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DIE MENSCHENFABRIK

Uraufführung / Nach Oskar Panizza

Bürgerbühnen-Projekt mit Osnabrücker*innen

Im Rahmen von SPIELTRIEBE 8

Auf der Suche nach einem Nachtquartier erlebt ein Wanderer Erschütterndes: Das Gebäude, in dem er um Obdach ersucht, wird ihm umstandslos als Menschenfabrik vorgestellt. Unbeeindruckt von den Einwänden des Besuchers wirbt der freundliche Direktor mit den Vorteilen seines Fabrikats: Lästige Gefühlsschwankungen und unnützes, depressionsförderndes Denken gehen seinen Geschöpfen völlig ab, mehr noch: die Unveränderlichkeit ihrer körperlichen und geistigen Güter sei doch angesichts der schwankenden Zeitverhältnisse ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Und überhaupt: Auf entbehrliche Attribute wie Willensfreiheit oder Sittlichkeit könne nur ein Idealist ohne feste kaufmännische Prinzipien bestehen!


1890 erschienen, setzt sich Oskar Panizzas Kurzgeschichte lange vor Orwell und Huxley prophetisch, fesselnd und verstörend mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Mensch und Maschine auseinander. Mit diesem Stoff als Ausgangspunkt entwickelt ein Ensemble aus 14 Osnabrücker*innen und vier Schauspieler*innen des Theaters ein Stück, wie das Leben in dieser Stadt in der Zukunft aussehen könnte – persönlich, politisch, utopisch, dystopisch. Werden die Osnabrücker*innen an ihren Arbeitsplätzen durch Maschinen ersetzt? Werden Menschen noch gleiche Rechte haben oder steuern wir auf eine neue Klassengesellschaft zu? Wie sieht die Zukunft in dieser Stadt und in der Welt aus? Und wie wird sich der Mensch der Zukunft verändert haben?


Regisseur Jakob Fedler, der am Theater Osnabrück bereits mit DER HAUPTMANN VON O. so tragikomisch wie erhellend die Erfahrungen von zehn Geflüchteten thematisierte, bringt zur Eröffnung des SPIELTRIEBE 8-Festivals die Osnabrücker Stadtgesellschaft auf die Bühne und fragt nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen.


Die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde und 15 Minuten, keine Pause.


Fotos: Jörg Landsberg


30 Minuten vor jeder Vorstellung findet eine Einführung im Oberen Foyer statt. Im Anschluss an die Vorstellungen finden Nachgespräche im Zuschauerraum statt.


Im Anschluss an die Vorstellung am 19. November 2019 findet ein Nachgespräch mit dem Regisseur Jakob Fedler und einigen Bürger*innen, die in DIE MENSCHENFABRIK mitspielen, statt.

TERMINE & KARTEN

19.11.2019

Di. | 19:30 Uhr

BESETZUNG

Inszenierung Jakob Fedler
Bühne, Kostüme Dorien Thomsen
Dramaturgie Marie Senf
Theaterpädagogische Betreuung Dietz-Ulrich von Czettritz
Musikalische Einstudierung Dennis Brause

Mit Juliane BöttgerRonald Funke, Ahmad Kiki, Oliver Meskendahl 
Und Bürger*innen der Stadt Osnabrück Milena Bick, Dennis Brause, Sohel Ghneim, Maha Hamo, Ferhad Hassan, Franziska Junge, Annegret Kelsch, Norbert Marx, Youssef Mouin, Amer Al Nawara, Raven Sieker, Ulrike Teepe, Denise Tiefenthaler, Rabih ZrZoor

 

PRESSESTIMMEN

„Eine Warnung vor dem Verschwinden des Menschlichen hinter der Funktionalität des arbeitenden Körpers – in einem perfekt dahinratternden, seelenlosen Dasein. […] 14 Osnabrücker Laien, billigblond perückt und trutschig mit einer Art Gardinenvorhang uniformiert (Kostüme/Bühne: Dorien Thomsen), trippeln als frisch vom Band gelaufenen Puppen mit mechanischer Beschwingtheit auf die Bühne. Hinreißend!“ – Jens Fischer, Die Deutsche Bühne, 7.9.2019

„Zu dem Zeitpunkt wurden bereits alle debattentauglichen Themen angerissen: Gen- & Nanotechnik, Klimakrise, Sex-Roboter. Jakob Fedler hat das alles in seine Bühnenbearbeitung von Oskar Panizzas 1890 veröffentlichter Erzählung ‚Die Menschenfabrik‘ gepackt.“ – Alexander Menden, Süddeutsche Zeitung, 17.9.2019

„Am besten ist Theater, wenn sich Szenen dauerhaft ins Gedächtnis einbrennen. Die 14 Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger gehören dazu. […] Jakob Fedlers Inszenierung von ‚Die Menschenfabrik‘ nach einer Kurzgeschichte von Oskar Panizza ist ein Rahmenstück des dreitägigen Festivals am Osnabrücker Theater, das sich niemand entgehen lassen sollte. […] Was Oskar Panizza schon 1890 so rabenschwarz gezeichnet hat, wendet Fedler so pfiffig wie augenzwinkernd in eine optimistischere Zukunftsvision. […] Dem Horror möglicher Manipulation am guten, alten Homo sapiens verleiht diese Inszenierung großartige und grausig faszinierende Bilder." – Neue Osnabrücker Zeitung, 6.9.2019

„Die Besonderheit der Produktion ist, dass 14 Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger involviert sind. Sie stellen die in der Fabrik gefertigten Menschen maschinenartig dar, tippeln über die Bühne und wirken wie Roboter. […] Gerade bei der Koordination der Bürger beweist Regisseur Jakob Fedler ein sehr gutes Händchen. Die Laiendarsteller agieren durchweg authentisch und überzeugend und regen in ihren Monologen zum Nachdenken an. Genial, wie sie marschieren und chorähnlich ‚Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem and‘ren zu‘ predigen oder robotermäßig kühl ‚Ich liebe dich‘ herunterbeten. Aber auch Oliver Meskendahl vom Hausensemble agiert wie gewohnt erstklassig […] und läuft in seiner Darstellung zu Hochtouren auf.“ – Dominik Lapp, kulturfeder.de, 16.9.2019

„Als Bürger-Theaterstück abseits von Routine und Literaturkanon eröffnete ,Die Menschenfabrik' für alle Routengänger das wieder einmal gelungene ,Spieltriebe'-Festival, jetzt ist diese gedanklich verspielte Uraufführung noch einige Male im regulären Spielplan zu erleben. […] Das alles bleibt in Erinnerung, starke Bilder in 75 Minuten. […] Theater zum Mitmachen und Mitfühlen!" – Werner Hülsmann, Osnabrücker Nachrichten, 18.9.2019

„,Die Menschenfabrik' eröffnete das Festival mit einer gekonnten Mischung aus Humor und Ernst und erwies sich schon am ersten Abend als Publikumshit." – Adelheid Wessel, Radio Ostfriesland, September 2019

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