Fatma-Nur Esgi

„Ehefrau trägt Klon ihres Ehemannes aus!“

Samstag, 29.6.2019, 13:47 Uhr

Diese Schlagzeile können Sie vielleicht schon morgen lesen. Durch die Weiterentwicklung der Klonforschung ist es möglich, auch Menschen zu klonen. Doch ist das ethisch vertretbar und wie weit darf die Wissenschaft gehen? Mit diesen Fragen wird das Publikum in der Oper DAS EBENBILD konfrontiert. 

Die Oper handelt von einem ägyptischen Ehepaar, das mit einem schweren Schicksal zu kämpfen hat. Der Ehemann ist todkrank, so dass die Ehefrau ihn durch das Klonverfahren nach seinem Tod erhalten möchte. Aus diesem Grund geht sie heimlich zum Arzt Dr. Javos, der nach dem konkreten Vorbild, dem Arzt Dr. Zavos, gestaltet wurde, der laut eigenen Angaben 2009 vierzehn Embryonen geklont haben soll. Mit einer Haarsträhne wird der Arzt in der Oper einen Embryo mit der gleichen DNA entstehen lassen und diesen bei der Ehefrau Amina einpflanzen. Am Ende soll sie dann den Klon ihres Ehemanns austragen.

Auch wenn sich diese Idee zunächst absurd anhört, so ist es doch möglich mit dem heutigen wissenschaftlichen Stand Menschen zu klonen. Im Jahr 2017 ist es chinesischen Wissenschaftlern gelungen, Affen zu klonen. Da die DNA von Affen und Menschen sehr ähnlich sei, könne man das Verfahren theoretisch auch auf Menschen anwenden, bestätigt die Molekularbiologin Dr. Meike Hohwieler der Universität Ulm. Sie wurde extra konsultiert, um die Richtigkeit der Handlung zu gewährleisten. Dieser Fakt hat den Regisseur Haitham Assem Tantawy motiviert, sein Musikschauspiel von diesem Thema handeln zu lassen.

Beim Klonverfahren werden die gleichen Gene an den Klon weitergegeben. Aber wer versichert, dass er den gleichen Charakter, die gleichen Vorlieben, Stärken und Schwächen hat? Inwieweit ist das Klonverfahren und somit die angebliche Unsterblichkeit des Menschen mit den ethischen, gesellschaftlichen und religiösen Normen vereinbar und wo sind seine Grenzen? Diese Fragen werden in der Oper aufgeworfen und regen die Zuschauer*innen zum Reflektieren an. Tantawy ist bekannt für die Auseinandersetzung mit interkulturellen und interreligiösen Themen. Auch in dieser Oper wird der Bezug dazu hergestellt und mit Zitaten aus heiligen Schriften und koptischen Psalmen gearbeitet. Sowohl das Alte Testament als auch ein Vers aus dem Koran werden verwendet. Tantawy möchte damit jedoch keine religiöse Diskussion eröffnen, er möchte lediglich die verschiedenen Sichtweisen der Religionen aufzeigen und den Horizont der Zuschauer*innen erweitern.

Für mich war es die erste Oper, die ich besuchen durfte und dann noch in einer Lagerhalle der Firma DUNI. Aus diesem Grund war ich umso gespannter, wie die Umsetzung aussehen würde. Da es sich um eine Probe gehandelt hat, wurde viel mit provisorischem Material gearbeitet. Das Orchester, das bei der Aufführung aus fünfzehn Musikern bestehen wird, wird jetzt nur mit einem Klavier und den Geräuschen des Dirigenten verwirklicht.

Es war sehr interessant mitanzusehen, wie eine Oper erarbeitet wird. In diesem Stück gibt es neben den drei Hauptfiguren auch einen vierköpfigen Chor. Eine der Herausforderungen für die Protagonist*innen ist es, den Text im Raum so zu singen, dass man ihn versteht. Beim Chor kommt die Schwierigkeit des Synchronseins hinzu. Aus diesem Grund wurden kleine Monitore im Raum verteilt, auf denen der Dirigent zu sehen ist, damit der Chor seine Einsätze vom Dirigenten bekommen kann. Der Chor kommentiert das Geschehen und hat bedeutungstragende Passagen in seinen Strophen, da er überwiegend koptische Psalmen oder Zitate aus den heiligen Büchern singt. Durch die koptische Sprache entsteht eine mystische Atmosphäre. Der Chor unterstützt aber auch mit seinen Aktionen. Ein Beispiel hierfür wäre der Gesang des Chores aus dem Alten Testament über den Turmbau zu Babel, während er mit Europaletten und einem Tisch eine Pyramide baut, welche Dr. Javos besteigt. Diese Szene ist eine zentrale Stelle der Oper, da mit dem Turmbau zu Babel die Menschheit versucht hat, Gott gleichzukommen. Auch das Klonen von Menschen kann so verstanden werden, da man mit diesem Verfahren eine Unsterblichkeit anstrebt, wobei diese Eigenschaft nur Gott zugeschrieben wird.

In den Proben habe ich gemerkt, dass der Gesang nicht immer zu verstehen ist, da die Melodie sehr rhythmisch ist und sich das Ohr an die gesungene Sprache gewöhnen muss. Da der Text aber grundlegend für das Verständnis der Handlung ist, muss er an das Publikum vermittelt werden. Im Theater würde man den Text an die Leinwand projizieren. In der Duni-Halle hat man diese Möglichkeit nicht, arbeitet aber an einer kreativen Lösung dieses Problems.

„Die Eigenschaften des Raumes gestalten und nutzen“ ist die Devise, wie Christoph Lang, Dramaturg der Oper, betont.

Ich bin schon sehr auf das Endresultat gespannt, da nicht nur der Inhalt spannend ist, sondern auch die Darstellungsform als Oper einzigartig im Festival SPIELTRIEBE 8 ist. In diesem Stück wird nicht nur mit Gesang als Besonderheit gearbeitet, auch Schatten- und Lichteffekte sind geplant.

 

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