5. Sinfoniekonzert - 25/26

5. Sinfoniekonzert

16.03.2026, 19:30 Uhr · OsnabrückHalle

Gabriel Fauré Masques et Bergamasques op. 112
Joseph Haydn Sinfonie Nr. 53 „L’Impériale“
Felix Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 4 „Italienische“

Dirigentin: Margaryta Grynyvetska

Das Konzert dauert ca. 1 Stunde 45 Minuten inklusive Pause.

Faurés 1919 geschriebene Suite Masques et Bergamasques erinnert mit ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit an die französische Salonmusik des 18. Jahrhunderts und vereint humorvolle, verspielte und elegische Elemente, die eine stimmungsvolle, fast kokette Atmosphäre erzeugen. Die L’Impériale von Haydn beeindruckt durch ihre monumentale Struktur, lebendige Rhythmen und die raffinierten, gesanglichen Themen.

Mendelssohns Italienische spiegelt die Eindrücke seiner Reise durch Italien mit strahlenden Themen, südlicher Leichtigkeit und virtuosen Passagen musikalisch wider. Das Programm unter dem Gastdirigat von Margaryta Grynyvetska vereint französische Raffinesse, österreichische Klassik und deutsche Romantik zu einem abwechslungsreichen Konzertabend.

Eine Konzerteinführung findet jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn in Raum 1/2 der OsnabrückHalle statt.

 

Bild: The Pink Cloud, Henri-Edmond Cross, Cleveland Museum of Art

16.03.2026Mo. 19:30

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Einzelheiten zu den Stücken und der Dirigentin des 5.Sinfoniekonzertes gibt es im Theaterjournal Artikel der NOZ: 5. Sinfoniekonzert in Osnabrück: Zwischen Eleganz und südlicher Sehnsucht

Zwischen Präzision und Poesie – Margaryta Grynyvetska und die Kunst der aufrichtigen Geste

Wenn Margaryta Grynyvetska am Pult steht, scheint die Luft zu atmen. Ihre Bewegungen sind klar, präzise, ohne jede Theatralik, und doch von einer Energie getragen, die den Klang gewissermaßen von innen heraus belebt. „Beim Dirigieren geht es für mich um ehrliche musikalische Kommunikation“, sagt sie im Gespräch mit Alexander Wunderlich, Orchesterdirektor am Theater Osnabrück. „Musiker:innen spüren, ob man echt ist – sie durchschauen einen in den ersten fünf Minuten wie mit einem Röntgenblick.“ Es ist diese Aufrichtigkeit, die ihre künstlerische Haltung prägt, diese seltene Mischung aus Disziplin und emotionaler Offenheit, aus analytischem Scharfsinn und menschlicher Wärme. 

Geboren in Odessa, begann Grynyvetskas musikalischer Weg früh. Mit fünf Jahren trat sie in die Musikschule ein, mit neun Jahren begann sie zu komponieren. Sie sang, schrieb Musik, tanzte professionell, malte. „Ich habe vieles ausprobiert – Gesang, Komposition, Kunst, Sport – aber irgendwie hat mich das Leben immer wieder zur klassischen Musik und zum Dirigieren geführt“, erzählt sie rückblickend. Sie stammt nicht aus einer Musikerfamilie, doch ihre Eltern hätten ihr, sagt sie, „den Gedanken der Schönheit durch Kunst“ vermittelt. 

Eine ihrer prägendsten Erinnerungen stammt aus den frühen Studienjahren an der Stolyarsky-Musikschule in Odessa: eine Dirigierstunde, in der sie zum ersten Mal – wie sie sagt – „Gänsehaut am Rücken“ bekam. „Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass ich Dirigentin werden wollte. Ich wollte auf der anderen Seite des Chores stehen, um meine eigene Interpretation der Musik zu bieten und die Musiker durch meine künstlerische Vision zu führen.“ 

Mit 15 Jahren stand sie erstmals vor einem Sinfonieorchester; mit 23 wurde sie Dirigentin am Opern- und Balletttheater Odessa – die jüngste Operndirigentin der Ukraine. Von dort führte ihr Weg in die europäische Musiklandschaft mit Auftritten u. a. mit der Sinfonia Varsovia, dem Schlesischen Philharmonischen Orchester, dem Abaco-Orchester München und dem ukrainischen Exilorchester „Mriya“ in der Berliner Philharmonie. 

