
Zweiter Akt - Macbeth ist nun König von Schottland. Duncans Sohn Malcolm ist nach England geflohen und gilt seither als Vatermörder. Aber die Prophezeiung der Hexen, das Banquos Erben künftig die Krone tragen werden, lässt Macbeth und seine Lady nicht ruhen. Sie beauftragen Mörder, Banquo und dessen Sohn Fleance zu töten. Während eines Festbanketts wird die Ermordung Banquos und die Flucht Fleances gemeldet. Macbeth verfällt dem Wahn: Ihm erscheint der Geist Banquos. Die Lady beschimpft ihren Gatten als Schwächling. Die Festgesell-schaft ist verstört. Der bisher Königstreue Macduff beschließt, nach England zu
fliehen, um sich mit Malcolm gegen Macbeth zu verbünden.
Dritter Akt - Noch einmal sucht Macbeth die Hexen auf. Die erste Erscheinung warnt ihn vor Macduff. Die zweite bestätigt ihn in seinem blutigen Vorgehen, da niemand ihn töten könne, der auf natürlichem Wege geboren sei. Die dritte weissagt ihm, dass er herrschen werde, so lange nicht der Wald von Birnam gegen ihn vorrücke. Die vierte zeigt ihm Könige aus dem Geschlecht Banquos. Macbeth und seine Lady beschließen, alle umzubringen, die ihnen gefährlich werden könnten und beginnen mit Macduffs Frau, den Kin-dern und Banquos Sohn.
Vierter Akt - Die vor Macbeths Gewaltherrschaft Geflohenen beweinen ihre Heimat. Macduff trauert um Frau und Kinder. Gemeinsam mit Malcolm beschließt er, den Kampf gegen Macbeth aufzunehmen. Zur Tarnung soll das Heer Zweige aus dem Wald von Birnam vor sich hertragen. Lady Macbeth ist ihrem blutigen Wahn-sinn verfallen und stirbt.
Macbeth sieht den Wald von Birnam unaufhaltsam auf sich zu kommen. Macduff, nicht auf natürlichem Wege geboren, sondern aus dem Schoß seiner Mutter geschnitten, tötet Macbeth. Malcolm wird König von Schottland.
O Wollust der Macht!
Juliane Piontek
Macbeth ist neben König Lear ganz sicherlich Shakespeares schwärzestes Drama, entstanden im epochalen Um-bruch zwischen feudal-mittelalterlicher und bürgerlich-kapitalistischer Zeit. Es beschreibt keine realen Verhältnisse, sondern die Vision einer Welt, vor der sich Shakespeare fürchtete. Mit großer Wahrscheinlichkeit entstan-den beide Werke 1606. Das fast 50 Jahre währende Elisabethanische Zeitalter hatte mit dem Tod der Monarchin 1603 sein Ende gefunden und die Welt in eine unbestimmte Zukunft entlassen. Seltene Naturschauspiele, wie die Mondfinsternis 1605, der wenig später eine totale Sonnen-finsternis folgte, beschäftigte daher die Menschen, für die solche Ereignisse von immenser symbolischer Bedeutung waren. Denn man war überzeugt, dass sich die weltliche Macht in der Ordnung der Sterne widerspiegle und der Kosmos das irdische Leben bestimme.
Hexen und Geister nehmen denn auch einen großen Raum in Shakespeares Macbeth ein. „Sie beherrschen das Drama. Alles geht von ihnen aus“, äußerte sich Verdi 1865 in einem Brief anlässlich seiner überarbeiteten Fassung für das Théâtre-Lyrique in Paris. Ob real existierend oder als Projektion des Inneren, die Hexen sind der Motor dieser Schauertragödie, an der Verdi zunächst nicht so sehr das Politische oder Religiöse interessierte, sondern – ganz mit der Mode mitgehend – das Übernatürliche: „Das Sujet ist phantas-tisch“, schreibt er 1846.
