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4.48 PSYCHOSE

Sarah Kane

Deutsch von Durs Grünbein

Wenige Minuten vor fünf Uhr morgens – der Moment kurz nach dem Erwachen, wenn die Welt, in klinisch weißes Neonlicht getaucht, merkwürdig klar vor einem liegt, aber ein tiefer, düsterer Traum noch immer nachschwingt. Hier spielt sich das gesamte Leben im Zeitraffer ab, Vergangenheit und Zukunft schrumpfen auf diesen Punkt, der immer mehr an Bedeutungsmasse
gewinnt, bis er unter seinem eigenen Gewicht zu kollabieren droht. Solche Augenblicke gehören zum Alltag von Patient*innen mit Depressionen, denn eine solche Diagnose bildet das dunkle Herz des Stücks. Zersplitterte Wahrnehmung, Hassliebe für den Arzt als einzige Bezugsperson, die einem noch bleibt, lange Listen von Medikamenten, die Besserung versprechen und doch dem Leiden nur neue Dimensionen hinzufügen – all das wird in eine Sprache voller Zacken und scharfer Kanten, aber auch voll von herrlich sardonischem Humor gebannt. Ein Entkommen gibt es nicht, denn „das Huhn tanzt noch immer, das Huhn hört nicht auf “.


Sarah Kane (1971–1999) gehört zu den bekanntesten modernen britischen Autorinnen. Sie steht gerade in Deutschland für eine ganze Generation von kompromisslosen, experimentierfreudigen und provokanten Dramatiker*innen aus Großbritannien, die auch ihre deutschen Zeitgenoss*innen nachhaltig beeinflusst haben.


Regisseur Jan Friedrich studierte zeitgenössische Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Er arbeitet als freier Autor, Dramaturg, Schauspieler, Kameramann und Regisseur. Sein Stück SZENEN DER FREIHEIT erlebte seine Uraufführung am Deutschen Theater Berlin im Rahmen der Autorentheatertage 2015. Friedrich inszeniert u. a. am Jungen Nationaltheater Mannheim und am Jungen Schauspiel Düsseldorf. 4.48 PSYCHOSE ist seine erste Arbeit am Theater Osnabrück.


Fotos: Uwe Lewandowski

TERMINE & KARTEN

24.06.2018

So. | 19:30 Uhr

27.06.2018

Mi. | 19:30 Uhr

29.06.2018

Fr. | 19:30 Uhr

30.06.2018

Sa. | 19:30 Uhr

BESETZUNG

Inszenierung, Musik Jan Friedrich
Bühne, Kostüme Alexandre Corazzola
Mitarbeit Musik Felix Rösch
Dramaturgie Marie Senf

Mit Christina Dom, Stefan Haschke

PRESSESTIMMEN

„Kurz von Spielzeitende gelingt dem Theater Osnabrück mit Sarah Kanes Menschheitsparabel „4.48 Psychose“ eine grandiose Seelenschau […]. Sarah Kane […] hat eine gedanklich ultraharte, sprachlich extrem verdichtete Menschheitsparabel geschrieben […] Und Jan Friedrich, der junge Regisseur, wird ihr so kühn, so schonungslos, so symbolistisch gerecht, dass es dir den Atem nimmt. Stefan Haschke, sein Protagonist, geht bis an seine Grenzen: […] Eine grandiose Schauspielleistung.“ Harff-Peter Schönherr, taz, 12.6.2018

„Haschke hat die Kraft, nicht nur die unsägliche Qual überzeugend zu spielen, sondern auch Kanes fragmentierte Textpassagen nachvollziehbarer zu machen. Wie dieser Schauspieler unter Hochdruck fehlerfrei Kanes pointierte Satzketten glühenden Selbsthasses und verstandeskalter Verachtung ausstößt, ist atemberaubend. […] Christina Dom imponiert als unerschütterlich starkes, ruhiges Bollwerk in der Brandung der Hasstiraden, hält ihnen stabilierende Botschaften, Hoffnung auf Heilung entgegen. Die beiden Schauspieler erzeugen ein extremes Spannungsfeld auf der Bühne, das der Wirklichkeit vieler Therapiesituationen nahekommt. [...] Dieser Abend geht tief unter die Haut.“ Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 12.6.2018

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