Alica Horstmann

Theater ist mehr!

Mittwoch, 12. Juni 2019, 15:23

Theater. Was assoziieren Sie mit diesem Begriff, wenn Sie noch nicht viele Theatererfahrungen gesammelt haben? Wahrscheinlich das Gleiche wie ich, bevor ich heute Morgen das Theater betrat: Schauspieler*innen, die auf der Bühne stehen und dem Publikum ein Stück vorführen. Was alles dazu gehört, bevor ein Stück an einem bestimmten Tag Premiere feiert – daran habe ich, ehrlich gesagt, nie gedacht. Umso dankbarer bin ich, dass ich den Festivalassistenten Moritz Tullney heute für einen Tag begleiten durfte. Er wurde für das Festival SPIELTRIEBE beim Theater Osnabrück angestellt und ist die Schnittstelle zwischen der Technik und der Kunst.

Unser Tag beginnt damit, zu einem abseits gelegenen Hof zu fahren. Hier befinden sich zum einen die Lagerräume der Abteilungen Technik, Beleuchtung, Ton, Requisite und Schneiderei. Zum anderen findet man hier die Werkstätten, in denen gearbeitet und produziert wird. Dazu gehören die Tischlerei, der Malersaal, die Polsterei und die Schlosserei. Bei den Werkstätten treffen wir auf verschiedene Ausstatter*innen und Regisseur*innen, die in dem großen Möbelfundus nach Möbeln für ihre Stücke suchen. Neben dem Möbelfundus gibt es z.B. auch noch einen extra Lampen- und Sofafundus. Dass das Theater Osnabrück über ein so großes Lager mit Requisiten und Kostümen verfügt, erleichtert die Arbeit für alle enorm. So gucken die Ausstatter*innen vor Ort, welche Requisiten sich für das jeweilige Stück am besten eignen. Falls etwas mal nicht vorrätig sein sollte, wird dies in den Werkstätten individuell hergestellt. Nur in den seltensten Fällen, z.B. bei Zeitmangel, vergibt man Arbeiten extern. Alle Mitarbeiter*innen der Werkstätten sind fest am Theater angestellt und professionell ausgebildet. Lediglich die Ausstatter*innen kommen von außen und werden von der Regie mitgebracht. Ihnen werden beim Theater angestellte Ausstattungsassistent*innen zur Seite gestellt. Es kann auch vorkommen, dass Ausstatter*innen mehrere Male für das SPIELTRIEBE-Festival arbeiten. Mit der Zeit werde man realistischer, was bestimmte Vorstellungen der Regisseure angeht, verrät mir eine Ausstatterin. Trotzdem dürfe man sich die Ideen nicht nehmen lassen. Inspirationen finde sie z.B. auf Pinterest.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei einer Spielstätte, um Requisiten abzuliefern und einer kleinen Pause geht es zur nächsten Spielstätte, weil dort die Übergabe mit dem Vermieter ansteht. Hier wird mir noch deutlicher, was alles hinter den Kulissen passiert. Es wird nicht nur über die geplante Nutzung der zur Verfügung stehenden Flächen gesprochen, sondern auch über die Sicherheit vor Ort und rechtliche Dinge, wie Haftungsbeschränkungen.

Besonders beeindrucken mich die Spontanität und Flexibilität, mit der die an einer Produktion beteiligten Personen ihrer Arbeit nachgehen.

Am Anfang der Planung gibt es eine Konzeptvorstellung. Zu dieser erfolgt dann eine erste Rückmeldung, was davon finanziell und technisch möglich ist. Dieser Entwurf stimmt nicht immer mit dem Endergebnis überein. Oft ändert sich im kreativen Prozess der Proben das Bühnenbild. Gründe dafür sind z.B., dass manche Requisiten kaputt sind, bereits von anderen Produktionen genutzt werden oder auf der Bühne anders aussehen, als in der Vorstellung. Da die Spielorte zuerst ausgesucht werden, müssen Regie und Ausstattung auf diese zuarbeiten. Auch hier ist es möglich, dass bestimmte Konzeptvorstellungen nicht realisierbar sind und man das Bühnenbild der Spielstätte anpassen muss. Dass bestimmte Räumlichkeiten zum Teil nur begrenzte Flächen zum Spielen bieten, kann aber auch von Vorteil sein, da man sich so von den Räumen inspirieren lassen kann und Möglichkeiten hat, die man sonst im Theater nicht hat.

Ich habe heute höchst anschaulich gelernt, dass der Weg von der Planung einer Produktion bis hin zu der Premiere kein einfacher ist, weil er eine Zusammenarbeit von vielen unterschiedlichen Abteilungen und Menschen voraussetzt und man dadurch viel auf andere angewiesen ist. Ich werde in Zukunft mit einem anderen Blick und noch mehr Respekt für die Beteiligten ins Theater gehen.

 

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