Sanierung

Sowohl das Theater am Domhof als auch die ihm angeschlossenen Gebäude sind in die Jahre gekommen: Nur durch eine Kernsanierung, deren Durchführung frühestens 2027 beginnen kann und voraussichtlich drei Jahre in Anspruch nehmen wird, kann Osnabrücks kulturelles Zentrum zukunftsfähig gemacht werden. Der Rat der Stadt Osnabrück hat in seiner Sitzung am 15.12.2020 beschlossen, die Mittel für das europaweite Vergabeverfahren für das Architekturbüro und die anschließenden weiteren Vorplanungen in den Doppelhaushalt 2021/2022 einzustellen.

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Vorausgegangen war der Grundsatzbeschluss des Rates im März 2019, dass das Theater am Domhof saniert werden soll. Verglichen mit einem Neubau oder der stetigen Beauftragung notwendiger Reparaturen, stellt eine Sanierung die kostengünstigste Variante dar. Mit diesem Beschluss wurde die Stadtverwaltung beauftragt, zwei Drittel der benötigten finanziellen Mittel durch Fördermittelgeber einzuwerben. Dazu wurden bereits vor der Corona Pandemie Gespräche mit Bund und Land geführt, in denen positive Signale zur Unterstützung gegeben wurden. Aufgrund der im Oktober 2022 anstehenden niedersächsischen Landtagswahl werden derzeit Gespräche mit vielen Landtagskandidat:innen geführt. Ziel ist es, dass die finanzielle Beteiligung des Landes an der Sanierung kommunaler Theater in die Wahlprogramme eingeht und im Koalitionsvertrag für die neue Legislaturperiode bis 2027 aufgenommen wird.

Die Stadt Osnabrück hat sich entschieden, die nächsten Schritte für das Sanierungsprojekt einzuleiten einschließlich des
Neubaus von Probenzentrum und Dekorationswerkstätten sowie der Einrichtung einer temporären Ausweichspielstätte und notwendiger Ausweichquartiere. Diese müssen bereits vor Beginn der Sanierung und der damit verbundenen Schließung des Theaters am Domhof bezugsfertig sein. Zur Vertiefung der Planungen und Intensivierung der Vorbereitung des Projekts hat die Stadt Osnabrück als Bauherr mittlerweile eigens zwei Mitarbeitende eingestellt. Diese erarbeiten gemeinsam mit Vertretern des Theaters und externen Experten zurzeit die notwendigen Unterlagen für die Durchführung der anstehenden EU-weiten Vergabeverfahren. Derzeit laufen auch die Prüfungen für mögliche Grundstücke für den Neubau von Probenzentrum und Dekorationswerkätten. Eine Entscheidung dazu wird voraussichtlich im Herbst 2022 fallen. Mit dem frühestmöglichen Baubeginn des Neubaus ist in 2025 zurechnen und im besten Fall wird das
Theater am Domhof im Jahr 2030 nach erfolgreicher Sanierung wiedereröffnen.

In samstäglichen Führungen zur Theatersanierung erfahren Sie Hintergründe zum Bauvorhaben und erhalten Einblicke in Räumlichkeiten, die die Notwendigkeit der Sanierung deutlich machen. Sobald Termine wieder feststehen, informieren wir Sie auf unserer Website und in unseren Publikationen. Damit Sie auch ohne eine solche Führung Wissenswertes zum anstehenden Bauvorhaben erfahren können, haben wir eine virtuelle 360°-Sanierungsführung für Sie erstellt, die Sie sich online auf unserer Website online anschauen können.

Was wird gemacht?

Bei der Sanierung des Theaters am Domhof erfolgen Maßnahmen vor allem in drei Bereichen: Brandschutz, Technik und Hochbau. Ein Großteil der Kosten im Bereich Hochbau entsteht durch die notwendigen Brandschutzmaßnahmen und durch die Erneuerung von technischen Anlagen, die zusätzliche Stellflächen und neue Leitungswege benötigen.

 

Brandschutz

• Die Brandschutzsysteme und sicherheitstechnischen Anlagen, z. B. die Sprinkleranlage, entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen und müssen ausgetauscht werden.

• Elektroleitungen und -anlagen wurden über mehrere Bauabschnitte teilweise nicht erneuert, sondern nur ergänzt und bilden damit vor allem in Flucht- und Rettungswegen eine große Gefahrenquelle durch Brandlasten. Da die Anlagen stark vernetzt sind und sich durch das gesamte Gebäude ziehen, ist ein kompletter Austausch erforderlich.

