6. Sinfoniekonzert - 25/26

6. Sinfoniekonzert

12.04.2026, 18:00 Uhr · OsnabrückHalle
13.04.2026, 19:30 Uhr · OsnabrückHalle

Ludwig van Beethoven Coriolan-Ouvertüre
Sergej Prokofjew Violinkonzert Nr. 2 g-Moll op. 63
Peter I. Tschaikowsky Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 60

Solist: Michal Majersky (Violine)
Dirigent: Christopher Lichtenstein

Das Konzert dauert ca. 1 Stunde 50 Minuten inklusive Pause.

Mit packender Dynamik und tiefer Emotionalität zeichnet die Coriolan-Ouvertüre die dramatische Geschichte des römischen Helden Coriolanus nach, indem Beethoven die inneren Konflikte und das tragische Schicksal des Protagonisten musikalisch nachzeichnet. Prokofjews 2. Violinkonzert verbindet lyrische, nahezu romantische Passagen mit kräftigen, oft unkonventionellen Rhythmen und harmonischen Wendungen. Es ist ein Meisterwerk der Konzertliteratur. Tschaikowskys Vierte ist ein emotionales und leidenschaftliches Werk.

Der berühmte Beginn der Sinfonie, der von einem düsteren „Schicksalsmotiv“ geprägt ist, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk und spiegelt die inneren Kämpfe des Komponisten wider.

Eine Konzerteinführung findet jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn in Raum 1/2 der OsnabrückHalle statt.

12.04.2026So. 18:00
13.04.2026Mo. 19:30

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„Alle drei sind auf ihre Weise Extremisten“

General­musik­direktor Christopher Lichtenstein (CL) im Interview mit Orchesterdirektor Alexander Wunderlich (AW) über Beethoven, Prokofjew und Tschaikowsky

AW: Was verbindet deiner Meinung nach Beethoven, Prokofjew und Tschaikowsky – drei Komponisten mit völlig unterschiedlichen musikalischen Sprachen?
CL: Alle drei sind auf ihre Weise „Extremisten“. Beethoven ist in seiner Zeit an die Grenzen des formal und inhaltlich Akzeptierten gegangen und hat diese überwunden, ohne ihn wäre der Zeitenwandel zur Romantik vermutlich erst viel später zustande gekommen. Prokofjew überreizt, dehnt und überstrapaziert die ihm in die Wiege gelegte Musiksprache der Romantik und entwickelt einen vollkommen selbstständigen Stil, den kein anderer Komponist um ihn herum entwickelt hat. Tschaikowsky ist der Komponist, der von seinem Innersten so viel in die Musik hineingegeben hat wie kaum ein anderer, beinahe gnadenlos. Dadurch ist er einer der subjektivsten Komponisten aller Zeiten.

AW: Der Titelheld von Beethovens Coriolan-Ouvertüre scheitert an seinem inneren Zwiespalt. Ist dieser dramatische Konflikt für dich ein roter Faden, der sich durch das Programm zieht?
CL: Sowohl in der Coriolan-Ouvertüre als auch in Tschaikowskys 4. Sinfonie können wir ein lyrisches Ich ausmachen, dessen Leidensweg wir verfolgen. Bei Tschaikowsky ist dieses lyrische Ich sogar der Komponist selbst, der der „Macht des Schicksals“, den die Sinfonie eröffnenden Hornfanfaren, zu entkommen versucht. Beethoven löst den Konflikt nicht auf, da das Werk mit Coriolans Selbstmord endet und lässt es im Pianissimo ausklingen. Tschaikowsky ringt mit sich und der „unbezwingbaren Macht“ bis zuletzt und setzt ihr ein Jubelfinale ohnegleichen entgegen.

AW: Prokofjews 2. Violinkonzert gilt als eines seiner lyrischsten und zugleich klassischsten Werke – eine Musik, die zwischen kühler Klarheit und emotionaler Intensität balanciert. Warum hast du dich gerade für dieses Konzert im Kontext des Abends entschieden, und wie suchst du im Dialog mit der Solovioline diese charakteristische Spannung zwischen Distanz und Gefühl zu gestalten?
CL: Es gibt kaum einen schöneren Konzertsatz als den 2. Satz aus diesem Konzert. Er erinnert mich immer an das Largo aus Bachs Konzert für 2 Violinen und Orchester. Über einem Pizzikato-Ostinato entfalten sich ungeheuer schöne Melodien in der für Prokofjew typischen Weise, Intervalle werden gespreizt, sozusagen eine melodische Spannung hineingebracht, die ein großes Sehnen hörbar macht. Mit Michal Majersky werde ich genau an dieser verzehrenden Gespanntheit arbeiten.

AW: In Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 spricht er selbst von einem „Schicksalsmotiv“. Ist das für dich eher ein musikalisches Symbol oder eine seelische Realität?
CL: Es gibt kaum ein subjektiveres Werk als diese Sinfonie. Im 1. Satz hört und spürt man Tschaikowskys Niedergeschlagenheit und Enttäuschung über das Leben. Er gibt dem „alltäglichen Kampf“ des Lebens, in seinem Falle natürlich seiner unterdrückten Homosexualität, eine Stimme. Darin können wir uns alle wiederfinden, auch wenn die Herausforderungen des Lebens für die meisten von uns von geringerer Natur sein mögen. Wir alle wissen doch aber, wie schwer das Leben manchmal sein kann, vor allem wenn man von Verlust oder Krankheit getroffen wird.

AW: Gibt es persönliche Bezüge zu einem der Werke – vielleicht ein Stück, das dich schon lange begleitet?
CL: Es ist vor allem die 4. Sinfonie, die mich vom ersten Hören an gefesselt und erschüttert hat. Gerade durch ihren letzten Satz weckt sie immer wieder die Freude in mir, ein Mensch zu sein, nach einem inneren Kampf, einer Anstrengung weiterzumachen, das Ziel im Auge zu behalten, nicht aufzugeben. Ich bin der Meinung, dass dies jeder bei diesem Werk fühlen kann.

AW: Wenn du das gesamte Programm in einem Satz zusammenfassen müsstest: Worum geht es für dich zentral an diesem Abend?
CL: Es geht um den alltäglichen „Kampf“, den jeder Einzelne von uns im Kleinen oder Großen vollziehen muss und die Kraft und den Mut, den die erklingenden Werke uns geben können.

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