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DIE NACHT VON LISSABON

Erich Maria Remarque

Da stehen sie, die Flüchtlinge, am Rand des Wassers und hoffen verzweifelt, noch auf eines der Schiffe zu kommen, die sie in Sicherheit bringen sollen. Zeit und Ort der Handlung sind aber nicht heute irgendwo in Afrika, sondern 1942 im Hafen von Lissabon. Zum 50. Todestag von Remarque zeigt die Inszenierung von Dominique Schnizer, wie aktuell dieser Bericht eines Geflüchteten tragischer Weise auch heute noch ist. Die Hauptfigur, ein Mann namens Schwarz, spricht uns direkt an und will einen Handel mit uns eingehen, wenn wir nur eine Nacht lang seiner Lebensgeschichte zuhören. Dass seine Erinnerungen an die Flucht aus Osnabrück komplex und emotional sind, zeigt auch eine eigenständige Bildebene in den Videoprojektionen, mit denen die Inszenierung arbeitet und zu der sich Schwarz immer wieder in Verbindung setzt. Geschichte und Gegenwart fangen so an, zueinander zu sprechen. Und wir, die wir zu Zeugen von Schwarz‘ Erzählung werden, müssen uns am Ende fragen, wie nun wir mit der Verantwortung dieser Erinnerung umgehen.


Schauspieldirektor Dominique Schnizer reizt an Remarques vorletztem Roman (erschienen 1962) der Kontrast zwischen dem Lokalkolorit Osnabrücks, den man hier als vertraute Atmosphäre voraussetzen kann, und dem teils morbiden Charme Lissabons, einer Stadt am Rande Europas, in deren Architektur auch heute noch eine grandiose Vergangenheit und eine unsichere Zukunft eingeschrieben sind. Dieses Spannungsfeld zwischen Heimat und Fremde ist der eigentliche Schauplatz einer Erzählung über das menschliche Geworfensein inmitten einer unerbittlichen Welt.


Dauer: 1 Stunde, 20 Minuten – keine Pause.


Fotos: Uwe Lewandowski


TERMINE & KARTEN

16.10.2020

Fr. | 19:30 Uhr

17.10.2020

Sa. | 19:30 Uhr

18.10.2020

So. | 19:30 Uhr

VIDEO

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AUDIO

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BESETZUNG

Inszenierung Dominique Schnizer
Bühne, Kostüme Christin Treunert
Film, Video Christoph Otto
Dramaturgie Jens Peters

Joseph Schwarz Thomas Kienast

IM VIDEO
Helen, seine Frau Monika Vivell
Georg, Helens Bruder Mick Riesbeck
Beamter im Lager Philippe Thelen
Arzt im Lager Klaus Fischer

STIMMEN
Doktor Martens Ronald Funke
Frau im Lager Christina Dom

PRESSESTIMMEN

„Thomas Kienast legt seine Rolle an zwischen Verzweiflung und Ruhe. Viel Zittern, viel Nervosität bleibt innerlich und dennoch spürbar, vor allem hörbar. […] Der Brückenschlag über verschiedene Zeiten und Zusammenhänge hinweg gelingt Schnizers konzentrierter audiovisuell-schauspielerischer Einrichtung des zeitgebundenen älteren Textes zum Spielzeitauftakt gut. Remarque mit seinem Hang zum Allgemeinen im Konkreten hätte es gefreut.“ – Tim Schomacker, nachtkritik.de, 29.8.2020

„Mit einem ergreifenden wie vorzüglichen Zusammenspiel von Live-Schauspiel und Videotechnik für Erich Maria Remarques Roman ‚Die Nacht von Lissabon‘ hat das Osnabrücker Theater seine Corona-Pause beendet. […] Das Bühnenbild von Christin Treunert funktioniert vorzüglich. […] Virtuos bebildern Videos oft nur für Sekundenbruchteile Stationen der Flucht. […] Thomas Kienast meistert seinen Part souverän, gefühlsstark und oft atemlos vor Angst und Entsetzen und stets mit bestens verständlicher Stimme. Monika Vivell spielt so berührend wie überzeugend eine sehr beherrschte, leise Helen. […] Mit den Videodrehs an Orten unserer Gegenwart, […] wird der Roman freilassend genug bis in unsere Gegenwart aktualisiert.“ – Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 30.8.2020

„Der regieführende Schauspieldirektor Dominique Schnizer hat eine Theaterfassung erarbeitet, die auf die turbulenten äußeren Geschehnisse der erzählten Nacht verzichtet, aber mit den Videos von Christoph Otto einen fesselnden Einblick in das Innenleben eines Flüchtlings erlaubt. […] Thomas Kienast ist ein fesselnder Berichterstatter, dem überzeugend die verschiedensten, auch jäh wechselnden Gemütszustände gelingen, von zynischer Verzweiflung bis zu liebevollen Erinnerungen an die Glücksmomente mit seiner Frau Helen. […] Langanhaltender Beifall.“ – Hanns Butterhof, Westfälische Nachrichten, 2.9.2020

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