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Benjamin Britten

OPER IN ZWEI AKTEN, TEXT VON MYFANWY PIPER, NACH DER KURZGESCHICHTE VON HENRY JAMES

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Owen Wingrave, Spross einer Offiziersdynastie und Student an der Militärakademie, beschließt, den ihm bestimmten Weg nicht weiter zu gehen, sondern seiner pazifistischen Gesinnung zu folgen. Verständnis dafür findet er bei seinem Vorgesetzten Spencer Coyle, seine Familie dagegen besteht auf Wahrung der Tradition. Owen wird auf den Sitz der Wingraves bestellt, wo die Familie, einschließlich seiner Braut Kate, versammelt ist, um ihn zur Vernunft zu bringen. Als der Vorwurf der Feigheit fällt, sieht Owen sich zum Beweis seiner Tapferkeit genötigt. Er geht auf Kates Forderung ein, die Nacht in einem als Spuk- und Geisterraum bekannten Zimmer zu verbringen. Am nächsten Morgen wird Owen dort tot aufgefunden.


Eine Oper fürs Fernsehen sollte Benjamin Britten (1913–1976), Großbritanniens berühmtester Komponist des 20. Jahrhunderts, für die BBC schreiben. Eine Spiegelung seiner eigenen pazifistischen Grundüberzeugung fand Britten in Henry James Kurzerzählung Owen Wingrave, die er für diesen Auftrag vertonte. Am 16. Mai 1971 wurde Owen Wingrave zum ersten Mal und zeitgleich von der BBC und dem ZDF ausgestrahlt. Schnell fand das Werk seinen Weg aus dem Studio heraus auf die internationalen Opernbühnen. Dennoch steht es bis heute im Schatten seiner bekannteren Geschwister, darunter Peter Grimes, Billy Budd, A Midsummer Night‘s Dream, Death In Venice und The Turn of The Screw. Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von Puccinis La Boheme stellt der junge niederländische Regisseur Floris Visser eine weitere Arbeit in Osnabrück vor. Daniel Inbal, Erster Kapellmeister, wird ihm dabei als musikalischer Partner zur Seite stehen.


In Kooperation mit der Opera Trionfo, Niederlande


 


Fotos: Jörg Landsberg


Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde 50 Minuten, ohne Pause.


Es findet eine Einführung 30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung statt.

BESETZUNG

Musikalische Leitung Daniel Inbal
Inszenierung Floris Visser
Bühne und Kostüme Gary McCann
Licht Alex Brock
Kinderchoreinstudierung Markus Lafleur
Dramaturgie Ulrike Schumann

Owen Wingrave, der Letzte der Wingraves Jan Friedrich Eggers
Spencer Coyle, Leiter der Militärakademie Rhys Jenkins
Lechmere, Student der Militärakademie Daniel Wagner
Miss Wingrave, Owens Tante Francis von Broekhuizen
Mrs. Coyle Elizabeth Magnor
Mrs. Julian, Witwe Natalia Atamanchuk, Alexandra Schoeny (16. und 22. Januar)
Kate Julian, ihre Tochter Almerija Delic
General Sir Philip Wingrave Mark Hamman
Erzähler, der Balladensänger Mark Hamman
Colonel Wingrave, eine Erscheinung Jörg Artmann/Herbert Brate
Junger Wingrave, sein Sohn, Erscheinung David Bruns/Jasper Weglage

 

PRESSESTIMMEN

„Mithilfe eindrucksvoller Bilder wird Paramore in Vissers Inszenierung zum Sinnbild für die Fesseln von Familie und Gesellschaft, in die wir hineingeboren werden. […] Britten erzeugt eine düstere Atmosphäre, die immer wieder gebrochen wird durch unerwartete Töne. Perfekt gespielt vom Osnabrücker Sinfonieorchester, das von Daniel Inbal dirigiert wird. […] Owen Wingrave und die Frage nach dem Kampf für Frieden: ein hochaktuelles Thema, dargestellt in eindringlichen Bildern, perfekt inszeniert - und getragen von einzigartiger Musik, komponiert vom Kriegsdienstverweigerer Benjamin Britten.“ Birgit Schütte, NDR Kultur, 17.1.2016

