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VERFEMT UND VERGESSEN

Berthold Goldschmidt Passacaglia op. 4
Nikolaj Roslawez In den Stunden des Neumonds. Symphonische Dichtung für Orchester
Gustav Mahler Sinfonie Nr. 1 D-Dur


Auch wenn die Kooperation mit dem geplanten Festival „Unerhörte Schätze – europäisches Festival vergessener Musik“ sich nicht realisieren ließ, bleibt das 1. Sinfoniekonzert dennoch ganz im Zeichen der Auseinandersetzung mit vergessenen und verfemten Komponisten.


Berthold Goldschmidt musste 1935 seine Heimat verlassen und emigrierte nach England. Seine Passacaglia für Orchester entstand 1925 und wurde von Erich Kleiber, dessen Assistent Goldschmidt war, uraufgeführt. Gustav Mahler selbst musste die Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr erleben. Doch gehörten die Werke des aus einem jüdischen Elternhaus stammenden Hofoperndirektors auch zu den verfemten Werken während des Dritten Reiches. Zunächst als sinfonische Dichtung angelegt, zwischenzeitlich mit dem Titel Titan überschrieben und mit programmatischen Überschriften versehen, durchlief das Werk eine ganze Reihe von Zwischenstadien, bis es schließlich 1899, zehn Jahre nach seiner Uraufführung, im Druck seine heute bekannte Form erhielt.


Zwischen diesen beiden Werken erklingt die Sinfonische Dichtung In den Stunden des Neumonds des russischen Komponisten Nikolaj Roslawez. In den 20er Jahren war Roslawez noch ein angesehener Professor in Charkow, doch zu Beginn der 30er Jahre wurde er mit Berufsverbot belegt, da sein Kompositionsstil der Kulturideologie der KPdSU missfiel. Der Bann, mit dem Roslawez‘ Werk belegt wurde, hielt weit über seinen Tod im Jahre 1944 hinaus an. Noch in den 80er Jahren wurde Marina Lobanova, die sich an die Rekonstruktion von In den Stunden des Neumonds machte, massiv in ihrer Arbeit behindert und die für 1989 in Russland geplante Uraufführung sabotiert. Als die Uraufführung der Rekonstruktion 1990 in Saarbrücken stattfand, wurde Lobanova die Ausreise verwehrt.

Einführungen finden am Sonntag um 10.45 Uhr im Europasaal und am Montag um 19.15 Uhr im Tagungsraum statt.

BESETZUNG

Dirigent Andreas Hotz

PRESSESTIMMEN

„Die erste Sinfonie von Gustav Mahler ist ohnehin ein formvollendetes Werk, das das Osnabrücker Symphonieorchester unter seinem Chefdirigenten in einer wirklich packenden Version darbietet: Zauberhafte Idyllen zeichnen Orchester und Dirigent nach, derbe Folklore klingt an, heitere Klezmermusik, viel Witz. Aber auch Katastrophen kündigen sich an, wenn auch noch nicht mit der Wucht der späteren Mahlersinfonien. Diesmal endet alles im hellen Lichterglanz, und das passt ja auch zum gesellschaftspolitischen Anlass dieses Tages: Am Ende triumphiert die Musik. Gut gemacht.“ – Ralf Döring, Neue Osnabrücker Zeitung, 21.10.2018

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