Eine sensationelle Rekonstruktion

TOTENTANZ I

Choreografie von Mary Wigman

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Mary Wigmans TOTENTANZ I aus dem Jahr 1917 wurde 2017 von der Dance Company im Rahmen von DANSE MACABRE unter der Leitung von Henrietta Horn rekonstruiert und stellt uns vor Herausforderungen und Fragen. Gleichzeitig wird uns auf tänzerisch eindrückliche Weise verdeutlicht: Vor dem Tod sind wir alle gleich.

Totentänze fanden seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Form monumentaler Gemälde an Wänden von Kirchen, Kirchhofsmauern, Friedhöfen zu bildlicher Darstellung. Sie erlebten ihre Blütezeit im Mittelalter und dienten als Warnung vor dem Pest-Tod und gleichzeitig als Abwehr gegen ihn. Sie sollten den Pestepidemien Einhalt gebieten, die in ganz Europa täglich tausende von Menschen dahinrafften. Zugleich waren sie ein Memento Mori und mahnten: Vor dem Tod sind alle gleich. Parallelen zur Corona-Pandemie, die uns vor vergleichbare existentielle Herausforderungen und Fragen stellt, bis hin zu Entscheidungen über Leben und Tod, sind offensichtlich: und der Totentanz nicht mehr nur ein Thema der Vergangenheit.


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In der Tanzkunst hat das Motiv des Totentanzes im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zahlreiche Gestaltgebungen gefunden. Mary Wigman (1886-1973), die aus Hannover stammende Protagonistin des modernen Tanzes, schuf eine Reihe von Tänzen mit dieser Thematik. Während des 1. Weltkriegs war sie vom Monte Verità in Ascona nach Zürich übergesiedelt. Hier gehörte sie zum Umkreis der Züricher Dadaisten und ihr Name war eine Größe in der dortigen Avantgarde-Szene. Am 18. Juni 1917 gab sie im Pfauentheater Zürich ihren ersten Tanzabend mit eigenen Choreografien. Auf dem Programm stand auch ihr TOTENTANZ I zur Musik von Camille Saint-Saëns‘ DANSE MACABRE mit vier Tänzerinnen, darunter sie selbst. Eine „dämonische Groteske“ – wie Wigman ihr Stück bezeichnete – in dem vier Tote noch einmal des Nachts für ein paar Augenblicke das Leben genießen wollen. Die spitzen Hüte und bauschigen Kostüme der Tänzerinnen - in den Farben Blau, Grün, Rot, Gelb - verliehen dem Gesamtbild eine bizarre, mitunter humorvolle Note. Dazu die grotesken Bewegungen. Koboldartig, in absurden Verrenkungen springen, gleiten, jagen sie umher, allerdings ohne Zukunft. Sie können nichts erreichen, nichts mehr gewinnen und unter der Last ihres Bemühens fallen sie am Ende zusammen „wie morsches Holz“ – so ein Kritiker. 

Nach dem Krieg (und der Influenza-Pandemie, der Spanischen Grippe) nahm Mary Wigman den TOTENTANZ I 1921 wieder in ihr Programm auf: Ein Kommentar zum Thema mit der ihr eigenen choreografischen Phantasie in glasklar strukturierter Raum- und Bewegungsgestaltung.

Choreografie, Kostüme Mary Wigman
Rekonstruktion Henrietta Horn (verantwortl.), Susan Barnett, Christine Caradec, Katharine Sehnert
Rekonstruktion der Kostüme Margrit Flagner und Kostümabteilungen, Ltg. Christine Saurbier und Thorsten Budischewski, unterstützt von Susan Barnett
Musik Camille Saint-Saëns
Choreografische Assistenz Leonardo Centi
Projektleitung Patricia Stöckemann
Uraufführung18. Juni 1917, Zürich /14. Januar 1921, Dresden

Es tanzen Cristina Commisso, Katherine Nakui, Marine Sanchez Egasse, Rosa Wijsman

Die Rekonstruktion von Mary Wigmans TOTENTANZ I wurde gefördert von TANZFONDS ERBE – Eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes.

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