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AM KÖNIGSWEG

Elfriede Jelinek

Er wurde gewählt, um die Abgehängten wieder anzuhängen, er hat den Stimmlosen ein Stimmlos verkauft, um ihnen wieder eine Stimme zu geben, leider nur eine einzige,  nämlich seine. Er ist der Blinde unter den Blinden, von sich selbst geblendet, vom Glanz seiner Immobilien, Golfplätze und Casinos. Blind auch das Volk, das ihn gewählt hat, blind darauf vertrauend, vom Joch der Arbeitslosigkeit und Kreditschulden befreit zu werden. Blind auch die Intellektuellen, die den Sieg des Königs weder vorausgesehen noch verhindert haben und jetzt feststellen müssen, dass ihnen noch nie jemand zugehört hat: „Wer sind wir denn? Wer sind wir denn, dass wir sprechen? Das ist vorbei.“ In einer furiosen Wutrede, die nichts und niemanden ausspart,  entwirft Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek das Bild eines politisch-finanzwirtschaftlichen Komplexes, der durch und durch marode ist, eines Diskurses, in dem alles wahr und falsch zugleich, also nur noch beliebig ist. Eine künstlerische Antwort auf das Phänomen Trump, die sich nicht in moralischer Überlegenheit und Selbstgewissheit gefällt, sondern die Frage nach der (Un-)Möglichkeit von Wahrhaftigkeit und Hellsichtigkeit in einer Welt der Sprachspiele thematisiert. Gibt es überhaupt eine Antwort auf Hass, Wut und Gewalt? Im Referenzrahmen zwischen antiken Mythen, Shakespeare’schen Königsdramen und dem Rauschen von Twitter erweist sich der Königsweg als Scheideweg – oder als Holzweg. „Kein Haus mehr, kein Schutz mehr, keine Wahrheit.“ 


AM KÖNIGSWEG wurde seit seiner Uraufführung mit dem Publikumspreis des Mülheimer Dramatikerpreises ausgezeichnet und zum Berliner Theatertreffen geladen. Erst kürzlich erhielt Jelinek den Faust, der als der bedeutendste Theaterpreis in Deutschland gilt.


Regie führt Felicitas Braun, die sich nach ihren Inszenierungen von LUCAS AND TIME und Sybille Bergs UND DANN KAM MIRNA zum dritten Mal für das Theater Osnabrück eines brennend zeitgenössischen Stoffes annimmt.


Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde, 40 Minuten  keine Pause.


Fotos: Uwe Lewandowski

TERMINE & KARTEN

26.09.2018

Mi. | 19:30 Uhr

04.10.2018

Do. | 19:30 Uhr

27.10.2018

Sa. | 19:30 Uhr

24.11.2018

Sa. | 19:30 Uhr

BESETZUNG

PRESSESTIMMEN

„Ein skurril überspitzter, ebenso bitterernster wie hochkomischer Abend […], gut anderthalb Stunden voller hellsichtiger Klugheit und abgedrehter Schauwerte. […] Wild ist das, seltsam, mutig. Die Spielzeit ist erst ein paar Tage alt. Aber es wird schwer sein, in ihr Timo von Kriegsteins ‚Königsweg‘-Bühnenbild zu toppen, Aleksandra Kicas Kostüme.“ – Harff-Peter Schönherr, taz, 4.9.2018

„Felicitas Braun inszeniert in der dramaturgisch feinnervig eingedampften, aber porentief zugespitzten, intelligenten Osnabrücker 90-Minuten-Version eine vor Ideen übersprudelnde Muppet-Show, die den Populisten und Claqueren dieser Welt hochtourig die Fratze zeigt. Hinreißendes Ensemble, mehrdimensionales Bühnenbild (Timo von Kriegstein), ebenso fantasiereiche Kostüme (Aleksandra Kica) – wer diesen grandiosen Abend erlebt, wird bestätigen: Die Spielzeit ist noch taufrisch, aber das ist und bleibt ganz sicher ein Meilenstein! […] Klare Ansage: ‚Am Königsweg‘ veredelt den Spielplan und sollte ganz, ganz lange zu sehen sein!“ – Werner Hülsmann, Osnabrücker Nachrichten, 9.9.18

„Die Osnabrücker Fassung, die sich das Regieteam um Felicitas Braun erarbeitet hat, strotzt wie der Text vor temporeicher Verspieltheit beim Ausstoß schmerzlicher Erkenntnisse. […]Die vier einander in Spielpower und Textbeherrschung staunenswert ebenbürtigen Schauspieler Christina Dom, Stefan Haschke, Katharina Kessler als Neue im Ensemble und Monika Vivell jallern gekonnt mit Jelinek. […] Da haben wir nun den Salat – und einen hinreißenden Theaterabend dazu, der, um es mit Jelinek und ihr zum Trost zu sagen, ‚das Denken anspornt‘.“ Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 3.9.2018

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