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DIE NACHT VON LISSABON

Erich Maria Remarque

Da stehen sie, die Flüchtlinge, am Rand des Wassers und hoffen verzweifelt, noch auf eines der Schiffe zu kommen, die sie in Sicherheit bringen sollen. Zeit und Ort der Handlung sind aber nicht heute irgendwo in Afrika, sondern 1942 im Hafen von Lissabon. Hier wartet ein namenloser deutscher Emigrant, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, auf eine Fahrkarte und ein Visum für die USA – wie so viele seinesgleichen. Seine Lage scheint aussichtslos, bis er auf Josef Schwarz trifft, einen anderen Geflüchteten, der ihm Karte und Visum schenken will, wenn er nur eine Nacht lang seiner Lebensgeschichte zuhört. Der deutsche Emigrant willigt ein und folgt Schwarz in dieser letzten Nacht im alten, dem Untergang geweihten Europa auf eine Reise durch die Bars, Kneipen und Cafés von Lissabon. Schwarz’ Geschichte handelt von Flucht und Vertreibung aus seiner Heimatstadt Osnabrück in die Schweiz, dann nach Paris, Marseille und Spanien bis nach Lissabon. Eine Odyssee, die er ohne seine
Frau Helen nicht überstanden hätte. Doch ein Happy End ist ihnen scheinbar nicht vergönnt: Helen ist seit langem unheilbar an Krebs erkrankt. Ohne sie will Schwarz aber nicht gehen – und so vertraut er die Fahrkarten in eine bessere Welt zusammen mit der Erinnerung an Helen dem einsamen deutschen Emigranten an, den der Zufall ihm vor die Füße geweht hat. 

Schauspieldirektor Dominique Schnizer reizt an Remarques vorletztem Roman (erschienen 1962) der Kontrast zwischen dem Lokalkolorit Osnabrücks, den man hier als vertraute Atmosphäre voraussetzen kann, und dem teils morbiden Charme Lissabons, einer Stadt am Rande Europas, in deren Architektur auch heute noch eine grandiose Vergangenheit und eine unsichere Zukunft eingeschrieben sind. Dieses
Spannungsfeld zwischen Heimat und Fremde ist der eigentliche Schauplatz einer Erzählung über das menschliche Geworfensein inmitten einer unerbittlichen Welt.


DIE NACHT VON LISSABON feiert am 15.3.2020 im emma-theater Premiere.

BESETZUNG

Inszenierung Dominique Schnizer
Bühne, Kostüme Christin Treunert
Dramaturgie Jens Peters

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