DAS DING

DAS DING

Von Philipp Löhle

Katrin und Thomas haben ein Problem. In ihrem eigenen Wohnzimmer zielt ein Chinese mit einer Pistole auf Thomas. Er drückt ab und die Kugel trifft Katrin mitten ins Herz, durch ihr T-Shirt hindurch. Dasselbe T-Shirt – und nicht viel mehr – trug Katrin auch als Li, der Chinese mit der Pistole, sich in sie verliebt hat. Per Webcam hat er Katrin auf einer Live-Erotik-Seite im Internet entdeckt und ist nur für sie um die ganze Welt gereist. Die Waffe hat Li auf dem Schwarzmarkt gekauft. Und zwar von Beat, Katrins entwicklungshelfendem Exfreund, dessen Biobaumwoll-Projekt sich als Desaster für die afrikanischen Bauern entpuppt hat und der nun mit illegalem Waffenhandel den Finanzausfall der Dorfbewohner wiedergutmachen will. Die Kugel verlässt den Lauf der verbogenen Pistole und trifft Katrin, aufgehalten nur durch die überdurchschnittlich robuste Baumwollfaser aus ökologischem Anbau, die das T-Shirt zusammenhält und ihr Dasein einst auf afrikanischen Feldern begann. Das war, bevor sie in einer chinesischen Näherei zusammengewebt und als Fußballshirt an Katrins Bruder ausgegeben wurde … Es hängt alles zusammen in Philipp Löhles Globalisierungsparabel Das Ding, die 2011 am Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt wurde. Die weltweiten Vernetzungen gegenseitiger Abhängigkeiten werden von Löhle verdichtet zu einem theatralen Parforce-Ritt, der unser Verhältnis zu Moral, Ware, Globalisierung und Liebe durchleuchtet.

Fotos: Uwe Lewandowski

Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde 30 Minuten, ohne Pause


Medien

Besetzung

Inszenierung Annette Pullen
Bühne/Kostüme Katja Bathon
Dramaturgie Maria Schneider

Fernao de Magalhaes, genannt Magellan / Thomas Friege / Ding Jacques Freyber
König Manoel I., genannt El Fortunado / Li / Siwa / Ding Thomas Kienast
Kathrin Friege, geb. Dräger / Ding Stephanie Schadeweg
Patrick Dräger / Ding Marcus Hering
Beat / Wang / Journalisten / Ding Martin Schwartengräber
Fela Greta Kemper / Josefine Lehan

Pressestimmen

„Das Ding, von dem Philipp Löhles Welthandelsfarce erzählt, ist eine Baumwoll-Flocke. Wie klein und unbedeutend sie eigentlich ist, machen Annette Pullen (Regie) und Katja Bathon (Ausstattung) gleich am Anfang deutlich, indem sie eine Wollflut über die Bühne blasen. Ein einzelnes Ding ist nicht zu unterscheiden – und doch wird der weiße, weiche Held und die ganze Welt reisen und die Wunder der Globalisierung durchleben. […] Im Emma-Theater machen dann alle fünf Schauspieler die Darstellung der Wollflocke zu einer Galerie absurder Pantomimik, die Pullen mit lauten Licht- und Soundeffekten rhythmisiert: Nie wurde die Beklemmung von Wolle in der Garnfabrik einfühlsamer interpretiert als von Thomas Kienast. Keiner könnte den Glamour eines nagelneuen Trikots sinnlicher in Tanz übersetzten als Marcus Hering. Auch die zweite Premiere der Spielzeiteröffnung beweist, dass Osnabrück gerade seht gute Komiker im Ensemble hat. Das Ding muss sich verwandeln, doch in einem bleibt es gleich: Am Strauch, im Ballen, im Trikot und in der Altkleider-Tonne – immer ist es ein Handelsgut, und als solches lernt es Afrikaner, Europäer und Asiaten kennen. […] Löhle knüpft an die Reise der Wollflocke ein Sammelsurium von Geschichten, die satirisch die Globalisierung durchdeklinieren. […] Das Premierenpublikum dankt mit feurigem Applaus.“
Neue Osnabrücker Zeitung, 11.9.2012

“Locker-flockiges Theater am Puls der Zeit! Umgangssprachlich gestrickt, metaphorisch wuchtig wie szenisch witzig, erzählerisch ein weltumspannendes Puzzle – so kommt Philipp Löhles fantasievoll geschnittenes Stück Das Ding daher, das in der Inszenierung von Annette Pullen am Sonntag dem Premierenpublikum im emma-theater richtig Spaß machte. Das ist lustig, abgefahren und auch ein bisschen politisch. Eine coole Globalisierungsparabel – auf alle Fälle viel erhellender als fast jedes Talkshow-Gelaber zu diesem omnipräsenten Thema. […] Wunderbar! Das Ding ist ein Stück über globale Welten, Provinzkarrieren, Liebe, Waffenschmuggel, Baumwollsamen, einen Koi-Fisch und noch viel mehr…“
Osnabrücker Nachrichten, 12.9.2012

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