Orélia Ponti

Einen Ort wieder lebendig machen

Freitag, 14. Juni 2019, 21:27 Uhr

A CLOCKWORK ORANGE – diese Aufführung beim Festival SPIELTRIEBE basiert auf dem bekannten und auch schon wiederholt inszenierten Roman von Anthony Burgess, der 1962 veröffentlicht wurde. Die Geschichte des gewalttätigen Jungen Alex gehört zur blauen Route SÜSSE TÄUSCHUNGEN des Festivals und wird an einem außergewöhnlichen Ort gezeigt ... Als ich von dem Treffpunkt erfuhr, der Sportarena am Neumarkt, wusste ich überhaupt nicht, wo das ist. Dieser Ort hat mich aber gerade deswegen von Anfang an neugierig gemacht. Als ich dort ankam, wurde ich nicht enttäuscht! Das ehemalige Kaufhaus für Sportartikel steht seit mehreren Monaten leer, alte Schaufensterpuppen stehen oder liegen an vielen Ecken des Ladens, wodurch eine einzigartige Atmosphäre entsteht. Die Schauspieler*innen haben zwei Stockwerke zu Verfügung, um ihre Kreativität auszudrücken. An einem Ort wie der Sportarena bieten sich unendliche Möglichkeiten! In unserem Gespräch habe ich zum Beispiel erfahren, dass die Zuschauer*innen sich zusammen mit den Schauspieler*innen durch zwei Stockwerke bewegen werden.

Der Ort ist also schon beeindruckend, aber das Theaterensemble, zusammengesetzt aus 17 jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren, die aus den sechs Amateurtheatergruppen vom Theater Osnabrück kommen, ist einzigartig. Der Projektjugendclub wird mit den anderen Projekten des Festivals gleich gestellt, was laut Simon Niemann einem der beiden Regisseure, eine große Chance für die Schauspieler*innen ist, da sie nun unter professionellen Bedingungen arbeiten. Die 17 Darsteller*innen werden von einen Team begleitet: Die Inszenierung übernehmen Sophia Grüdelbach und Simon Niemann, die Ausstattung verantwortet Laura Jung und die Dramaturgie Theresa Sophie Leopold. Es ist für die Schauspieler*innen ein sehr anspruchsvolles Projekt, da die erste Probenphase drei Proben unter der Woche und Probenwochenenden enthält und sie teilweise noch Schüler*innen oder Studenten*innen sind. Aber wenn Motivation und  Begeisterung da sind, macht es einfach Spaß, sich für so ein Projekt anzustrengen. Das habe ich direkt am Anfang der Probe bemerkt: Die Stimmung und die Energie dieses Theaterensembles ist beeindruckend. 

Ich hatte die Gelegenheit, mit den Schauspieler*innen reden zu können. Dabei wurde die Freude mehr als deutlich, die sie haben, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen!

Während des Probenbesuchs hatten die Schauspieler*innen Zeit, um in kleineren Gruppen zu arbeiten. Sie haben sich mit verschiedenen Szenen beschäftigt und dafür eine Inszenierungsidee entwickelt. Danach hat jede Gruppe ihre Idee vorgestellt. Es war spannend zu sehen, wie die Gruppen sich den Raum angeeignet haben und wie sie ihn genutzt haben. Zum Beispiel haben zwei Gruppen die Wände genutzt, die die Schaufenster vom Hauptraum abtrennen, damit man die Schauspieler*innen hören aber nicht sehen konnte. Ich konnte so einen kurzen Überblick bekommen, wie sich das Stück A CLOCKWORK ORANGE weiterentwickeln könnte. Gemeinsam war den vier Gruppen dabei, dass die Schauspieler*innen die Schaufensterpuppen fast immer einbezogen haben. Diese Puppen haben es zum Beispiel den Darsteller*innen erlaubt, Gewaltszenen stellvertretend an ihnen auszuspielen. Dabei bleiben Schaufensterpuppen natürlich Darstellungen von Menschen, die uns so ermöglichen, uns zu fragen,  was uns eigentlich zu Menschen macht – insbesondere zu einem guten Menschen, einer der Hauptfragen des Stücks. Die Schauspieler*innen haben auch mit ihren Stimmen und der Akustik des Raums gespielt. A CLOCKWORK ORANGE wird so wie ein Puzzle zusammengesetzt, das zwischen Stück, Raum und Schauspieler*innen entsteht. Man kann gespannt sein, wie das finales Bild aussehen wird. Was sicher ist, ist dass diese Gruppe von begeisterten Menschen große Lust dazu hat, diesen Ort wieder lebendig zu machen.

 

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