Puristisch, archaisch, avantgardistisch

SACRE

Rekonstruktion des Balletts von Mary Wigman

„Puristisch, archaisch, avantgardistisch: Mary Wigmans 1957 uraufgeführtes Ballett LE SACRE DU PRINTEMPS ist in Osnabrück kongenial rekonstruiert worden“, urteilte die FAZ nach der Premiere im Theater am Domhof im November 2013. Mit der Rekonstruktion dieses Werkes brachte die Dance Company Theater Osnabrück in Koproduktion mit dem Tanztheater Bielefeld 2013 eines der Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts in der Version einer der wegweisenden deutschen Tanzschöpferinnen zurück auf die Bühne und stellte es erneut zur Diskussion.


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„Strawinskys SACRE ist für die Choreografen das, was FAUST II für die Schauspielregisseure ist: ein Brocken, nach dem sich jeder Inszenator verzehrt, an dem sich aber auch jeder die Zähne ausgebissen hat. Die Bühnengeschichte dieser Werke ist eine Geschichte der Niederlagen. Ob man ehrenvoll oder unehrenhaft unterlegen ist, darauf kommt es an“, schrieb der Kritiker Horst Koegler 1957 anlässlich der Premiere von Mary Wigmans SACRE DU PRINTEMPS an der Städtischen Oper Berlin. Ihre szenische Realisierung bewertete Koegler als schlechthin großartig. Dore Hoyer tanzte darin das „Opfer“ und ihre Interpretation war, laut weiterer Kritiker, eine der herausragendsten dieser Rolle.

Im SACRE-Jahr 2013, 100 Jahre nach der Uraufführung des Balletts von Igor Strawinsky, schlossen sich die Tanzensembles des Theaters Osnabrück und des Theaters Bielefeld zusammen, um Wigmans Fassung wieder auf die Bühne zurückzuholen. Von ihrer Choreografie existierten lediglich Skizzen, Fotos, schriftliche Aufzeichnungen sowie das Wissen der damals an dem Werk beteiligten Tänzerinnen. Auf dieser Grundlage rekonstruierten Henrietta Horn (als verantwortliche Choreografin), Susan Barnett und Katharine Sehnert die Choreografie. Unterstützt wurden sie von den ehemaligen Wigman-Schülerinnen und -Tänzerinnen Emma Lew Thomas und Brigitta Herrmann aus den USA.

Mit 29 Tänzer/innen und Akteuren war die Rekonstruktionsfassung in Osnabrück und Bielefeld zu sehen, orientiert an den – im Vergleich zur Berliner Bühne der Uraufführung – kleineren Bühnenmaßen beider Theater. Gefördert wurde dieses einzigartige Rekonstruktionsprojekt vom Tanzfonds Erbe, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes.

Das 35-minütige SACRE DU PRINTEMPS bildete den Abschluss eines dreiteiligen Abends, der unter dem Thema SACRE (Opfer) stand und für den Mauro de Candia mit seinem Osnabrücker Ensemble das Stück FIAT LUX (Es werde Licht) zu Musik von Arvo Pärt kreierte und Gregor Zöllig mit seinen Bielefelder Tänzern RAUSCHEN zu Musik von Steve Reich.

Der gesamte Tanzabend, zu live gespielter Musik, war in Osnabrück mit dem Osnabrücker Symphonieorchester und in Bielefeld mit den Bielefelder Philharmonikern zu erleben. Im Juni 2014 brachte das Bayerische Staatsballett München, Kooperationspartner des Projekts, die rekonstruierte Fassung von Wigmans SACRE DU PRINTEMPS in München zur Aufführung.

LE SACRE DU PRINTEMPS  Eine Rekonstruktion
Eine Koproduktion der Dance Company Theater Osnabrück und des Tanztheaters Bielefeld

Choreografie Mary Wigman
Rekonstruktion Henrietta Horn (künstlerische Leitung), Susan Barnett, Katharine Sehnert
Beratung, Unterstützung Birgitta Herrmann, Emma Lewis Thomas, Susanne Linke
Bühne, Kostüme Alfred Peter (nach Wilhelm Reinking)
Licht Uwe Tepe
Projektleitung Patricia Stöckemann
Choreografische Assistenz Susan McDonald, Miroslav Zydowicz

Die Erwählte Hsiao-Ting Liao
Der Weise Dirk Kazmierczak
Mütterliche Gestalt Claudia Braubach
Zwei Priesterinnen Chris Bauer, Da Soul Chung
Ein Liebespaar Saori Ando, Tim Gerhards
Ein Jüngling Gustavo Gomes
Anführer des Männertanzes Gianni Cuccaro
Chor der Mädchen Vasna Felicia Aguilar, Saori Ando, Hsuan Cheng, Anna Eriksson, Ursina Hemmi, Anne-Hélène Kotoujansky, Hsiao-Ting Liao, Noemi Emanuela Martone, Brigitte Uray, Léa Thomen, Kathrina Wilke
Chor der Jünglinge Etienne Aweh, Keith Chin, Gianni Cuccaro, Tim Gerhards, Gustavo Gomes, Christopher Havner, Tiago Manquinho, Wilson Mosquera Suarez, Amadeus Marek Pawlica, Simon Wiersma
Die Gruppe der Ältesten Miroslav Zydowicz, Statisterie des Theaters Bielefeld: Maximilian Blasius, Patrick Kaminski, Hans Jürgen Neumann, Helmut Ritz, Christian Schütz, Norbert Steidl

Musik Igor Strawinsky LE SACRE DU PRINTEMPS
Aufführungsrechte: Boosey & Hawkes Bote & Bock GmbH, Berlin, für Hawkes & Son (London)

Musikalische Leitung Daniel Inbal
Solo-Violine Michael Majersky
Osnabrücker Symphonieorchester

Premiere Osnabrück 9.11.2013, Theater am Domhof
Premiere Bielefeld 17.11.2013, Stadttheater
Aufführungsdauer 35 Minuten
Die Uraufführung LE SACRE DU PRINTEMPS von Mary Wigman fand am 24.9.1957 an der Städtischen Oper Berlin statt.

Aufzeichnung der Aufführung am 19.11.2013, Theater Osnabrück
Kamera Andrea Keiz
Fotos Bettina Stöß

Das Rekonstruktionsprojekt wurde gefördert von TANZFONDS ERBE
Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes

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