Patricia Miller

„The limit is not in the sky, it’s in the mind!”

Mittwoch, 5. Juni 2019, 15:07 Uhr

„NYOTAIMORI – schon ein außergewöhn- licher Titel für ein Theaterstück“, dachte ich mir, als ich zum ersten Mal davon hörte und „Was ist das überhaupt?“, war mein zweiter Gedanke. Als ich nach einer Erklärung für den Begriff suchte, stieß ich darauf, dass es sich um eine japanische Praxis handelt, bei der Sushi auf dem nackten Körper einer Frau serviert wird. Was total skurril klingt, wird durch die drei Schauspieler*innen Denise Matthey, Philippe Thelen und Christina Dom auf eine beeindruckende Weise zum Ausdruck gebracht.

In NYOTAIMORI von der franko-kanadischen Autorin Sarah Berthiaume steht die kreative, selbstbestimmte und motivierte Journalistin Maude (Denise Matthey) im Zentrum des Stücks. Bei ihrer Recherche über Berufe der Zukunft stößt sie unter anderem auf Den Kreativen (Philippe Thelen) und die Account Managerin (Christina Dom), durch die sie in eine außergewöhnliche und skurrile Arbeitswelt voller Schicksale gezogen wird. Für die Inszenierung des Stücks ist Anna Werner zuständig, die bereits am Theater Osnabrück und am Schauspielhaus Hamburg gearbeitet hat.

Am Mittwoch, dem 5.6.2019, durfte ich die Probe des Theaterstücks, welche von 10.30-14 Uhr stattfand, besuchen. Der Ort der Probe, an dem das Stück letztendlich auch aufgeführt wird, ist das Erdgeschoss des Lauten Speichers. Weil ich zuvor von dem Ort noch nichts gehört habe, war ich umso gespannter, wie es dort aussehen würde, schließlich ist man meist nur klassische Theaterbühnen als Ort von Aufführungen gewöhnt. Als ich zum Lauten Speicher kam, war ich zunächst etwas kritisch. Der Laute Speicher, umgeben von Baustellen, als Ort einer Theaterinszenierung?

Der große Raum mit Lagerhallen-Flair stellte sich jedoch bei der Probe als sehr praktisch dar. Das Erdgeschoss des Lauten Speichers bot genug Platz für die Umsetzung der kreativen Einfälle des Theater-Teams. „Ich finde diesen Ort genau richtig, denn er bietet viel mehr Freiraum und ist nicht so beklemmend“, hieß es von Christina Dom. Auch ich bin der Meinung, dass gerade ein so außergewöhnlicher Ort sehr inspirierend sein kann, da es von der konventionellen Form des Theaters abweicht oder – kurz formuliert –  mal „etwas Anderes“ für Schauspieler*innen und Zuschauer*innen ist. So wird der Laute Speicher zu einem Ort, an dem Ideen gesammelt und Anregungen von allen Beteiligten zu einem Ganzen vereint werden.

Die japanische Praxis Nyotaimori ist die extreme Version der Verbindung von Essen und Sinnlichkeit, welche im Theaterstück mit einem Touch von Absurdität und Witz verbunden wird und die Zuschauer*innen an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln bringen könnte.

Ein Spruch, den Der Kreative erwähnt, bleibt in meinem Kopf: „The limit is not in the sky, it’s in the mind!“ Damit meint er, dass man als Mensch so frei sein kann, wie man möchte. Die einzige Beschränkung stellt seiner Ansicht nach unsere Fantasie dar.

Ja, NYOTAIMORI ist zwar ein außergewöhnlicher Titel für ein Theaterstück, doch so merkwürdig wie er klingen mag, so ist auch der Inhalt des Stückes. Darin lässt sich auch deutlich die Parallele zwischen Titel und Inhalt erkennen, denn sie reflektieren beide absurde Arbeitsbedingungen in einer dekadenten Gesellschaft. NYOTAIMORI ist trotz seiner Einzigartigkeit ein Stück für jedermann, bei dem mit den Figuren mitgefühlt werden kann. Das Ergebnis der Inszenierung kann beim achten Osnabrücker SPIELTRIEBE-Festival angesehen werden.

 

 

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