Doch bei aller internationalen Karriere bleibt sie eine Künstlerin der stillen Konzentration. „Ich versuche, dem Orchester, der Partitur und mir selbst gegenüber sehr aufrichtig zu sein“, beschreibt sie ihre Haltung. Diese beginnt für sie mit der Vorbereitung: Sie studiert jede Partitur bis ins Detail, sucht historische, ästhetische, strukturelle und emotionale Zusammenhänge. Sie spricht davon, wie Musik und Architektur einander ähneln und „Architektur gefrorene Musik“ sein könne. Auf Reisen beobachtet sie Räume, Bauformen und Licht – das helfe ihr, Stil und Interpretation von Musikwerken besser zu verstehen und „den künstlerischen Geist jedes Ortes zu spüren“.  

„Jedes Konzert bringt etwas Neues mit sich“, meint sie. „Ich glaube, es gibt keine unwichtigen Aufführungen – jede Bühne, jedes Orchester lehrt mich etwas.“ 

Für das Programm im 5. Sinfoniekonzert, das sie mit dem Osnabrücker Symphonieorchester dirigiert, spricht sie mit Begeisterung: „Es ist faszinierend, die subtilen und doch starken Verbindungen zwischen den Werken zu entdecken – zwischen Faurés Masques et Bergamasques, Haydns Imperiale und Mendelssohns Italienischer Sinfonie. Jede dieser Kompositionen trägt eine innere Energie in sich, sie sind elegant, voller Farbe, Wärme und Sonnenlicht. Es ist schwer, sich eine bessere Musik für den Frühlingsanfang vorzustellen.“ 

Wie sie darüber spricht, lässt erahnen, dass sie nicht nur dirigiert, sondern hört, denkt, vermittelt. Ihre Interpretation beginnt nicht am Pult, sondern im Bewusstsein: ein ständiges Gespräch mit der Partitur. „Ich möchte, dass jedes Stück seinen eigenen Charakter hat“, sagt sie. „Fauré soll raffiniert und transparent klingen, Haydn klar und ausgewogen, Mendelssohn leidenschaftlich und lebendig.“  

Nach intensiven Proben zieht es sie nach draußen. „Ich schalte am liebsten bei langen Spaziergängen ab, um meinen Kopf freizubekommen“, erzählt sie. „Und am besten tanke ich neue Energie, wenn mich mein Sohn umarmt und ich mich mit meinem Mann unterhalte.“  

Vielleicht ist das das Geheimnis ihrer Souveränität: eine Haltung, die nicht aufglüht, sondern leuchtet. Ihr Dirigieren lebt nicht vom Gestus, sondern von der Konzentration darauf, was Musik im Innersten ist – Klang, Atem, Puls, Bewegung. „Ich hoffe immer, dass wir gemeinsam etwas Besonderes schaffen“, sagt sie über ihre erste Begegnung mit dem Osnabrücker Orchester. „Ich freue mich auf eine aufrichtige musikalische Zusammenarbeit.“ 

Diese Aufrichtigkeit, die sie so oft anspricht, zieht sich wie ein Leitmotiv durch ihr ganzes Denken. Sie ist kein moralischer Appell, sondern eine künstlerische Ethik. Musik, das scheint sie zu sagen, entsteht nicht aus Macht, sondern aus Beziehung. Und die Gänsehaut, die sie als Kind spürte, wenn Klang und Emotion sich trafen, bleibt bis heute ihr Maßstab dafür, wann Musik wahrhaftig ist. 

Was gespielt wird

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