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MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER

Bertolt Brecht

Musik von Paul Dessau

Europa zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs: Immer im Windschatten der kämpfenden Truppen zieht die Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage, durch die verwüsteten Lande. Denn der Krieg ist ihr Geschäft, und das lässt sie sich von niemandem madig machen. Durch absolute Unterordnung unter die Gesetze des Markts versucht sie, in diesem längsten aller Religionskriege „ihren Schnitt zu machen“ – doch stattdessen wird sie an diesen Krieg, der sie ernährt, alles verlieren.


Ihr Sohn Eilif geht zur Armee und tut sich durch rücksichtslose Plünderungen hervor – die ihn in einer Phase des Friedens das Leben kosten, denn wofür man im Krieg ausgezeichnet wird, dafür wird man im Frieden hingerichtet. Den einfältigen Schweizerkas kostet das Feilschen seiner Mutter das Leben, die nach seiner Gefangennahme so lange über das Lösegeld verhandelt, bis es zu spät ist. Und die stumme Kattrin stirbt bei dem Versuch, die Bewohner der Stadt Halle durch Trommelschläge vor einem bevorstehenden Angriff zu warnen. Der Krieg macht alle menschlichen Tugenden tödlich, auch für ihre Besitzer, die Rechnung kann für niemanden aufgehen. Doch der Planwagen der Courage, er rollt weiter …


Brechts 1938/39 im schwedischen Exil geschriebene und 1942 in Zürich uraufgeführte Parabel zeigt den Krieg als Fortsetzung der Ökonomie mit anderen Mitteln. Er schuf mit der Courage eine faszinierende Figur zwischen Muttertier und „Hyäne des Schlachtfeldes“, eine vermeintliche Kriegsgewinnlerin, die trotz aller Verluste nicht lernt, wer der wahre Feind ist. Doch hat sie überhaupt eine Wahl?


Regisseurin Schirin Khodadadian beschäftigt sich nach ihrer Inszenierung von BERNARDA ALBAS HAUS erneut mit einer starken Frauenfigur, die in der Widersprüchlichkeit eines unmenschlichen Systems zu überleben versucht – egal zu welchem Preis.


STADTPROJEKT COURAGE

400 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Kriegs und 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs sind Konflikt und Populismus erneut an der Tagesordnung. Das Theater Osnabrück nimmt das zum Anlass und ruft auf zum Stadtprojekt Courage!


Wie schon in den vergangenen Stadtprojekten lädt das Theater ein zu besonderen Formaten und Orten und zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit den Bürger*innen der Stadt: Dieses Mal ist Brechts moderner Klassiker Titelgeber und Teil des Stadtprojekts Courage, das die Frage stellt, ob und wie weit sich persönliches Glücksstreben und gesellschaftliche Verantwortung vereinbaren lassen.


Das gesamte Programm des Stadtprojekts Courage finden Sie hier.


Das Stadtprojekt Courage wird gefördert durch die Friedel & Giesela Bohnenkamp Stiftung.


Die Vorstellung dauert ca. 2 Stunden, keine Pause.
Fotos: Marek Kruszewski


30 Minuten vor jeder Vorstellung findet eine Einführung im Oberen Foyer statt.

TERMINE & KARTEN

29.05.2018

Di. | 19:30 Uhr

22.06.2018

Fr. | 19:30 Uhr

BESETZUNG

Inszenierung Schirin Khodadadian
Bühne Carolin Mittler
Kostüme Charlotte Sonja Willi
Musikalische Leitung Michael Barfuß
Dramaturgie Sven Kleine

Mutter Courage Monika Vivell
Eine Andere / Feldwebel / Feldhauptmann / Schreiber / Bäuerin Christina Dom
Feldprediger / Bauer Thomas Kienast
Koch  Julius Janosch Schulte
Eilif / Junger Soldat / Fähnrich - Soldat  Valentin Klos
Schweizerkas / Älterer Soldat / Soldat / Junger Bauer  Niklas Bruhn
Die Stumme Kattrin  Marie Bauer
Yvette Porttier  Elaine Cameron
Obrist Klaus Fischer
Werber / Kapaun / Der mit der Binde / Soldat / Schreiber  Ahmad Kiki
Drei Musiker Michael Barfuß, Mischa Vernov, Falk Zimmermann

PRESSESTIMMEN

„Bühne (Carolin Mittler) und Kostüme (Charlotte Sonja Willi) haben fantastisch eine zeitlose Maschinerie vor Augen geführt, in der für Menschen nichts von Bestand zu gewinnen, nur Spielraum zu verlieren ist. Und die kluge Inszenierung von Schirin Khodadadian hat gezeigt: So beklemmend aktuell kann Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ von 1938/39 immer noch sein. […] Wie schon für „Bernarda Albas Haus“ haben mit Mittler, Willi und Khodadadian drei Frauen gemeinsam symbolstarke Bilder geschaffen.“ – Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 19.2.2018

"Die zweistündige Inszenierung lebt vor allem von einem beeindruckenden Bühnenbild, das geradezu einmalig zugleich Schlichtheit und Symbolkraft ausstrahlt, und einer Mutter Courage, die ihrem Namen alle Ehre macht. [...] Monika Vivell sticht als Mutter Courage hervor und zeigt zwei Stunden lang herausragende Bühnenpräsenz und dass die Marketenderin durch und durch für Charakterstärke steht." – Sina-Christin Wilk, www.kultura-extra.de, 22.2.2018

"Ganz toll – die Musik! 1943 hatte Brecht im amerikanischen Exil Paul Dessau kennen gelernt. Brecht trug Dessau 1946 Lieder aus der Mutter Courage vor, und dieser vertonte sie „in engster Zusammenarbeit mit Brecht“. Das Osnabrücker Trio am Bühnenrand im direkten Kontakt mit den deklamierenden Figuren nimmt heutige Hörgewohnheiten auf, fasst unter der Leitung von Michael Barfuß, der mit Mischa Vernov und Falk Zimmermann musiziert, Instrumentation und Klanggewebe des Arrangements neu , ohne vom Original Dessaus abzuweichen. Verfremdungen, sphärische Verzerrungen, Metrik, Rhythmik, ungewöhnlichen Harmonik – perfekt." – Werner Hülsmann, Osnabrücker Nachrichten, 21.3.2018

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