Sankt Falstaff
Schauspiel von Ewald Palmetshofer
Frei nach Shakespeares «King Henry IV»
Theater am Domhof
Premiere 30.08.2026
Sie bröckelt, die Demokratie. Populismus, Intrigen und Korruption gehen vom Zentrum der Macht aus, in dessen Mitte der einsame „Quasi-König“ Heinz seit seinem Staatsstreich auf dem Thron sitzt. Doch krankt hier nicht nur die Staatsform, auch ihr Souverän selbst zerfällt im Innern. Wer folgt ihm nach? Sein Sohn Harri vertreibt sich, statt mit Politik, seine Zeit mit schönen Dingen. Zusammen mit seinem Freund John wird in Frau Flotts Kneipe gesoffen, sich zugedröhnt und der Liebe hingegeben. John Falstaff ist der Fürst der Nachtschwärmer, des guten Lebens und Genusses und sucht nach etwas, das den Rausch überdauert. Als dann aber Harri ein verlockendes Angebot aus dem Zentrum der Macht erhält, steht nicht nur die Zukunft des Staates, sondern auch die Beziehung dieses ungleichen Paares infrage. Wie verroht ist unsere Welt wirklich? Hält die Liebe? Und kann die Demokratie gerettet werden?
Sankt Falstaff trifft den Nerv der Zeit, denn nicht weniger als die großen Dualismen der Gegenwart treffen hier aufeinander: Menschlichkeit versus Eigennutz, Gemeinschaft versus Vereinzelung und Liebe versus Hass. Mit derbem Sprachwitz und tragischer Genauigkeit entwirft Ewald Palmetshofer eine Überschreibung von Shakespeares Heinrich IV., die den englischen Weltdramatiker ins 21. Jahrhundert katapultiert.
„Wie wird man giftig nicht in einer Welt Gesellschaft, die sich anschickt in den Arsch zu gehen. Wie geht das? Wie machst das? Sag!“
„Falstaff ist so verwirrend wie Hamlet, so unendlich facettenreich wie Kleopatra. Man kann ihn erfassen, aber niemals ganz begreifen. Falstaff ist unendlich. Seine Matrix ist die Freiheit.“ – Harold Bloom
John Falstaff ist eine Schöpfung William Shakespeares und betritt erstmals in „Heinrich IV." als derber, älterer Ritter, Schurke und Glückssucher die Bühne. Mittlerweile hat die Figur nicht nur die Shakespeare-Bühne erobert, sondern ein Eigenleben entwickelt. In Verdis Oper „Falstaff", in Filmen wie „Chimes at Midnight" oder „My Own Private Idaho", in Büchern, Theatertexten und wissenschaftlichen Abhandlungen: Falstaff fasziniert und polarisiert als Lord of Misrule.
Bei Shakespeare er als eine beleibte, barocke Gestalt beschrieben, die Trunkenheit frönt, vor klugem Sprachwitz sprudelt und vor allem aber Opportunist ist. Er hat Laster und das nicht wenige: Er trinkt maßlos, trifft schlechte und unehrliche Entscheidungen, ist ein Feigling. Und doch: Er ist freundlich, witzig, einfallsreich. Er schätzt Liebe und Gesellschaft über alles und genießt irdische Vergnügungen mit einer Offenheit, die entwaffnend wirkt. Oft wird er unter Shakespeares Narren eingeordnet, und obwohl er offiziell Ritter ist, spricht einiges dafür. Denn der Narr besitzt das Privileg, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen und ihnen den Spiegel vorzuhalten.
In den „Heinrich"-Stücken erfüllt er genau diese Funktion für Prinz Harry und macht ihn dadurch zu einem besseren Menschen und später König. Ob man Falstaff positiv oder negativ liest, als Vielfraß oder Verkörperung reiner Lebensfreude, als Kleinkriminellen oder Ritter des kleinen Mannes, als Weisheitslehrer oder platten Clown, das hängt vom eigenen Blickwinkel ab. Vielleicht fasziniert er genau deshalb. So sehr jedenfalls, dass Elisabeth I. nach seinem Bühnentod in „Heinrich V." umgehend eine Komödie mit ihm einforderte, woraus „The Merry Wives of Windsor" entstand.
Als Jedermann, der seine Laster offen zur Schau trägt, ist er uns Zuschauenden meist näher als wir wahrhaben wollen und vielleicht genau deswegen so symphytisch. Vor allem seine Lebensbejahung machen ihn zum natürlichen Gegenspieler aller streng regelbasierten, militaristischen und autoritären Systeme. Das nutzt auch Ewald Palmetshofer der in seiner „Heinrich IV.“ Überschreibung John Falstaff in den Mittelpunkt stellt und sogar heiligspricht.
#1 / JOHN: Oliver Meskendahl
#2 / HARRI: William Hauf
#3 / DER QUASI-KÖNIG: Thomas Kienast
#4 / DER VORSITZ / FRAU FLOTT: Monika Vivell
#5 / DAS MUNDWERK/ FRANZ: Cornelius Kiene
#6 /HIRN/ ED: Stefan Haschke
#7 / HITZKOPF: Michi Wischniowski
#8 / KATE/ PUPPE: Soraya Abtahi
Live-Musik: Konstantin König, Martin Brunner
Inszenierung: Christian Schlüter
Bühne: Margrit Flagner
Kostüm und Video: Christopher Dippert
Musik: Augustin Zimmer
Dramaturgie: Sophie Hein
Regieassistenz: Lara Maßmann (1. Probenwoche) / Linda Wiechers (ab 2. Woche bis 02.07.2026)
Regieassistenz und Abendspielleitung: Smilla Ann
Ausstattungsassistenz: Lena Stühmeier
Dramaturgiehospitanz: Inga Engelmeyer
Regiehospitanz: Hennecke Fels
Inspizienz: Kiki Timm
Soufflage: Astrid Willnow-Herrmann
Theatervermittlung: Dietz-Ulrich von Czettritz
Bühnenmeister: Sascha Niebuhr
Beleuchtung: Julian Rickert
Ton: Manuel Sieg
Buchempfehlungen:
Zerstörungslust. Buch von Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey (Suhrkamp Verlag)
Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus | Reclam Verlag
Körper. Schreiben - Alexander Verlag
Weiterführende Dokumentationen:
THILO MISCHKE. Staffel 5 Folge 2: THILO MISCHKE. Dikta-Tour - das Comeback der Autokraten
Was China der Welt nicht zeigt - Total Trust | Doku HD Reupload | ARTE
Website der Bildungsstätte Anne Frank: Demokratieabbau – So gehen Demokratien zugrunde
Podcast vom Residenztheater München: #20 Wie schreibst du das, Ewald Palmetshofer?
Video zu Heinrich IV.: Forced Entertainment | Henry IV part 1 @Home - Forced Entertainment