• Nach dem Flughafenbrand 1996 in Düsseldorf wurden die gesetzlichen Vorgaben für Brandschutz deutlich verschärft. Der Gebäudekomplex des Theaters am Domhof wurde noch nach den alten Vorgaben gebaut, die heutigen Mindestanforderungen an den Brandschutz sind nicht erfüllt.

 

Technik         

• Austausch der veralteten Haustechnik, wie z. B. Elektro- und Lüftungstechnik

• Die Erneuerung der Lüftungstechnik durch moderne und energieeffiziente Systeme erfordert aufgrund gesetzlicher Vorgaben deutlich mehr Stellfläche, die z. B. im Keller des neuen Schneidereigebäudes und unter dem Innenhof geschaffen werden muss.

• Erneuerung der stark veralteten Bühnentechnik wie z. B. Inspizientenanlage, Bühnenbeleuchtung, Tontechnik und Bühnenmaschinerie

 

Hochbau

• Das marode Schneidereigebäude wird durch einen Neubau mit einem zusätzlichen Geschoss ersetzt, um Platz für technische Anlagen und weitere Nutzung zu schaffen, z. B. wird es dort einen Workshop-Raum für die Theaterpädagogik geben. Außerdem wird durch den Neubau das Etagenniveau an das vorhandene Betriebsgebäude angepasst und somit ein barrierefreier Zugang ermöglicht.

• Im Rahmen des großen Umbaus 1995-1997 wurde auf die konsequente Durchführung von Akustikmaßnahmen verzichtet. Es sind Veränderungen erforderlich, damit z. B. Bühne und Orchesterstudio gleichzeitig und weitere Probenräume unabhängig voneinander genutzt werden können.

• Die beiden Probebühnen entsprechen nicht der notwendigen Bühnenfläche, außerdem fehlen Nebenräume wie z. B. Garderoben, Sanitäranlagen und Lagerräume. Aus diesem Grund ist der Neubau eines externen Probenzentrums geplant, das schon während der Sanierung genutzt werden kann.

 

Was ändert sich für die Zuschauer?

• Der Zuschauerraum wird im Rahmen der erforderlichen Maßnahmen komplett modernisiert.

• Im oberen Foyer wird ein vom Zuschauersaal abgetrennter und unabhängiger Veranstaltungsort geschaffen, der auch für externe Veranstaltungen genutzt werden kann.

• Im unteren Foyer wird der Kassen- und Garderobenbereich umgestaltet.

 

Zeitplan

Grundsatzentscheidung zur Sanierung des Theaters, Mittelbereitstellung

Jahr 0

Durchführung eines europaweiten Vergabeverfahrens für Architektenleistungen

Jahr 1

Abschluss der Planungsphase

Jahr 3

Ausschreibungsphase

Jahr 4

Ausführungsbeginn (frühestmöglicher Zeitpunkt: 2024)

Jahr 5

Fertigstellung

Jahr 7-8

 

Zu beachten: Vor Baubeginn muss ein Ausweichquartier mit Probenräumen und Spielstätte zur Verfügung stehen, da das Theater am Domhof während der Bauphase komplett ausgelagert werden muss. Teile des Ausweichquartiers sollen nach der Theatersanierung als Probenzentrum und neuer Standort der Dekorationswerkstätten genutzt werden.

 

Kosten und Finanzierung

62 Millionen Euro, davon

• 20 Millionen für den Hochbau inkl. Brandschutz

• 22 Millionen für die Technik inkl. Brandschutz

• 10 Millionen für die Planung

• 5 Millionen für ein externes Proben­zentrum, das schon während der Sanierung genutzt wird

• 5 Millionen für bereits eingeplante Baukosten­steigerung

18 Millionen Euro Risikopuffer wegen

• Preissteigerungen, erwarteter Marktentwicklung

• Sicherheitsaufschlag

Finanzierung der 80 Millionen Euro

• Stadt Osnabrück: 27 Millionen, so viel wie die Sanierung der OsnabrückHalle in etwa gekostet hat

• als weitere Förderer kommen infrage: Land Niedersachsen, Bund, Region, Wirtschaft, Stiftungen, Bürgerschaft

Für die Sanierung der technischen Anlagen liegt bereits eine Vorplanung mit Kostenschätzung vor und für den Hochbau eine Studie mit Kostenschätzung. Beides wurde von Partnerschaft Deutschland zusammen mit dem Ingenieurbüro Schüßler-Plan geprüft.

 

Sanierungen anderer Mehrspartentheater

Stadt   

Maßnahme

Kosten

Augsburg

Sanierung/Teilneubau

186.300.000 €

Coburg

Sanierung/Teilneubau           

100.000.000 €

Mannheim     

Sanierung      

240.000.000 €

 

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Hier finden Sie unsere Sanierungsbroschüre.