Mareike Tengen

SPIELTRIEBE machen TABULA RASA

Mittwoch, 4. September 2019, 14:27 Uhr

Als „Journey of the movement“, eine Reise der Bewegung, betitelt Mauro de Candia, der Choreographie, Bühnenbild und Kostüm von TABULA RASA übernommen hat, das Tanzstück. Unter seiner Führung erzählt die Dance Company des Theaters Osnabrück ohne ein einziges Wort eine ganz eigene Geschichte: Dass Technologien wie Computer, Roboter und komplexe Maschinen sich durch ein Reset auf Werkseinstellung zurückstellen lassen, ist für etwaige technische Störungen wichtig. Auch wenn digitale Abläufe immer reibungsloser ablaufen, muss man manchmal doch zum Ausgangspunkt zurückkehren. Je weiter die Digitalisierung fortschreitet, desto vernetzter und verknüpfter ist ein jeder Mensch mit verschiedenen digitalen Technologien. Was jedoch passiert bei einem systembedingten Reset mit dem Menschen? Ist das Humansystem an das technologisch-digitale gebunden oder gar komplett davon abhängig?

„Im Wesentlichen geht es darum, dass ein jeder Mensch sich selbst konstruiert und löscht“, formuliert Patricia Stöckemann, die Dramaturgin von TABULA RASA, die Kernfrage des Stückes.

Kann ein Mensch oder gar die gesamte Menschheit in den Zustand der tabula rasa gelangen? Diese vielschichtige Thematik versuchen die Tänzer*innen der Dance Company durch ihr Bewegungssystem umzusetzen, begleitet von futuristischen Klängen der Komponistin Mariachiara di Cosimo unter der musikalischen Leitung von Sierd Quarré.

In der Liebfrauenkirche in Eversburg fanden nun die letzten Proben statt – jetzt muss bald alles stimmen. Kurz vor der Generalprobe wird noch an den kleinsten Details gefeilt, wie zum Beispiel an einer Hebefigur im schmalen Gang der Kirche. Die Tänzer*innen nehmen mit ihrer Darstellung die gesamten Räumlichkeiten ein: Vom Orgelboden bis zu den Kirchbänken wird alles genutzt und in die Interpretation eingebunden. Die einzelnen, teils abstrakten Bewegungen des Ensembles fügen sich zu einem faszinierenden Gesamtbild zusammen, dessen Finale im Altarraum der Kirche stattfinden wird.

Nochmals hält Mauro de Candia sein Ensemble dazu an, die innere Gefühlslage durch aussagekräftige Bewegungen und starken Ausdruck nach außen zu transportieren. Sie sollen den Moment spüren und sich selbst und dem Publikum die nötige Zeit lassen, um sich in die Situation einfühlen zu können.

Die Proben einer solchen Inszenierung in den Gemäuern einer Kirche verfolgen zu dürfen, ist schon jetzt für mich zu einem besonderen Moment geworden und gewiss wird es dies auch für das Publikum, das sich mit TABULA RASA auf eine außergewöhnliche Bewegungsreise begibt: auf der Suche nach einem Reset Knopf des Humansystems.

 

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