Es sollte seine zehnte Oper werden und eine seiner ungewöhnlichsten. Mit vollem Elan und genauer Vision stürzte sich Verdi in die Erarbeitung des Librettos und wurde seinem Librettisten Francesco Maria Piave zu einem unnachgiebigen Partner: „Diese Tragödie ist eine der großartigsten menschlichen Schöpfun-gen! (…) Für die Verse denke stets daran, dass es dort kein überflüssiges Wort geben darf: Alles muss etwas ausdrücken, und man muss sich einer erhabenen Sprache befleißigen, mit Ausnahme der Hexenchö-re: Jene müssen ordinär, aber doch extravagant sein!“
Ganz eng am Shakespearschen Original bleiben und dennoch eine Sprache finden, die Gesang und schauspielerischen Ausdruck gleichermaßen möglich macht, das war Verdis Anspruch. Am Ende war er mit Piaves Arbeit so unzufrieden, dass er seinen Freund, den Dichter und Schiller-Übersetzer Andrea Maffei um Mitarbeit bat. Das Libretto erschien zunächst bei der Uraufführung am 14. März 1847 im Teatro della Pergola in Florenz ohne Nennung eines Namens.
So neuartig, so entschieden frei war Verdi in keiner seiner bisherigen Opern vor-gegangen. Verknappung und Reduktion der Mittel – darin sah er den Kern seiner Arbeit: keine unnötigen Worte, Musik, die mit geringst nötigem Einsatz unglaub-liche Wirkung erzielt und eine Personage, die sich auf das Duo infernale fokussiert und die anderen zu Randfiguren macht: „In dieser Oper gibt es drei Hauptrollen und es können nur drei sein: Lady Macbeth, Macbeth und der Hexenchor.“ (Verdi, 1865)
"Ehrgeizig bist du, Macbeth. Aber kannst du auch böse sein?"
Lady Macbeth
Mit Macbeth und seiner Lady betreten auch zwei Charaktere die Opernbühne, die monströser nicht sein könnten und zugleich eines der ganz großen tragischen Liebespaare der Weltliteratur bilden. Sich gegenseitig in Kraft, Ratio und Ehrgeiz ergänzend, sind sie geradezu schicksalhaft aneinander gekettet. Was sie eint, ist das gemeinsame Wollen, etwas zu verändern, doch biegen sie am entscheidenden Punkt ihres Lebens falsch ab. Ambition kehrt sich zu Destruktion. Einmal in diesem blutigen Räderwerk verfangen, versinken sie in Mord, Gier und Gewalt und reißen in ihrer Vernichtung die ganze Welt mit sich. „Shakespeares Dramen sind wirkliche Spiele: das macht sie so amüsant.“ Dieser Satz von Egon Friedell trifft erweirtert auch auf Verdis Macbeth zu. Fast moritatenhaft reiht Verdi Verbrechen an Verbrechen und schafft es dennoch, Mitgefühl für das Mörderpaar bei uns zu erzeugen, weil er im Täter eben immer auch das Opfer zeigt. Selbst im Wahnsinn erbarmt sich die Musik ihrer Helden, die in diesem Leben nichts mehr zu hoffen haben. „O Wollust der Macht“ singt Lady Macbeth frenetisch im Anblick der Krone, die gleich ihr Gatte tragen wird, wohl wissend, dass sie dafür über Leichen gegangen ist. Aber Maßlosigkeit wird bestraft und Avaritia, die Gier, gehört zu den Todsünden – das ist eigentlich in unser moralisches Erbgut geschrieben. Doch es braucht von Zeit zu Zeit immer wieder mal einen exemplarischen Denkzettel wie der Macbeth von Shakespeare und Verdi einer ist. Und mit Schaudern nehmen wir dann wahr, was unserer Welt droht, wenn wir die Bedeutung von Respekt und Mensch-lichkeit vergessen haben.
"Was bös begann wird groß durch Schlimmes, wenn ich’s will" Macbeth
Material für Pädagog:innen
Die Taskcard enthält weiterführende Informationen zu Macbeth.
Opernchor und Extrachor
Theo Magongoma, Susann Vent-Wunderlich, Opernchor und Extrachor
Theo Magongoma, Susann Vent-Wunderlich
Susann Vent-Wunderlich, Theo Magongoma, Opernchor und Extrachor
Jihoon Park, Dominic Barberi, Florian Wugk, Statisterie
Theo Magongoma, Ensemble
Susann Vent-Wunderlich, Susanna Edelmann, Jan Friedrich Eggers
Susann Vent-Wunderlich