Ödipus Exzellenz
Schauspiel nach Seneca
Aufgrund von künstlerischen Differenzen wurde die Produktion leider abgesagt. Hinweise für Abonnenten finden Sie unten.
Der ursprüngliche Termin für eine Sonderveranstaltung zur sexuellen Machtausübung gegenüber Minderjährigen in der katholischen Kirche am Do. 21. August musste aufgrund der Absage des Referenten abgesagt werden.
Aktuell finden mit dem Schauspielensemble von Ödipus Exzellenz und der Künstlerischen Leitung des Theaters interne moderierten Gespräche zur weiteren Zusammenarbeit statt, die im gleichen Zuge auch den Prozess der Stückabsage aufarbeiten.
Das Stück Ödipus Exzellenz, das für die Eröffnung der Spielzeit 25/26 vorgesehen war, sollte im Kern das System der sexualisierten Gewalt von Amtsträgern der katholischen Kirche in Deutschland behandeln. Das Stück war als Überschreibung geplant, Grundlage dafür sollte der Text „Ödipus" von Seneca sein. Es ging um das systemische Versagen der katholischen Kirche und deren Repräsentanten sowie die Kritik an diesen. Ein zentrales Anliegen war es, den Betroffenen von sexualisierter Gewalt eine Stimme zu geben.
An der Frage, wie ein katholischer Gottesdienst auf der Bühne künstlerisch umgesetzt werden sollte, entzündete sich ein Konflikt über die Frage nach der grundsätzlichen Kunstfreiheit des Teams. Selbstverständlich war diese zu jedem Zeitpunkt gegeben, der Intendant hat aber die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit an diesen Themen eingefordert.
1. Das Theater verwahrt sich gegen die völlig haltlose Unterstellung, es habe in Abstimmung mit dem Bistum Osnabrück gehandelt. Das ist nie passiert.
2. Die Darstellung des Gottesdienstes war letztlich auch im Sinne der Intendanz und hätte Teil der Inszenierung sein können. Der Intendant hatte eine Diskussion darüber angestrebt, wie das dramaturgisch umgesetzt werden könnte.
3. Die Absage erfolgte also nicht wie zum Teil unterstellt, um dem Thema Missbrauch und katholische Kirche auszuweichen, sonst hätte das Theater diese Produktion nicht beauftragt und auch nicht so prominent am Spielzeitbeginn mit diesem Team in den Spielplan gestellt.
4. Das Regieteam hat die gemeinsame Arbeit daran verweigert. Das Theater hat die Zusammenarbeit daraufhin beendet.
Uns, den Mitgliedern der Sparte Schauspiel ist es ein Anliegen, dem Statement des Theaters zur abgesagten Produktion “Ödipus Exzellenz” unsere Sichtweise gegenüberzustellen. Wir teilen nicht die öffentliche Stellungnahme des Hauses.
"Ödipus Exzellenz", ein Theaterabend über das Wegschauen und Vertuschen von sexualisierter Gewalt an Minderjährigen in der katholischen Kirche, wurde zurückgezogen und hat dadurch erneutes Wegschauen und Vertuschen produziert. Genau dort hinzusehen und deutlich zu machen, wo diese Missstände herrschen - so verstehen wir unseren künstlerischen Auftrag.
Unsere Überzeugung ist es, dass der Schutz von Gläubigen nicht über dem der Betroffenen stehen kann. Was muss eigentlich der größere Skandal sein? Wie "Ödipus Exzellenz" geworden wäre oder die Verbrechen, um die es hätte gehen sollen?
Künstlerische Differenzen können und dürfen immer Teil eines kreativen Prozesses sein. Diese gilt es gemeinsam auszuhalten und darüber in den Austausch zu gehen.
Immer dort, wo sich Macht auf eine einzelne Person konzentriert, ist die Gefahr von autoritären Entscheidungen gegeben. Wie auch in diesem Fall.
Wenn kein Raum für Diskurs vorhanden ist, wird künstlerisches Arbeiten unmöglich, denn dazu braucht es kreative Freiheit, die Möglichkeit des Scheiterns und gegenseitiges Vertrauen. Leider haben die Beteiligten der Produktion „Ödipus Exzellenz“ die Option zur Diskursbereitschaft seitens der Intendanz zu spät und nur mit Einschränkungen erlebt.
Übrig bleibt eine schmerzhafte Leerstelle auf allen Seiten:
Für alle Beteiligten der Produktion - Künstler:innen, Techniker:innen und Mitarbeiter:innen aus allen Gewerken - deren leidenschaftliche und intensive Arbeit keine Premiere erlebt hat.
Für das Publikum dieser Stadt, dem mit dem Argument geschützt werden zu müssen, die Möglichkeit der eigenen Meinungsbildung vorenthalten wurde.
Aber vor allem für die unzähligen Betroffenen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Ihren Stimmen hätte an diesem Abend die Bühne gehört.
Wir möchten an dieser Stelle den Betroffenen Karl Haucke zitieren: Warum sollte die Aufarbeitung des Missbrauchs weniger wehtun als der Missbrauch selbst?
Wir, die Sparte Schauspiel, hätten uns und Ihnen diesen Abend gerne zugemutet.
Die Pest geht um in Theben. König Ödipus, als Einziger davon verschont, ist sich in einer seltsamen Sensibilität seines Schicksals bewusst und steht ratlos seiner mit Unheil geschlagenen Stadt gegenüber.
Er hofft auf Erlösung vom Orakel in Delphi, doch die Prophezeiung wendet sich ziel gerichtet gegen ihn: Diesem Übel liegt kein göttliches Schicksal, sondern sein persönliches Versagen zugrunde. Wie verhält sich also ein Herrscher, der mit seiner eigenen Schuld konfrontiert wird?
Dieser Frage geht die Inszenierung jedoch nicht innerhalb des antiken Dramas nach, sondern vor dem Hintergrund einer anderen, ebenso antiken Institution: der katholischen Kirche. Die Geschichte des Königs Ödipus wird zum Spiegel einer Institution, die sich jahrzehntelang geweigert hat, hinzusehen und enthüllt die Mechanismen von Machtmissbrauch und seiner Verschleierung.
Hinweis: In diesem Stück wird sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Täter:innen aus dem kirchlichen Kontext thematisiert.
Statt "Ödipus Exzellenz" zeigen wir Ihnen, je nach Abo, entweder die beliebte Komödie Kunst, das Schauspiel Wenn die Sterne fallen, die Oper Macbeth oder das Musiktheater Endstation Sehnsucht. Bei unseren Abo-Angeboten finden Sie nähere Informationen dazu.
Für Rückfragen steht Ihnen das Team der Theaterkasse im Rahmen der Öffnungszeiten zur Verfügung. Bitte beachten Sie unsere Sommerpause vom 29. Juni bis einschließlich 4. August.