7. Sinfoniekonzert - 25/26

7. Sinfoniekonzert

10.05.2026, 18:00 Uhr · Theater am Domhof
11.05.2026, 19:30 Uhr · Theater am Domhof

Arcangelo Corelli Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 1
Georg Friedrich Händel Concerto grosso B-Dur op. 3 Nr. 1
Johann Sebastian Bach Brandenburgisches Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046
Alfred Schnittke Concerto grosso Nr. 1

Musikalische Leitung: Ricardo Magnus

Es wird ein spannender Dialog zwischen den Stilen des Barocks und der Moderne: Nach Corellis bekanntem Concerto grosso, einem Meisterwerk des Barocks, folgt Händels Concerto grosso. Dieses zeigt den glanzvollen, festlichen Charakter des Barocks. Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 1 ist mit seiner Vielfalt an Instrumenten und raffinierten Strukturen ein strahlendes Beispiel für seine Virtuosität und Erfindungskraft. Schnittke verbindet mit seinem Concerto grosso Nr. 1 die Tradition des Barocks mit modernen Klangelementen und ungewöhnlichen Harmonien.

Das Werk schließt eine Brücke zwischen den musikalischen Welten, indem es das klassische Concerto grosso-Prinzip mit der Vielschichtigkeit und Komplexität der modernen Musik verschmilzt.

 

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Musik als Sprache: Ricardo Magnus im Porträt

 

Ricardo Magnus ist ein aus Argentinien stammender Dirigent, Cembalist und Fortepianist, dessen Musizieren von klanglicher Fantasie, rhythmischer Finesse und einer ausgeprägten rhetorischen Gestaltungskraft geprägt ist. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt sein Spiel als „natürlich zusprechend“ und „frei atmend“, wobei Virtuosität und Klangschönheit nie hinter der Ausdruckskraft zurücktreten. Seine künstlerische Haltung verbindet technische Souveränität mit einer besonderen Sensibilität für Gestik, Sprache und emotionale Wirkung.

Magnus versteht seinen Zugang zur Musik zunächst als zutiefst persönlich: „Mein Zugang ist vorerst emotional, sprich: Was bewirkt das Musikwerk in mir? Gestik und Rhetorik bilden ebenso die Quintessenz meines Zuganges zur Musik.“ Dieser Gedanke prägt auch seine Arbeit mit Orchestern. Für die erste Probe sind ihm „Klang, Struktur sowie Kommunikation“ besonders wichtig. Er versucht, „eine besondere Energie zu kreieren, um durch tiefgründige, leidenschaftliche Arbeit eine gemeinsame Musizierpraxis zu erwecken“. Dabei setzt er auf Offenheit, Vertrauen und das Zuhören: „Genuin bleiben, Vertrauen vermitteln, zuhören und durch das Teilen meiner Perspektiven und Ideen inspirieren.“

Gerade ein Programm wie das 7. Sinfoniekonzert mit Werken von Corelli, Händel, Bach und Schnittke liegt ihm besonders nahe. Denn stilistische Vielfalt ist für ihn kein Gegensatz, sondern ein Gewinn: „Stilistische ‚Spagate‘ erlauben uns, an Spektrum zu gewinnen - das allein ist sehr reizvoll.“ Magnus liebt es, das Umfeld der Komponisten mitzudenken und die Musik im größeren historischen Zusammenhang zu hören. So verweist er darauf, wie stark musikalische Traditionen miteinander verbunden sind: Bach bearbeitete Concerti Vivaldis, Mozart instrumentierte Händel neu, Brahms arbeitete mit Händel und Couperin, und Bartók beschäftigte sich mit kaum bekannten Barockkomponisten. Schnittkes Concerto grosso Nr. 1 erscheint ihm dabei besonders spannend, weil es durch Zitate und eigenwillige Faktur „einen einleuchtenden Blick in sein Umfeld und seine Vision von Barockmusik“ eröffnet.

Auch im Spannungsfeld zwischen historischer Aufführungspraxis und moderner Orchestertradition bleibt Magnus klar und offen. Er betont, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert habe und viele moderne Orchester heute mit großer Erfahrung Alte Musik spielen. Entscheidend sei für ihn dabei nicht ein dogmatischer Stilwechsel, sondern Haltung und Offenheit: „Mein Zugang zur Musik sowie die Gestaltung bleiben unverändert. Wichtig ist die Offenheit.“ Genau daraus entsteht jene Flexibilität, die sein Musizieren mit historischer wie zeitgenössischer Musik verbindet.

Was er beim Publikum auslösen möchte, fasst er mit einem Zitat von François Couperin zusammen: „Ich gestehe, dass mir das, was mich berührt, weit lieber ist als das, was mich zum Staunen bringt.“ Das bringt seine künstlerische Überzeugung auf den Punkt: Musik soll nicht bloß beeindrucken, sondern berühren. Entsprechend versteht Magnus Konzerte als lebendige Begegnung zwischen Werk, Interpreten und Publikum.

Abseits der Musik inspirieren ihn Menschen, Natur, Kosmologie, Malerei, Skulptur, Literatur und Sport. Dass er als Kind sogar Maler werden wollte, verweist auf eine starke visuelle und gestische Vorstellungskraft, die sein künstlerisches Denken bis heute prägt. Ricardo Magnus ist ein Musiker, der Musik als Sprache versteht — unmittelbar, geistreich und voller Ausdruck.

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