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Für dieses Konzert sind auch an der Abendkasse noch Tickets erhältlich

Für den Frieden

Wie in unserer Einleitung erwähnt, ist dieses Festival als eine Hommage an den immensen kulturellen und insbesondere musikalischen Reichtum, den die Donauregion über Jahrhunderte – weit über die Landesgrenzen hinweg – erlebt hat. Der Ausbruch der Weltkriege und des Nationalsozialismus sowie später der Kommunismus führten jedoch zu einer kulturellen Lähmung und Atomisierung. Viele Musiker und Komponisten wie Bartok, von Dohnanyi, Enescu, Kreisler, Martinu, Vladimir Mendelssohn, Schoenberg, Zemlinsky und Kreisler emigrierten, die kulturelle Vielfalt der Region erlosch unwiederbringlich. Die totalitäre Gewalt war der Auslöser. 

Daher – und bevor wir die Musik derer hören, die diese totalitäre Gewalt miterleben mussten – erklingt als erstes Werk des heutigen Abends die pazifistische Stimme des Kriegsdienstverweigerers Benjamin Britten mit seinem wunderbaren Phantasy Quartett für Oboe und Streichtrio, op. 2., in dem man mahnende aber auch versöhnliche Töne erkennen kann.

Arnold Schönberg komponierte „die eiserne Brigade“ während seiner zweiten Militärzeit in Bruck an der Leitha für einen sogenannten Einjährigen-Kameradschaftsabend, wohl als eine Art musikalisch-kabarettistische Einlage.

Als György Ligeti seine Bagatellen im September 1956, nach dem Ungarn-Aufstand, in seiner Heimat vorstellte, wurden sie als zu dissonant verboten. Heute, fern solcher ideologischer Erstarrungen, sind die Sechs Bagatellen längst zum Klassiker des modernen Bläserquintett-Repertoires avanciert.

Anton Weberns vier Stücke sind zwar ein frühes, aber dennoch mit experimentellem Klang, chromatischer Verdichtung, sowie kurzer prägnante Form und extremer Dynamik sehr typisches Werk.

Der in Rumänien geborene György Kurtág, der nicht wie Ligeti emigrierte, sendetet von Budapest aus Impulse für eine offene Haltung Ungarns gegenüber dem Westen. In seiner Hommage à Schumann begegnen wir Eusebius, Florestan und Meister Raro. “Signs, Games & Messages” ist eine seit 1989 im Wachsen begriffene Sammlung klanglicher Tagebucheintragungen, ein “work in progress” für Streichtrio. 

Auf mysteriösen Wegen ist uns gelungen, an die Noten für 7 Miniaturen für Bläserquintett von Alfred Mendelssohn aus Rumänien zu gelangen. Wie uns sein Sohn Vladimir Mendelssohn berichtete, begab sich sein Vater mit diesen Miniaturen an die Grenze dessen, was vom kommunistischen Regimes verboten worden wäre. Dieses bisher im Westen völlig unbekannte Werk, erlebt heute in Osnabrück seine Premiere.

Der Quartentsatz A-Moll ist das einzig erhaltene Kammermusikwerk Gustav Mahlers. Der 16jährige hat sämtliche anderen frühen Werke im jugendlichen Leichtsinn leider „vertrödelt“. Von dem zweiten Satz, dem Scherzo, sind nur 16 Takte überliefert – Schnittke plante zunächst, das Fragment zu ergänzen und in Mahlers Stil weiterzuschreiben, gab jedoch nach etlichen Versuchen auf „sich an etwas zu erinnern, was gar nicht zustande kam …“ und schrieb schließlich einen eigenen Quartettsatz, der am Ende in das notengetreu übernommene Zitat des Mahlerschen Fragmentes angefügt wurde. 


Britten Phantasy Quartett für Oboe und Streicher
Mit: Gleisner, Malov, Mendelssohn, Cohen


Schoenberg Die Eiserne Brigade für Klavierquintett
Mit: Okruashvili, Malov, Kirchmayer-Wonnemann, Mendelssohn, Bogdanović


Ligeti Bagatellen für Bläserquintett
Mit: Aubrun, Gleisner, Sallinen, Seel, Barsony


Webern 4 Stücke für Violine und Klavier
Mit: Malov, Okruashvili


Kurtag Hommage à R. Schumann für Klarinette, Viola, Klavier
Mit: Sallinen, Malov, Okruashvili


Kurtag Games, signs & Messages für Violine, Viola, Violoncello
Mit: Malov, Mendelssohn, Bogdanović


A. Mendelssohn Bläserquintett
Mit: Aubrun, Gleisner, Sallinen, Seel, Barsony


Mahler/Schnittke Klavierquartett
Mit: Gvetadze, Rowland, Mendelssohn, Cohen

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