„Dem jungen niederländischen Regisseur Floris Visser gelingt es, mit wenigen Mitteln und völlig unspektakulär eine Spannung und Dichte auf die Bühne zu bringen, die dem Zuhörer oft den Atem nimmt. Dabei geschieht eigentlich wenig auf der Bühne. Große Teile der Handlung werden in den Arien und Duetten weitergeführt, sie wirken oft wie gesungene Sprechtexte. Und doch treiben sie eine innere Spannung weiter, die bis zum dramatischen Ende trägt. Erst da zeigt sich – überraschend – die unglaubliche Aktualität dieser Problematik, die ebenso glaubhaft bis zum Selbstmordattentäter reicht.“ Horst Dichanz, Opernnetz, 19.1.2016

„Er [Floris Visser] choreografiert eher Bilder als Bewegung – das aber stimmig und mit äußerster Präzision. […] Jan Friedrich Eggers verkörpert den Widerstandsgeist mit kraftvollem Bariton: Der Konversationston der Partie liegt ihm hörbar. […] Dank Daniel Inbals umsichtiger Leitung und eines hoch konzentrierten Osnabrücker Symphonieorchesters entsteht ein erstklassig transparenter Klang, den der Kinderchor, einstudiert von Markus Lafleur, abrundet.“ Ralf Döring, Neue Osnabrücker Zeitung, 16.1.2016

„Das Ereignis des Abends ist das achtköpfige Sängerensemble. Wo wenig Requisiten, wenig spektakuläre Bühnenaktionen sind, ist alles Zusammenspiel und -klang, was hier auf extrem hohem Niveau geleistet wird. Brittens kleinteilig gebaute Ensemblekunst war selten so sinnlich und differenziert zu hören wie hier. Jeder ein Einzelkönner: Daniel Wagner als Militärschüler mit hinreißend geschmeidigem Tenor, Rhys Jenkins als Lehrer mit selten üppigem Bariton, Elizabeth Magnor als seine Frau mit grandios plastischer Diktion. Dazu die böse Familie: Francis van Broekhuizens urgewaltige Tante, Mark Hammans gefährlich schlanker Großvater, Alexandra Schoenys abstoßend larmoyante Kameradenwitwe.  Dazu Almerija Delic als Verlobte Kate mit staunenswert großformatigem und warmem, sehr differenziert eingesetztem Mezzosopran. Schließlich Jan Friedrich Eggers: ein absolut glaubhafter Darsteller des schwierigen, aber sympathischen Titelhelden, großartig besonders in der hochexpressiven Deklamation.“ Andreas Falentin, www.die-deutsche-buehne.de, 17.1.2016

„Bei Brittens Musik zu diesem ‚Psychothriller‘ fällt der oft erstaunlich aggressive, harte Charakter auf. Schlagwerk und Bläser stehen im Vordergrund. Das Osnabrücker Sinfonieorchester unter Daniel Inbal ist nicht nur exzellent vorbereitet, es setzt die Dramatik des Stoffes packend um. Der Gesang ist eher deklamatorisch als melodiös. Jan Friedrich Eggers singt die Titelpartie facettenreich und ausdrucksstark, Francis van Broekhuizen vermittelt die Erregtheit und Verlogenheit der Tante Miss Wingrave sehr authentisch, oder Rhys Jenkins als Owens Lehrer Spencer Coyle zeigt wenigstens ein bisschen Empathie für seinen Schützling mit seinem warmen Bariton. […] Die zwingende, auch sehr musikalische Inszenierung dieser zu Unrecht wenig gespielten Britten-Oper fordert eindringlich zur Reflexion auf.“ Elisabeth Richter, Deutschlandfunk, 18.1.2016

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