Sie sind hier: Spielplan

VERBRENNUNGEN

Wajdi Mouawad

Deutsch von Uli Menke


Eine banale Testamentseröffnung ist der Auftakt dieser wahnwitzigen Geschichte. Mutter Nawal hat ihre Erbschaft mit einem schrulligen Auftrag verknüpft. Widerwillig nehmen ihre Zwillingskinder Jeanne und Simon die testamentarische Verfügung entgegen, sich auf die Suche nach ihrem (tot geglaubten) Vater und einem weiteren Bruder zu machen (von dessen Existenz beide bisher nichts wussten) und jeweils einen Brief zu überbringen. Das Unterfangen erweist sich als schwierig, da Nawal vor Jahrzehnten schwer traumatisiert vor dem Libanonkrieg nach Kanada geflohen war. Die nun beginnende Reise der beiden wird immer mehr zu einer existenziellen Suche nach den Ursprüngen einer durch Gewalt, Vertreibung und Exil zerrissenen Familie. Sie gleicht dem Hinabsteigen in einem dunklen Schacht in die verborgene Geschichte von Einzelschicksalen und kollektiven Traumata. Mit der Wucht antiker Tragik, die an Sophokles᾽ KÖNIG ÖDIPUS denken lässt, offenbart sich den beiden ein Alptraum als Wurzel ihres Seins und ihrer Herkunft. Das im In- und Ausland oft gespielte Gegenwartsstück hat (leider) seit seinem Erscheinen 2003 nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Ganz im Gegenteil! Die politischen Erdbeben in der arabischen Welt fügten ihm eine neue Dimension hinzu. Kaum ein anderer Gegenwartsdramatiker hat die schicksalhafte Unerbittlichkeit, mit der die Menschen als Spielball der Geschichte herumgeworfen werden, sprachgewaltiger eingefangen als der 1968 im Libanon geborene frankokanadische Autor und Regisseur Wajdi Mouawad. 


Regisseur Christan von Treskow wird zum ersten Mal am Theater Osnabrück inszenieren. Seine bildstarke, körperintensive Regiehandschrift prädestiniert ihn für dieses dunkle Märchen, das sich aus der Schattenseite unserer Wirklichkeit speist.


3. Mai: Nachgespräch mit Prof. Oltmer (IMIS) im Anschluss an die Vorstellung
Gemeinsam mit Prof. Jochen Oltmer vom Institut für Migrationsforschung in Osnabrück diskutiert Jens Peters anhand des in VERBRENNUNGEN erzählten Schicksals Flucht und Vertreibung im Nahen Osten in Geschichte und Gegenwart.


23. Mai: Nachgespräch mit der Remarque-Gesellschaft und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft Osnabrück im Anschluss an die Vorstellung
In Kooperation mit der Remarque-Gesellschaft und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft Osnabrück veranstaltet das Theater Osnabrück ein Nachgespräch, das sich besonders auf die circa 400.000 palästinensischen Geflüchteten im Libanon fokussiert, die dort seit den 1940er Jahren in Flüchtlingslagern leben.


VERBRENNUNGEN wird begleitet durch das theaterpädagogische Projekt CrossCheck.


Das Rahmenprogramm von VERBRENNUNGEN wird gefördert durch die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung, von der Klosterkammer Hannover und der Herrenteichslaischaft.


Die Vorstellung dauert ca. 2 Stunden und 30 Minuten, eine Pause. 


An den folgenden Terminen findet 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine Einführung im Oberen Foyer statt: 24. April, 3. + 23. Mai


Fotos: Kerstin Schomburg

TERMINE & KARTEN

03.05.2019

Fr. | 19:30 Uhr

05.05.2019

So. | 15:00 Uhr

23.05.2019

Do. | 19:30 Uhr

BESETZUNG

Inszenierung Christian von Treskow
Bühne Sandra Linde
Kostüme Dorien Thomsen
Musik M. Hussein Al-Dabash
Dramaturgie Jens Peters


Simon Philippe Thelen
Nawal (jung) Denise Matthey
Hermile, Arzt, Soldat 1 Andreas Möckel
Antoine, Chamseddine, Abdessamad, Hausmeister Ronald Funke
Jeanne Katharina Kessler
Nawal (alt), Jihane 
Christina Dom
Nazira, Fremdenführerin, Die Alte
Cornelia Kempers
Sawda, Die Frau (Fotografin) Juliane Böttger
Nihad, Wahab, Soldat 2 Julius Janosch Schulte

PRESSESTIMMEN

„Inszenierung um Krieg, Gewalt, familiäres Leid und wie man die Kette aus Hass durchbrechen kann, spannend bis zum letzten Moment. Sandra Lindes durchdachtes Bühnenbild begeisterte Premierenbesucher in der so eindringlichen wie ausgefeilten Inszenierung von Gastregisseur Christian von Treskow. […] [Die Zuschauer erleben] ein eindringlich spielendes Ensemble und die vielsagenden Kostüme von Dorien Thomsen in situativ und altersmäßig passenden Grautönen. […] Eine Klangkulisse aus Triumphgejohle und Schmerzens- und Schreckensgeheul, wie sie nur der Krieg hervorbringen kann, legt [M. Hussein Al-Dabash] über die bleigraue Szene. […] Dieses kluge Stück und ein sehenswerter Theaterabend [richten sich] spürbar an Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen.“ – Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 24.2.2019

„Großartige Inszenierung, Emotionen und schauspielerisches Feingefühl […] Herausragend. Fesselnd. Nachwirkend. Wenn man über große Theaterabende dieser Spielzeit spricht, führt sicher kein Weg an ‚Verbrennungen‘ vorbei. […] Die einfühlsame, wort- wie bildgewaltige Inszenierung von Christian von Treskow ging unter die Haut. Da wurde man soghaft aus den ‚Tagesthemen‘ in die Poesie und Kraft des Theaters gezogen. […] Ein Lob dem Ensemble! Großartig, wie sich die jungen Darsteller in den Blickpunkt spielen. […] ‚Verbrennungen‘ in dieser kraftvollen Osnabrücker Inszenierung setzt ein Zeichen. […] Unbedingt anschauen!“ – Werner Hülsmann, Osnabrücker Nachrichten, 27.2.2019

„Das Bühnenbild von Sandra Linde, der Weltenerfinderin, ist perfekt. […] Großartig ist das. Eine alptraumdüstere, graustrenge Szenerie, die kluge Symbolakzente setzt, minimalistisch, abstrahierend.“ – Harff-Peter Schönherr, Stadtblatt, April 2019

LUST AUF THEATER?

FOLGEN SIE UNS!